Corona in Herten

In der Muckibude wird wieder fleißig geschwitzt

Neue Maskenpflicht in den Fitnessstudios kann Sportler nicht schocken. Nachholbedarf ist nach dem langen Lockdown groß. Zu Besuch im „Limitless“ und in der „Kraftkaue“.
Jonathan Brinkhaus (l.) war früher Patient im Physiobereich der "Kraftkaue". Heute ist der Marler Jiu-Jitsu-Athlet Stammgast auf der Trainingsfläche von Inhaber Dominik Schulte Sasse. © Tina Brambrink

Die Aufwärmecke im „Limitless“ ist gut belegt. Auf Laufbändern und Crosstrainern wird fleißig geschwitzt. Rebecca Weller ist schon auf der Fläche und quält sich am Butterfly. Die 17-Jährige aus Westerholt war sofort dabei, als ihr Fitnessstudio an der Westerholter Straße im Mai/Juni nach langem Lockdown wieder öffnen durfte. Anfangs habe sie die Online-Angebote von „Limitless“ genutzt, später holte sie sich von diversen Influencerinnen im Web Inspiration für ihr Home-Workout. „Aber irgendwann war die Luft raus“, gibt die junge Frau zu.

Dass sie ab sofort wieder den Mund-Nasen-Schutz in ihrem Fitnessstudio tragen muss, stört Rebecca Weller nicht. „Am Gerät darf ich ja ohne trainieren. Alles gut. Hauptsache, die Inzidenzen gehen nicht so schnell wieder hoch.“

„Dauer-Lockdown war ein Schock für die Branche“

Das hofft auch „Limitless“-Marketingleiterin Desiree Zubek. „Die lange Schließung war ein großer Schock für die Branche.“ Auch sie bestätigt: „Anfangs war das Interesse an den digitalen Angeboten groß. Wir haben sogar Online-Live-Events mit DJ organisiert.“ Mit der Zeit fehlte den meisten zu Hause die Motivation. „Deshalb waren wir auch froh, dass alle wieder so fleißig ins Studio kommen.“ Der Nachholbedarf sei groß, das Gesundheitsbewusstsein schon seit Längerem gestiegen.

Und nur wenige hätten den Dauer-Lockdown für eine Kündigung genutzt. „In unserer Branche gibt es immer eine Fluktuationsquote, da bewegen wir uns gottlob weiter im normalen Rhythmus“, so Desiree Zubek. Viele Kunden haben in der Zwangspause ihren Monatsbeitrag weiter gezahlt und sich für eine Gutschrift entschieden. „Einige haben uns aus Solidarität ohne Gegenleistung unterstützt, andere wollten eine Zahlpause einlegen. Da gab es ganz individuelle Lösungen.“

Ab einer Inzidenz von 35 besteht wieder Testpflicht

Mit den steigenden Corona-Zahlen müssen sich die Sportlerinnen und Sportler in den Studios allerdings wieder auf wechselnde Hygiene-Bestimmungen einstellen. Ab einer Inzidenz von 35 besteht die Testpflicht, „was bisher keine Bremse für unsere Kunden war“; auch für die hochintensiven Intervallkurse mit höherer Aerosol-Ausschüttung wie Spinning oder Jumping ist dann wieder Schluss.

Desiree Zubek: „Wir bleiben positiv, unser Studio ist hier in Herten so groß, zwischen den Geräten ist viel Abstand, wir haben einen abgetrennten Ladies-Bereich und für Frischluft-Fanatiker gibt es ja auch unsere beliebte Outdoor-Area.“

Rebecca Weller (l.) ist froh, endlich wieder in ihrem Fitnessstudio trainieren zu können.
Rebecca Weller (l.) ist froh, endlich wieder in ihrem Fitnessstudio trainieren zu können. “Limitless”-Marketingchefin Desiree Zubek hofft, dass die Inzidenzen nur moderat ansteigen. © Tina Brambrink © Tina Brambrink

In der „Kraftkaue“ auf dem Gelände der ehemaligen Zeche „Schlägel & Eisen“ sind die beiden Inhaber, Dominik Schulte Sasse und Ansgar Lastic, trotz einer viel kleineren Grundfläche beim Blick auf die steigenden Inzidenzen ungleich entspannter. Die beiden Physiotherapeuten fahren ein anderes Konzept: „Wir hatten das Glück, nie schließen zu müssen. Alles, was ärztlich verordnet war, konnten wir weiter machen“, erklärt Dominik Schulte Sasse. Viele der Sportlerinnen und Sportler, die die Trainingsfläche im Bergbaustandort nutzen, sind ehemalige Patienten.

Personal-Training in Kleingruppen

Darunter Jonathan Brinkhaus, der vor Jahren seine Schulterprobleme bei den Physiotherapeuten behandeln ließ und heute regelmäßig im Kraftraum trainiert. Der Marler macht brasilianisches Jiu Jitsu, ist mit seinem Sport international unterwegs und betreut auch andere Kämpfer.

Ob Otto-Normal-Sportler oder Leistungsathlet, wer auf die Trainingsfläche will, muss vorab einen Termin buchen. Ein Trainer ist immer vor Ort. „Wir bieten quasi Personal-Training in Kleingruppen an“, so Dominik Schulte Sasse. Da die „Kraftkaue“ mit Zehnerkarten arbeitet, fielen im Lockdown keine Kosten für die Sportler an.

Neue Trainingsfläche in der ehemaligen Jugendkaue

„Viele unserer Kunden schätzen die enge Betreuung und den terminierten Sport.“ Trotzdem haben sich die „Kraftkaue“-Inhaber in der Corona-Zeit mit einer zweiten Trainingsfläche für die Zukunft aufgestellt. Der 120 Quadratmeter große Raum in der ehemaligen Jugendkaue soll als eigenständiges Fitnessstudio für versierte Sportler ohne Termin und Trainer geöffnet werden. Noch stehen letzte Arbeiten in dem weiß gefliesten Raum an, alte Kauenkörbe sollen unter der Decke an das erste Leben der hohen Halle erinnern. Wenn das Virus mitspielt, wird der neue Bereich im September eröffnet.

Und dann gibt es auch noch diesen Plan: In einem langen Verbindungsflur des Zechengebäudes soll eine Sprintstrecke mit Zeitmess-Anlage entstehen. Schon seit einiger Zeit betreut das „Kraftkaue“-Team diverse Fußballvereine mit einer mobilen Version. Auch die Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr Herten wollen ab Herbst Ausdauer und Kondition bei den Sportexperten auf „Schlägel & Eisen“ verbessern.

Info: Weil die Sieben-Tage-Inzidenz acht Tage in Folge bei über zehn lag, greift seit Montag, 26. Juli, die Inzidenzstufe 1. In den Fitnessstudios müssen die Kunden wieder Masken tragen, die sie am Gerät ablegen dürfen. Hochintensives Ausdauertraining (Indoor-Cycling etc.) ist innen mit bis zu 15 Personen erlaubt (Negativtestnachweis und Rückverfolgung).

Der Abend in Herten

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt