Neuer Hertener S-Bahnhof Einzelheiten zum Eröffnungstag – und wann die erste S-Bahn hält

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Der NRW-Chef der Deutschen Bahn, Werner Lübberink
Der NRW-Chef der Deutschen Bahn, Werner Lübberink, kommt sehr wahrscheinlich zur Eröffnung des Hertener S-Bahn-Haltepunktes. © VRR / SPD Herten
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Für Herten ist das eine kleine Sensation: Schon bald wird die Stadt wieder einen Bahnhof haben. Mehr noch: In einigen Jahren soll in Westerholt sogar ein zweiter hinzukommen. Doch jetzt steht erst einmal die Eröffnung des S-Bahn-Haltepunktes in Herten-Mitte an. Offiziell wird der Name lauten: Herten (Westfalen).

Rückblick: Am 29. Mai 1983 endete in Herten der Personenzugverkehr. Die früheren Bahnhöfe in Westerholt und Herten-Mitte wurden aufgegeben. Letzterer befindet sich heute in Privateigentum und wird von mehreren Unternehmen genutzt. Der Westerholter Bahnhof verfiel immer weiter, wurde schließlich 2017 abgerissen. Die Fläche gelangte ebenfalls in Privatbesitz.

Eröffnung am 11. Dezember

Zu geringe Fahrgastzahlen hatten seinerzeit zu der Entscheidung geführt, den Personenverkehr einzustellen. Knapp 40 Jahre später gehen die Verkehrsplaner davon aus, dass im Zuge der veränderten Mobilität und der Energiewende wieder ein größeres Interesse in der Bevölkerung besteht, das Auto stehenzulassen und stattdessen den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen.

Ob es tatsächlich so kommt? Auf jeden Fall haben die Hertenerinnen und Hertener ab Sonntag, 11. Dezember, die Möglichkeit, von Herten aus mit der Linie S9 in Richtung Gelsenkirchen/Essen oder Recklinghausen zu fahren. An diesem Tag findet der reguläre Fahrplanwechsel im Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) statt – und somit auch die Eröffnung des Hertener Haltepunktes.

Herten bekommt einen neuen Verkehrsknotenpunkt – erst recht, wenn in einigen Jahren die Eisenbahnbrücke Feldstraße neu gebaut wird, dann mit Bushaltestellen zum direkten Umsteigen in die Bahn. Der 11. Dezember ist also ein großer Tag. Aber wird der auch mit „großem Bahnhof“ gefeiert? Eher nicht. Für die Deutsche Bahn ist die Eröffnung eines S-Bahn-Haltepunktes zwar ebenfalls ein freudiges Ereignis – aber kein herausragendes.

Die Baustelle für den neuen S-Bahn-Haltepunkt Herten.
Die Arbeiten der Deutschen Bahn am neuen S-Bahn-Haltepunkt in der Innenstadt laufen bis zur Eröffnung am 11. Dezember weiter auf Hochtouren. Noch gibt es allerdings eine Menge zu tun. © Frank Bergmannshoff

Die Eröffnung um 11 Uhr wird daher von der Bahn nicht als großes öffentliches Fest geplant, sondern eher als eine Mischung aus Pressetermin und Feierstunde mit geladenen Gästen, Grußworten & Co. Noch nicht offiziell bestätigt, aber sehr wahrscheinlich ist das Kommen des NRW-Chefs der Deutschen Bahn, Werner Lübberink. Vor Ort sein wird auch der Hertener Landtagsabgeordnete Carsten Löcker (SPD), der sich hinter den Kulissen stark für den zügigen Bahnhofsbau eingesetzt hat. Bürgermeister, Vertreter aus Verwaltung und Politik… die kommen natürlich auch. Ob „Promis“ zugesagt haben, etwa aus Kreisen der Landesregierung, wollte die Bahn-Pressestelle auf Nachfrage noch nicht mitteilen.

Erster Zug soll um 6.11 Uhr eintreffen

Apropos Eröffnung: Genau genommen wird die an dem besagten Sonntag gar nicht um 11 Uhr stattfinden. Der allererste Personenzug in auffälligem Grün, der nach knapp 40 Jahren in Herten-Mitte Station macht, wird bereits um 6.11 Uhr an Gleis 1 erwartet. Von Recklinghausen kommend fährt er dann weiter in Richtung Essen.

Gleis 1 – ein gutes Stichwort. Dieses nördliche Gleis wird in den kommenden Jahren nur von der deutlich höher gelegenen Staakener Straße aus zu erreichen sein, und zwar über eine Rampe. Doch im Moment fällt die Vorstellung noch schwer, dass das tatsächlich in etwa zwei Wochen möglich sein wird. Besonders dieser Bereich des Haltepunktes sieht noch sehr nach Baustelle aus.

Die Bahn betont jedoch auf Nachfrage, dass der Haltepunkt zum Stichtag auf jeden Fall „anfahrbereit“ sein werde. Das bedeutet: Züge können halten, Fahrgäste können ein- und aussteigen. Der Aufgang zur Staakener Straße solle bis dahin im Großen und Ganzen nutzbar sein, aber womöglich noch nicht für Rollstuhlfahrer.

Das südliche Gleis 2 erreichen die Fahrgäste von der Gartenstraße aus durch eine Lücke in der Bebauung (in Höhe Gymnasium). In einiger Zukunft wird dort mal ein Pendlerparkplatz gebaut.

Im Klartext: Wer dort an der Gartenstraße sein Auto oder Fahrrad abstellt, an Gleis 2 den Zug nach Recklinghausen nimmt und später bei der Rückkehr an Gleis 1 wieder aussteigt, muss 550 Meter Fußmarsch über Staakener Straße, Feldstraße und Gartenstraße zurücklegen, um wieder zum Auto oder Fahrrad zu gelangen. Und dieser wenig komfortable Zustand wird sich auch erst in einigen Jahren ändern.

Denn der zweite Bauabschnitt beginnt erst, wenn der Landesbetrieb Straßen NRW die veraltete und viel zu schmale Eisenbahnbrücke über der Feldstraße neu gebaut hat. Damit ist frühestens 2026 zu rechnen, eher später. Die neue Brücke wird erheblich breiter sein, damit genug Platz entsteht für die Fahrbahn, separate Rad- und Fußwege sowie Bushaltestellen. Erst wenn all das fertig ist, baut die Bahn zwei Aufzugs- und Treppenhaustürme, die dann von der Feldstraße zu den Bahnsteigen hinabführen und eine kurze Verbindung gewährleisten.

Insgesamt investiert der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) rund 6,6 Millionen Euro in den Neubau des Hertener S-Bahn-Haltepunktes. Die Bahn führt die Arbeiten im Auftrag des VRR aus.

So soll der Bahnhof nach der vollständigen Fertigstellung aussehen. Die beiden Treppen- und Aufzugstürme im Vordergrund, die von der Feldstraße hinab zu den Bahnsteigen führen, werden aber erst in einigen Jahren gebaut.
So soll der Bahnhof nach der vollständigen Fertigstellung aussehen. Die beiden Treppen- und Aufzugstürme im Vordergrund, die von der Feldstraße hinab zu den Bahnsteigen führen, werden aber erst in einigen Jahren gebaut. © Deutsche Bahn