Corona in Herten

Inzidenz wieder über 100 – Stadt plant keine konkreten Maßnahmen

26 Neuinfektionen, die Inzidenz springt wieder über die 100er-Marke. Der Krisenstab will die Entwicklung weiter verfolgen. Kontrollen werden nicht ausgeweitet, aber anders ausgerichtet.
In der Hertener Innenstadt gilt Maskenpflicht. © Frank Bergmannshoff

30 Corona-Infektionen wurden über Pfingsten für Herten registriert – jedoch verteilt auf drei Tage. Die Inzidenz stieg zum Wochenbeginn auf 110,0. Am Freitag (28. Mai) sind nun für Herten 26 Neuinfektionen gemeldet worden – diesmal an einem einzigen Tag. Die Folge: Nachdem Herten am Donnerstag kurz unter der 100er-Marke gelegen hatte, nämlich bei 76, macht die Inzidenz wieder einen Sprung nach oben auf 101,9.

Nicht nur vom Durchschnitt im Kreis Recklinghausen (41,4) ist Herten mittlerweile weit entfernt. Auch die zweithöchste Inzidenz im Kreis – 66,1 in Gladbeck – liegt deutlich unter dem Hertener Wert. Insgesamt in Nordrhein-Westfalen gibt es nur noch vereinzelt Städte über der Hunderter-Marke – Herten gehört dazu. Auch am Samstag legten die Zahlen für Herten zu, die Inzidenz stieg an auf 108,4.

Stadt begründet Anstieg mit Meldeverzögerungen

Nach der Sitzung des Krisenstabs am vergangenen Dienstag hatte Bürgermeister Matthias Müller im Gespräch mit unserer Zeitung angekündigt, man wolle die Entwicklung bis zur nächsten Sitzung beobachten. Diese war am Freitag. Zu welchen Schlussfolgerungen ist der Krisenstab gekommen?

Um es vorweg zu nehmen: Konkrete Maßnahmen über das bestehende Maß hinaus sind nicht geplant. Das teilt Stadt-Sprecherin Corina Plötz auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Der Krisenstab wolle die Entwicklung weiterhin im Blick behalten. Man führe den erneuten plötzlichen Anstieg der Fallzahlen auf Meldeverzögerungen wegen der Pfingstfeiertage und jetzt erfolgte Nachmeldungen zurück.

Inzidenz in Marl und RE nur etwa halb so hoch

Festzuhalten ist jedoch: Von eventuellen Meldeverzögerungen müssten dann auch die übrigen Städte im Kreis RE betroffen gewesen sein. Jedoch liegen die Inzidenzen – also die Gesamtzahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen, hochgerechnet auf 100.000 Einwohner – zum Beispiel in Marl bei 55,9 und in Recklinghausen bei 41,3. Warum sind die Werte in Herten etwa doppelt so hoch? Es gebe keine besonderen Infektionsschwerpunkte in der Stadt, sagt Sprecherin Corina Plötz.

Am Dienstag hatte Bürgermeister Matthias Müller im Gespräch mit unserer Zeitung eingeräumt, dass sich das Infektionsgeschehen zwar im Grundsatz über ganz Herten verteile, bei einigen Bevölkerungsgruppen jedoch überdurchschnittlich sei. Wohnsituation, soziale Lage, Bildungs- und Informationsstand sowie kulturell-ethnische Aspekte würden dabei eine Rolle spielen.

Nach Informationen unserer Zeitung ist der aktuelle Sprung bei den Neuinfektionen zumindest teilweise darauf zurückzuführen, dass in einzelnen Familien- und Bekanntenkreisen die gängigen Hygiene-Regeln wider besseres Wissen nicht eingehalten wurden.

Kontrollen dort, wo Lockerungen stattfinden

Maßnahmen über das bestehende Maß hinaus hat der Krisenstab nicht vereinbart. Bürgermeister Müller hatte bereits betont, dass der Kommunale Ordnungsdienst ohnehin an der Leistungsgrenze arbeite. Man könne die Kontrollen daher nicht ausweiten, sondern höchstens andere Schwerpunkte setzen. In den nächsten Tagen, so Stadt-Sprecherin Corina Plötz, soll vor allem dort kontrolliert werden, wo jetzt neue Lockerungen und Öffnungen in Kraft treten – zum Beispiel in der Gastronomie.

Darüber hinaus will die Stadtverwaltung in nächster Zeit die Öffentlichkeitsarbeit verstärken, zum Beispiel in sozialen Medien, mit Videos und mit mehrsprachigen Flugblättern. Corina Plötz: „Wir wollen damit auch an jene Menschen appellieren, die angesichts der vielen Verordnungen müde und dadurch nachlässig geworden sind.“

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