Kommentar zur Woche

Neue Wege gehen

Viel zu spät, aber besser spät als nie: So könnte man die Reaktion vieler Hertener auf die neue Anti-Corona-Kampagne von Bürgermeister Matthias Müller und der Stadtverwaltung zusammenfassen.
Frank Bergmannshoff, Redaktionsleiter Hertener Allgemeine

Zwar fiel die Inzidenz in Herten am Freitag unter die Hunderter-Marke, aber weiterhin ist sie mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt im Kreis. Es gibt also keinen Grund, den Fuß vom Gas zu nehmen. All die Menschen, die jetzt nicht mit Informationen zum Coronavirus im Allgemeinen sowie zum Testen und Impfen im Besonderen erreicht werden, die werden im Herbst die Pandemie neu antreiben.

Das sieht auch der Bürgermeister mittlerweile so. Er hat die Kampagne „Gemeinsam stark gegen Corona“ direkt bis ins Jahr 2022 hinein geplant.

Und Müller hat augenscheinlich noch einige Dinge mehr realisiert. Zum Beispiel, dass er sich – auch unabhängig von Corona – zu lange aus der öffentlichen Wahrnehmung zurückgezogen hat. Selbst Menschen, die ihm wohlgesonnen sind, bemängeln fehlende Präsenz. In den „sozialen Medien“ wurden Unkenrufe laut, ob Herten überhaupt einen Bürgermeister habe.

Dass Matthias Müller gestern mit seinem Bürgergespräch in der Innenstadt neue Wege ging, wurde von den Menschen dementsprechend intensiv angenommen.

Corona macht versäumte Integration sichtbar

Müller ist aber noch zu einer weiteren Erkenntnis gekommen, und er spricht sie auch aus, was nicht selbstverständlich ist: Die Corona-Krise mache sichtbar, wo die Integrationsarbeit der vergangenen 20 Jahre gescheitert ist. Multikulti-Aktionen wie „Gemeinsam an einem Tisch“ und „Constellationen“ haben zwar das gute Gefühl vermittelt, man sei über kulturelle, politische, ethnische und religiöse Grenzen hinweg miteinander im Gespräch.

Doch dieses gute Gefühl wiederum hat verschleiert, dass in Herten Tausende Menschen leben, die von nichts und niemandem erreicht werden. Weder mit Aktionen noch mit Informationen.

Vorbehalte und Gerüchte rund um das Impfen

Eine Erfahrung, die man aktuell auch in Dortmund macht. Eine Sonder-Impfaktion in der Nordstadt stieß bei dort lebenden Migranten auf Vorbehalte und Ablehnung. Gerüchte gehen dort um, Impfstoff würde aus Schweineblut hergestellt, mache unfruchtbar oder geimpfte Flüchtlinge würden schneller abgeschoben.

Die Stadt Herten wird bei der Sozial- und Integrationsarbeit neue Wege gehen müssen, um diese Menschen zu erreichen.

Neue Wege für den Blues, aber nicht für Radler

Neue Wege geht auch die über Herten hinaus bekannte und beliebte Blues-Szene. Nach dem Verlust der bisherigen Stammlokale im Katzenbusch und auf dem Hof Wessels haben die Musiker zum Glück schnell in und an der Schwarzkaue Schlägel & Eisen ein neues Domizil gefunden. Jetzt muss nur noch das Publikum diesen neuen Weg mitgehen.

Und dann war da noch der Zechenbahnradweg, dem nicht nur im Süden an der Halde die erhoffte Fortsetzung versagt bleibt, sondern jetzt bis auf Weiteres auch noch im Norden in Westerholt. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Deutsche Bahn bald doch noch die neuen Wege freigibt.

Schönes Wochenende!

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