Verbesserung des Stadtklimas

Nach Grünen und Linken will nun auch die SPD eine Baumschutzsatzung

Auf das Klima in der Stadt haben Bäume eine positive Wirkung. Schade um jedes Gehölz, das der Säge zum Opfer fällt. Eine Baumschutzsatzung könnte Frevel verhindern. Jetzt tut sich was.
Dieser Süßkirschbaum in einem privaten Garten in Herten dürfte aufgrund seiner Größe und seiner „Taillenweite“ von 97 Zentimetern unter eine mögliche Baumschutzsatzung fallen und somit nicht ohne Erlaubnis gefällt werden. © Carola Wagner

Traditionell ist es die Fraktion der Grünen im Rat der Stadt, die den jeweils amtierenden Bürgermeistern schon seit Jahrzehnten regelmäßig Anträge auf den Tisch legt, für Herten eine Baumschutzsatzung zu erlassen. Bislang erfolglos: Ein solches Regelwerk wurde stets als bürokratisch, kompliziert und mithin überflüssig erachtet.

Mächtige Befürworterin der Baumschutzsatzung

Zuletzt beantragten Grüne und Linke 2019 ein Baumschutzsatzung. Getan hat sich daraufhin: nichts. Doch im August 2020 ist eine mächtige Fürsprecherin der Baumschutzsatzung ins Rathaus eingezogen: Baurätin Janine Feldmann. Sie geht vehement gegen Baum-Frevler vor, soweit dies die heutige Rechtslage erlaubt. Ein Regelwerk, das Grundstückseigentümern bei Baumfällungen auf privatem Grund und Boden Grenzen setzt, würde die Möglichkeiten der Stadtverwaltung deutlich erweitern. Natürlich sorgt eine solche Satzung für zusätzliche Verwaltungsarbeit. „Aber das muss man einfach tun zum Schutz der Bäume“, sagte Janine Feldmann im Gespräch mit der Hertener Allgemeine.

Dieser Kirschbaum in einem privaten Garten in Herten ist circa 15 Jahre alt und hat bereits eine stattliche Größe erreicht. © Carola Wagner © Carola Wagner

Bislang geht da nämlich kaum was. Auf Privatgelände sind höchstens alte Baumdenkmäler oder seltene Gehölze, die unter Naturschutz stehen, geschützt. Allzu oft müssen Naturfreunde und Umweltschützer tatenlos mit anschauen, wie beispielsweise Wohnungsbaugesellschaften nach Gutdünken Kahlschlag betreiben – so geschehen kürzlich an der Elisabethstraße in Herten-Süd.

Fällung an der Blechecke war rein rechtlich in Ordnung

Ein Aufschrei ging durch Teile der Bevölkerung, als im Oktober 2019 auf dem Grundstück der ehemaligen Lutherkirche an der „Blechecke“ eine Gelsenkirchener Immobilienfirma alle Bäume fällen ließ. Mittlerweile ist klar, dass auf dem Areal ein Aldi-Markt entsteht. Doch damals war nicht absehbar, was dort mal gebaut werden soll und wann. Und dennoch war der Vorgang rechtlich völlig in Ordnung, denn eine Genehmigung war nicht erforderlich. „Mit Baumschutzsatzung wär‘ das nicht passiert“, sagte damals Stadtplaner Ralf Terpoorten.

Auf dem Areal der Lutherkirche wurden zum Ärger von Anwohnern und Naturschützern etliche große Bäume gefällt, lange bevor konkrete Neubaupläne vorlagen.
Auf dem Areal der Lutherkirche wurden zum Ärger von Anwohnern und Naturschützern etliche große Bäume gefällt, lange bevor konkrete Neubaupläne vorlagen. © Carola Wagner © Carola Wagner

Ein Befürworter der Baumschutzsatzung ist auch der Leiter des Arbeitskreises Stadtbäume der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz, Dr. Joachim Bauer aus Köln. Er weilte unlängst in Haltern und referierte vor Kommunalpolitikern über urbane Bäume (also Bäume in der Stadt). Haltern ist wie Herten eine jener Gemeinden des Kreises Recklinghausen, die über keine Baumschutzsatzung verfügen.

Schutz beginnt meist ab Umfang von 60 bis 80 Zentimetern

Für viele ist die Satzung ein Schreckgespenst, das Bürger bei der Gestaltung ihres privaten Umfelds womöglich einengt. Stichwort: Bevormundung. Meistens werden in den Regelwerken Bäume ab einem Stammumfang ab 60 oder 80 Zentimetern sowie einer bestimmten Höhe unter Schutz gestellt. Wer sich also einen Waldbaum in den Garten pflanzt und nach einigen Jahren bemerkt, dass es in seiner Wohnung dunkel wird, darf diesen nicht ohne Weiteres fällen.

Bäume sind wichtig für das Klima und den Artenreichtum

Wie es in Herten in Sachen Baumschutzsatzung weitergeht, steht noch nicht fest. Es mehren sich jedoch die Befürworter in den Reihen der Politik. Nachdem Grüne und Linke sich dafür starkgemacht haben, springt nun auch die SPD auf den Zug auf. Gefordert wird im SPD-Antrag eine „praxisnahe und bürgerfreundliche Baumschutzsatzung“. Bäume trügen zum Erhalt des Naturhaushalts innerhalb der Stadt bei. Sie sicherten die Naherholung und verbesserten das Stadtklima.

Weiter heißt es in dem Antrag: „Der artenreiche Baumbestand in Herten erfüllt

zahlreiche wichtige Funktionen für den Klimaschutz: als Lebensraum für Vögel und Insekten, für die Luftreinhaltung (Feinstaubbindung), als Sauerstofflieferant, für den Artenschutz, die Temperaturregulierung in Hitzeperioden und die Sicherung des Grundwassers.“

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