Pandemie

Kita in Herten muss nach sechs Corona-Fällen schließen

Ganz Herten fragt sich: Woher kommen die hohen Corona-Zahlen? Die Stadtverwaltung führte das bisher auf eventuelle Nachmeldungen zurück. Aber es gibt auch einige kleinere Schwerpunkte.
Im Kindergarten Sternschnuppe in Westerholt gibt es zurzeit sechs Corona-Fälle. Neben Kitas sind auch Schulen zurzeit wieder betroffen. © Hertener Allgemeine

Viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich, warum Herten – wie schon häufiger seit Ausbruch der Pandemie – mit deutlichem Abstand die unrühmliche Rangliste der Corona-Zahlen im Kreisgebiet anführt. Auch in den sozialen Netzwerken sind Diskussionen entbrannt. Eine Nutzerin fragt zum Beispiel, wann der Bürgermeister eingreift. Mehrere andere schreiben, sie hätten in der Innenstadt größere Menschengruppen ohne Maske gesehen, doch es werde nicht kontrolliert. Es gibt aber auch Stimmen, die die Stadtverwaltung und Matthias Müller in Schutz nehmen.

Noch am Freitag hatte der vom Bürgermeister geleitete Corona-Krisenstab der Stadt getagt. Das Ergebnis: Konkrete Maßnahmen waren nicht geplant. Die hohen Corona-Werte wurden mit Verzögerungen im Meldewesen über Pfingsten erklärt. Der Bürgermeister selbst hatte gesagt, in Gegenden mit heterogener Bevölkerung wie etwa in Teilen der Stadtmitte oder von Westerholt werde das Infektionsgeschehen durch Faktoren wie knapp bemessenen Wohnraum und enge Familienanbindung begünstigt. Unter anderem Kitas und Schulen seien allerdings keine Triebfedern für Infektionen.

Kreis: Es gibt keine Hotspots

Vergleicht man diese Angaben mit dem, was der Kreis Recklinghausen am Montag auf Nachfrage dieser Zeitung zum Infektionsgeschehen sagt, sieht man eine gewisse Schnittmenge – aber auch Diskrepanzen. „Das Infektionsgeschehen ist in Herten diffus“, sagt Lena Heimers, Pressesprecherin des Kreises Recklinghausen, der in der Pandemiebekämpfung mit seinem Gesundheitsamt federführend ist.

„Diffus“ bedeutet: Es gibt keine sogenannten Cluster, also größere Infektionsansammlungen, die über einen Ort, an dem viele Menschen zusammenkommen, verbunden sind. „Es gibt nirgendwo gehäuft 20 oder mehr Fälle“, sagt Heimers. Auch Matthias Müller hatte betont, es gebe keine sogenannten Hotspots.

Mehrere größere Familien sind komplett infiziert

Was es aber gibt, sind mehrere Orte, an denen mehr als eine oder zwei Infektionen festgestellt wurden. Das sind zum einen größere Familien. „Bei denen ist dann die komplette Familie infiziert, nicht nur zwei oder drei Personen“, sagt Lena Heimers. Die neueren Virus-Mutationen sind infektiöser als der Wildtyp, der zu Beginn der Pandemie dominant war. Damit stieg die Wahrscheinlichkeit, dass ein infiziertes Familienmitglied alle anderen ansteckt.

Fälle an mehreren Kitas und Schulen

Zum anderen gibt es da die Einrichtungen, die Kinder besuchen: Kitas und Schulen. Dort treffen viele und dazu noch ungeimpfte Menschen aufeinander.

An der Rosa-Parks-Schule in Disteln und der Ludgerusschule auf dem Paschenberg etwa sei in mehreren Klassen jeweils mindestens ein Kind positiv getestet worden. Je nachdem, wie viele enge Kontakte die Betroffenen in der Schule hatten, seien einzelne Mitschüler oder auch ganze Klassen in Quarantäne.

Sieben Gruppen bleiben zu Hause

Noch einmal anders liegt der Fall beim städtischen Kindergarten „Sternschnuppe“ in Westerholt. Nach Angaben der Kreisverwaltung verdoppelte sich die Anzahl der positiv getesteten Kinder dort übers Wochenende von drei auf sechs. Wie die Stadtverwaltung unserer Zeitung am Montag bestätigte, bleibt die Einrichtung für mindestens diese Woche geschlossen. Es stünden noch Testergebnisse aus, auch die des Personals, sagte wiederum Kreis-Sprecherin Lena Heimers.

Für die mehr als 100 Kinder aus sieben Gruppen ist ein Massentest anberaumt, sie müssen jetzt zu Hause bleiben. Das stößt dem Vater eines Sternschnuppen-Kindes, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sauer auf. Er sagt, die positiven Tests seien alle in einer einzigen Gruppe aufgetreten. Aber weil Erzieher entgegen den Empfehlungen des Gesundheitsministeriums die Gruppen gewechselt hätten, sei der Kindergarten nun ganz geschlossen. „Die Kinder und wir Eltern baden das aus.“

Die Stadtverwaltung stellt das auf Nachfrage anders dar: Die Fälle seien alle in einer Gruppe, aber auf Ratschlag des Gesundheitsamtes habe man auch die anderen Gruppen geschlossen, weil in denen nämlich Geschwisterkinder der positiv Getesteten seien.

Es gab schon mehrere Komplett-Schließungen

Auch die Kommunikation seitens der Einrichtung sowie des Trägers Stadt Herten sei „mangelhaft“, so der Familienvater. „Erst am Samstag haben wir eine Mail mit der Information über die positiven Tests erhalten“, sagt er. „Dabei war der erste positive Fall am Freitag der Vorwoche.“ Es sei das dritte Mal seit Ausbruch der Pandemie, dass es Corona-Fälle am Kindergarten gebe, aber bisher habe immer nur eine Gruppe in Quarantäne gemusst. „Ganz geschlossen ist er jetzt zum ersten Mal.“

In anderen Kitas hingegen hat es so etwas laut Stadt schon mehrfach gegeben. Und zwar als nach den Sommerferien 2020 die Gruppentrennung aufgehoben gewesen sei bei Einrichtungen aller Träger. Die Schließung einer ganzen Kita sei allerdings eine Vorsichtsmaßnahme seitens der Stadt und eine Ausnahme.

Auch Gladbeck oder Datteln hatten schon höhere Zahlen als der Rest

Noch einmal zurück zum Ausgangspunkt, der Pandemiebekämpfung im gesamten Stadtgebiet. Dafür konkrete Maßnahmen zu entwickeln, sei schwierig, sagt Kreis-Sprecherin Lena Heimers. „Das würde voraussetzen, dass es Schwerpunkte gibt.“ Der Kreis stimme sich eng mit der Stadt Herten ab. Und was in Schulen und Kitas geschieht, sei Landessache.

Dass Herten viel höhere Zahlen aufweist als alle anderen Städte im Kreisgebiet, hält sie nicht für ein beunruhigendes Zeichen. „Denn das galt seit Beginn der Pandemie schon für mehrere Städte. Eine Zeit lang waren das auch mal Gladbeck oder Datteln.“

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