Kommentar

Neues Herten-Forum – von Begeisterung keine Spur

Mit dem neuen Herten-Forum geht jetzt eines der wichtigsten Bauprojekte der vergangenen Jahrzehnte an den Start. Doch in Politik, Verwaltung und Bürgerschaft ist von Begeisterung keine Spur.
Frank Bergmannshoff, Redaktionsleiter © Anna Lisa Oehlmann

Ein Kommentar zum Artikel „Tag der Entscheidung für das neue Herten-Forum“

Der Investor THI, der sich in den Jahren 2012 bis 2017 die Zähne am Herten-Forum ausbiss, plante ein neues Einkaufszentrum mit 17.000 Quadratmetern Verkaufsfläche – mit Elektronikmarkt, hochwertigen Textilgeschäften und allem Pipapo. Der Shopping-Tempel sollte die Hertener dazu bewegen,

50 Millionen Euro Kaufkraft, die jedes Jahr in andere Städte der Region abfließen, stattdessen in Herten auszugeben. Zusätzlich sollte das neue Forum Kunden aus dem Umland anlocken. Doch der allgemeine Niedergang des stationären Einzelhandels und der Boom des Online-Geschäfts haben dazu beigetragen, dass die Pläne seither deutlich gestutzt worden sind.

Geplante Verkaufsfläche fast halbiert

Der aktuelle Investor Phoenix Development trat im Jahr 2017 zunächst mit 13.620 Quadratmeter Verkaufsfläche an, reduzierte dann peu à peu auf 7.150 Quadratmeter. Auf diesen Flächen werden sich Läden der lokalen Grundversorgung ansiedeln: Lebensmittel, Drogerie, Haushaltswaren, günstige Kleidung, Optiker, Apotheke, Pizza, Döner, Asia-Food.

Kein einziges der geplanten Geschäfte wird im größeren Maße abfließende Kaufkraft an Herten binden oder gar auswärtige Kunden anlocken.

Und an neue Elektronikmärkte ist sowieso nicht mehr zu denken. Im Gegenteil, sie sterben wie die Fliegen: ganz aktuell Saturn in Buer.

Investor, Politik und Verwaltung sind auf dem Boden der Hertener Tatsachen angekommen. Mehr als das, was Phoenix jetzt realisiert, ist nicht möglich. Und zumindest Edeka ist definitiv ein Gewinn, denn in Herten mangelt es an Vollsortimentern mit Frische-Theken.

Nach mehr als 20 Jahren von einer Last befreit

Wir Hertener können froh sein, dass Phoenix diese Planung immerhin solide, verlässlich und architektonisch ansprechend umsetzt und die Stadtmitte damit von einer Last befreit, die mehr als 20 Jahre auf das Hertener Gemüt drückte. Denn der Niedergang des alten Forums begann schon unmittelbar nach der Eröffnung 1999.

Die gedämpfte Stimmung war jetzt auch im Ratsausschuss für Stadtentwicklung zu spüren. Weder auf Seiten der Stadtverwaltung noch in den Reihen der Politiker gab es Jubel. In keinem Wortbeitrag spiegelte sich wider, dass hier eines der größten Stadtentwicklungsprojekte der vergangenen Jahrzehnte auf den Weg gebracht wird.

Kein Wort zur Vermieter-Liste

Zu der Mieter-Liste, die weit hinter früheren Hoffnungen zurückbleibt, und dem stagnierenden Vermietungsstand mochte sich niemand äußern. Stattdessen sprach die CDU noch einmal das problematische Verkehrskonzept an. Und die SPD brachte nach den vielen Rückschlägen und kraftraubenden Debatten der vergangenen Jahre die Stimmung auf den Punkt. Tenor: Jetzt bloß schnell mit dem Bauen anfangen und fertig werden, bevor wieder irgendwas dazwischenkommt.

Da kann man eigentlich auch nur zustimmen und hoffen, dass das Ergebnis eines Tages jene Begeisterung auslöst, an der es heute mangelt.

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