Spielerisch den richtigen Umgang mit Abfall lernen

Mit Müll-Spürnase „Willy Wurm“ auf Forschertour

Bei Abfall-Pädagogin Christiane Ruckriegel lernen schon die Kleinsten, wo welcher Müll hingehört und wie man Abfall vermeidet. Fünf Projekte und viele Ideen für die Verbraucher von morgen.
Kinder lieben die bunten Utensilien und Handpuppe „Willy Wurm“, mit denen Abfall-Pädagogin Christiane Rückriegel durch die Einrichtungen im Stadtgebiet tourt.
Kinder lieben die bunten Utensilien und Handpuppe "Willy Wurm", mit denen Abfall-Pädagogin Christiane Rückriegel durch die Einrichtungen im Stadtgebiet tourt. © Jörg Gutzeit

Er heißt „Willy Wurm“, ist aus alten Socken entstanden und gehört zu den schlauen Umweltexperten am Zentralen Betriebshof Herten (ZBH). Kinder lieben die pfiffige Umweltspürnase und ihre Tipps rund um Abfallvermeidung, -trennung und -verwertung. Willy begleitet Christiane Ruckriegel bei allen Projekten rund um das Thema Müll im Stadtgebiet. Denn die Abfall-Pädagogin hat die Handpuppe zum Leben erweckt, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen.

Eine traurige Weltkugel voller Plastikmüll, die im Rahmen eines der Projekte von Christiane Ruckriegel entstanden ist, schwebt im Treppenhaus des Zentralen Betriebshofes Herten.
Eine traurige Weltkugel voller Plastikmüll, die im Rahmen eines der Projekte von Christiane Ruckriegel entstanden ist, schwebt im Treppenhaus des Zentralen Betriebshofes Herten. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Seit Oktober 2019 tourt die 50-Jährige durch Kindergärten, Grundschulen, Jugendzentren etc., um schon die Kleinsten für das wichtige Umweltthema zu sensibilisieren und gezielt präventiv zu arbeiten. Fünf Projekte und viele Mitmach-Ideen hat Christiane Ruckriegel seitdem im Rahmen ihrer 25-Stunden-Stelle entwickelt, in ihrem Büro im ZBH fleißig gebastelt und probiert.

„Sag mal, wo wächst eigentlich Plastik?“

Als gelernte Erzieherin, Motopädin und Pädagogin weiß sie um die Tricks, auch trockene Themen kindgerecht und spannend zu verpacken. „Wenn Kinder selbst aktiv werden, ist das Gelernte erfahrungsgemäß nachhaltiger abrufbar“, sagt die Abfall-Pädagogin. Ihr giftgrüner Rollkoffer ist gefüllt mit lauter Sachen, die Kinder lieben: Neben Mini-Müllwagen und Mini-Abfalltonnen kommen selbst gemachte Rasseln aus kaputten Glühbirnen oder ein Kaleidoskop aus einer alten Chipsdose zum Vorschein. Beliebt bei den Mädchen und Jungen ist auch das Müll-Sortierspiel mit leeren Metalldosen und buntem Süßigkeiten-Papier, bei dem die Kinder selbst per Knuddel- oder Zerreiß-Trick lernen, woran sie Kunststoff erkennen. Als Belohnung winken Müll-Malbücher und Stifte oder Mini-Jute-Beutel.

Selbst gemachtes Bienenwachstuch ersetzt Frischhaltefolie

Denn sobald die Kinder verstanden haben, in welche Tonne welcher Müll muss, geht es um die Abfallvermeidung. Um ihnen den schwierigen Transfer zu erleichtern, hat Christinane Ruckriegel sogar eigene Theaterstücke und Lieder geschrieben. Zusammen mit den Fingerpuppen „Elli Eichhörnchen“ und „Fred Fuchs“ schmettern die Kinder aus voller Kehle oder erfahren, dass es als Alternative zum Shampoo aus der Plastikflasche auch festes Seifenshampoo in umweltschonenderen Pappschachteln gibt. Als Ersatz für die Frischhaltefolie basteln sie selber ein buntes Bienenwachstuch, um das Pausen-Butterbrot für Kindergarten oder Schule einzupacken. Mit Mini-Mikroskop und Lupe werden selbst kompostierte Bioabfälle in einer Experimentierbox untersucht.

Auch mit Mini-Finger-Puppen arbeitet die Abfall-Pädagogin Christiane Ruckriegel, um Kindern den richtigen Umgang mit Müll zu erklären.
Auch mit Mini-Finger-Puppen arbeitet die Abfall-Pädagogin Christiane Ruckriegel, um Kindern den richtigen Umgang mit Müll zu erklären. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

„Mit unserer Abfall-Pädagogin haben wir kreisweit ein Alleinstellungsmerkmal“, freut sich Gregor Born, Bereichsleiter Abfallwirtschaft beim ZBH. Christiane Ruckriegel spreche die Sprache der Kinder, ihre Arbeit sei ein wichtiger Baustein beim Thema Abfall-Vermeidung. Denn wie kürzlich berichtet, verursachen wilde Müllkippen jährlich rund 300 Tonnen Zusatz-Abfall und damit 240.000 Euro an zusätzlichen Kosten für die Stadt.

Ihre Abfall-Philosophie lebt die Fachfrau übrigens auch privat: Nicht nur, dass sie ihre Tomaten nie in Plastikverpackung kauft, Christiane Ruckriegel putzt nur mit Kernseife, Essig, Zitronensäure und Natron und hat ihre Wäsche sogar schon in einem Efeusud gewaschen.

Info: Zusätzlich zu den Abfall-Projekten „Bioabfall oder Kompostierung“ , „Sag mal, wo wächst eigentlich Plastik?“, „Gib Abfall (k)eine Chance“, „Papiermüll vermeiden – Papierschöpfen“ und das Standard-Projekt „Abfall“ bietet Christiane Ruckriegel auch kindgerechte Führungen über den Wertstoffhof an. In Kürze kommen Bastelanleitungen auf der Website des ZBH dazu. Kindergärten, Grundschulen oder andere Interessierte erreichen sie telefonisch 02366/303115 oder per Mail spuernasen@herten.de.

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