Diskussionen seit mehreren Jahren

Neues Gerätehaus der Feuerwehr: neuer Standort – neue Fragen

Seit 2016 wird in Herten über einen Neubau für den Löschzug Scherlebeck diskutiert. Jetzt geht die unendliche Geschichte weiter. Es kommt wieder Bewegung ins Spiel – und neue offene Fragen.
Ganz oder teilweise auf diesen Sportflächen an der Backumer Straße ist aktuell das neue Gerätehaus für den Löschzug Scherlebeck angedacht. Unten links ist der Sportplatz von BWWL zu sehen, oben links die Kita "Villa Kunterbunt" und oben rechts die angrenzende Wohnbebauung. © René Preuß

Weil die schwierige Gemengelage auch fünf Jahre nach den ersten Vorstößen für das neue Gerätehaus undurchsichtig ist, fassen wir die Ereignisse noch einmal zusammen: Im März dieses Jahres hat der Rat den Ersatzbau für das alte, marode und zu kleine Gebäude der ehrenamtlichen Feuerwehr an der Richterstraße per Beschluss endlich offiziell auf den Weg gebracht. Allerdings, nach fast fünfjähriger Diskussion, noch immer ohne konkreten Standort.

In dieser Woche tauchte das Thema im Ratsausschuss für Sicherheit, Feuerschutz und Ordnungswesen wieder auf. Nicht als Tagesordnungspunkt. Ordnungs- und Feuerwehrdezernent Dr. Oliver Lind berichtete vielmehr am Ende der Sitzung unter Mitteilungen und Anfragen kurz über den Stand der Dinge. Und der scheint sich nach Aussagen des Kämmerers inzwischen auf das Gebiet an der Backumer Straße zu konzentrieren.

Lärmschutz-Untersuchungen sind eingeleitet

Gemeint sind die dortigen Tennis- und Bolzplätze gegenüber der Anlage des Fußballvereins Blau-Weiß Westfalia Langenbochum (BWWL). Er habe die Ideen am Standort mit einigen Vorstandsmitgliedern des Vereins erörtert und sei auf Einvernehmen gestoßen, sagte Dr. Lind auf Anfrage dieser Zeitung. Er habe inzwischen vorbereitende Untersuchungen im Bereich Lärmschutz eingeleitet und erwarte im nächsten Monat die Ergebnisse. Anschließend könne ein sogenanntes Planänderungsverfahren auf den Weg gebracht werden, sodass sich der Baustart für das neue Gerätehaus noch ein bis zwei Jahre verzögere.

Die zeitintensive Planänderung ist notwendig, weil die Scherlebecker Wehr bis zu besagtem Ratsbeschluss eigentlich bis Anfang 2023 ihr neues Zuhause am Kreisverkehr Scherlebecker Straße/Westerholter Straße beziehen sollte. Die Stadt hatte das Gelände nach langer Prüfung und kontroversen Debatten bereits 2018 gekauft. Bis die CDU die Standortfrage jetzt Anfang 2021 mit einem Antrag und dem Verweis auf das zu kleine Grundstück am Kreisel auf das größere Areal an der Backumer Straße lenkte.

Trainings- und Spielbetrieb muss uneingeschränkt gewährleistet sein

Dieses war vier Jahre vorher schon einmal auf Initiative der Christdemokraten im Gespräch. Gegen einen Standort an der Ecke Backumer/Polsumer Straße sprachen damals jedoch nach Darstellung der Stadtverwaltung diverse Punkte:
• Lärm, weil eine Wohnbebauung angrenzt;

• Verkehr, weil die Backumer Straße mit dichtem Baumbewuchs sehr eng ist;

• Klimaschutz, weil der Bereich als nicht zu bebauende, sogenannte „Durchlüftungszone“ ausgewiesen ist;

• städtebauliche Planungen, weil an der Stelle Freiräume und Grünzüge vorgesehen waren.

Dazu kommen jetzt die Bedenken des an der Backumer Straße beheimateten Fußballvereins. Pressesprecher Steven Fischer war zwar beim Termin mit Dr. Oliver Lind verhindert, hat sich aber anschließend ausführlich von seinen Vorstandskollegen unterrichten lassen. Demnach habe es sich aus Sicht der Sportler um ein rein informatives Gespräch gehandelt, nach dem die Beteiligten ergebnisoffen auseinandergegangen seien.

Das alte, in die Jahre gekommene Gerätehaus des Löschzugs Scherlebeck an der Richterstraße.
Das alte, in die Jahre gekommene Gerätehaus des Löschzugs Scherlebeck an der Richterstraße. © Frank Bergmannshoff © Frank Bergmannshoff

Umso erstaunter zeigt sich der Sportfunktionär über die bereits eingeleiteten Lärmschutzuntersuchungen der Stadt. Man sei offen für Gespräche, sehe den Bedarf und akzeptiere das berechtigte Interesse der Scherlebecker Wehr am Standort Backumer Straße und strebe auch deshalb ein harmonisches Ergebnis an. „Aber für uns muss gewährleistet sein, dass unsere 21 Mannschaften den Trainings- und Spielbetrieb uneingeschränkt aufrechterhalten können. Auch die wichtige Parkplatzfrage muss geregelt sein.“

Kunstrasenplatz als Ausgleich zur Bolzfläche

Das avisierte Gelände im Bereich der Tennis- und Bolzplätze werde vom Verein oft als Ausweichfläche genutzt. Akzeptabel für die Sportler wäre ein neuer Kunstrasenplatz neben der geplanten Feuerwehr als Ausgleich für die verlorene Trainingsfläche. Allerdings habe Dr. Oliver Lind bei seinem Termin als Alternative auch wieder die Ecke Backumer Straße/Polsumer Straße und damit den Ascheplatz des Vereins als möglichen Standort ins Spiel gebracht. Fischer: „Bei dieser Variante würden wir einen Platz verlieren, den man uns für 2025 als Kunstrasenplatz versprochen hat. Damit wäre unser Spiel- und Trainingsbetrieb lahmgelegt.“

Zumal die Langenbochumer Fußballer nach Aussagen von Steven Fischer auch schon seit Langem auf die versprochenen neuen Umkleidekabinen warten.

„Wir sind in der Coronazeit noch einmal auf rund 700 Mitglieder gewachsen, haben bei unseren Spielen in der Landesliga bis zu 500 Zuschauer.“ Die vorhandenen Parkplätze reichten jetzt schon oftmals nicht aus. Und deshalb habe der Verein noch viel Gesprächsbedarf mit den städtischen Fachleuten und hoffe, bei wichtigen Entscheidungen nicht – wie zuvor beim Vorstoß der CDU – übergangen zu werden.

Auch Carsten Suppanz, neuer Löschzugführer in Scherlebeck, strebt mit seinen 65 aktiven Leuten plus Jugendfeuerwehr und Ehrenabteilung eine harmonische Lösung an. „Nur so viel: Die Politik hat den Standort Backumer Straße ins Spiel gebracht, aber wir sind nicht unglücklich über diese Entscheidung. “ Und dass die Scherlebecker Feuerwehrleute nach all den Jahren des Wartens gerne zeitnah in ihr neues Domizil umziehen würden, versteht sich von selbst.

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