Gesundheit

Nur wenige der angehenden i-Dötzchen in Herten werden untersucht

Normalerweise wird jedes Kind vor dem Start in die Grundschule beim Kreis-Gesundheitsamt untersucht. Doch der eigentlich verpflichtende Check-up findet derzeit nur auf Anforderung statt.
Wegen der Corona-Pandemie fallen auch im Kreis Recklinghausen viele Schuleingangsuntersuchungen aus (Symbolbild). © picture alliance/dpa

Sie ist ein wichtiger Termin im Leben jedes angehenden Schulkindes: die Schuleingangsuntersuchung. Dabei wird die „Schulfähigkeit“ überprüft, also, ob das Kind sprachlich, motorisch und geistig bereit für die Schule ist. Außerdem wird ein Seh- und ein Hörtest gemacht. Doch für zahlreiche Kinder – jene, die im vergangenen Jahr eingeschult worden sind und die, die in diesem Jahr eingeschult werden – ist diese Untersuchung ausgefallen. Wegen Corona.

Im Kreis-Gesundheitsamt im Kreishaus in Recklinghausen finden die Schuleingangsuntersuchungen statt.
Im Kreis-Gesundheitsamt im Kreishaus in Recklinghausen finden die Schuleingangsuntersuchungen statt. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Der Gesundheits-Check erfolgt durch die Amtsärzte im Kreis-Gesundheitsamt im Kreishaus in Recklinghausen. Die Kreisverwaltung teilt auf Nachfrage nur die kreisweiten Zahlen mit: In Vorbereitung auf die Einschulung im Sommer dieses Jahres seien knapp 1500 von 5700 kommenden Erstklässlern untersucht worden. Heruntergebrochen auf einzelne Schulen in Herten heißt das zum Beispiel an der Süder Grundschule: „Von den aktuell 91 neuen Erstklässlern haben bisher 27 die Untersuchung gehabt“, berichtet Schulleiterin Susanne Schulte-Hullern. Im vergangenen Jahr seien 108 Mädchen und Jungen eingeschult worden: „Davon 40 ohne Untersuchung und 68 mit.“ An der Grundschule Herten-Mitte haben von aktuell 89 angehenden Erstklässlern acht ein Gesundheitszeugnis, berichtet Schulleiterin Susanne Schäfer. An der Ludgerusschule am Paschenberg wurden laut Schulleiterin Tanja Blankenstein im vergangenen Jahr 16 der 42 i-Dötzchen untersucht, in diesem Jahr sind es bisher acht von 62.

Kinder werden auch in diesem Jahr ohne Untersuchung eingeschult

Dass die Pflicht zur Schuleingangsuntersuchung derzeit aufgehoben ist, ist der Corona-Situation und der Mitarbeit des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes bei der Pandemiebekämpfung geschuldet. Dr. Wiebke Selle, Ressortleiterin des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes beim Kreis Recklinghausen, erklärt: „Wir haben uns auch im Jahr 2021 mit dem Schulamt und den Grundschulen im Kreisgebiet darüber verständigt, dass Kinder auch ohne vorangegangene Untersuchung eingeschult werden.“ Darüber seien die Eltern auch schriftlich informiert worden.

Ob dennoch eine Schuleingangsuntersuchung stattfindet, liegt jetzt unter anderem im Ermessen von Schulen und Kindergärten. Diese können, nach Rücksprache mit den Eltern, den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst auffordern, eine Untersuchung durchzuführen. „Es ist wichtig, dass wir in dieser besonderen Zeit Hand in Hand arbeiten. Das Fachpersonal in den Kindergärten und später die Lehrkräfte an den Schulen sind es, die die Kinder täglich sehen.“ Sollten sie Auffälligkeiten bemerken, geht eine Rückmeldung an den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst, der wiederum das Kind zur Schuleingangsuntersuchung einlädt. „Wir überprüfen dann den Entwicklungsstand des Kindes und erläutern Möglichkeiten, wie Eltern ihr Kind noch fördern können, um ihm so einen guten Start zu ermöglichen.“

Manche Familien muss man „an die Hand nehmen“

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es vereinzelt Familien gibt, die den Termin – auch bei zweiter oder dritter Einladung – nicht wahrnehmen. „Wir haben in den aktuellen Einsern Kinder, die nie beim Gesundheitsamt waren, obwohl sie mehrfach eingeladen wurden“, sagt Susanne Schulte-Hullern. Das ziehe sich durch alle Schichten, berichtet die Schulleiterin: „Das ist definitiv nicht nur ein sprachliches Problem und hat auch nichts mit Migrationshintergrund zu tun.“ Vielmehr hätten die Familien eher ein „Organisationsproblem“ – aus welchen Gründen auch immer. Manche Familien müsse man sozusagen „an die Hand nehmen“, sagt Susanne Schäfer von der Grundschule Herten-Mitte und verweist in diesem Zusammenhang auf die Förderscouts und auf das Projekt „Quadratkilometer Bildung“: Die Mitarbeiter hielten engen Kontakt zu den Familien und würden sie bei Bedarf auch an behördliche Termine erinnern.

Normalerweise gibt es auch ein „Schulspiel“

Normalerweise durchlaufen die Kinder vor der Einschulung auch ein sogenanntes „Schulspiel“, einen spielerischen pädagogischen Vorschultest. Lehrer beobachten die Kinder dabei und sehen, inwieweit Eigenschaften wie Motorik, Wahrnehmung, Konzentration oder Sozialverhalten ausgeprägt sind. „Daraus ergibt sich ein Gesamtbild“, berichtet Susanne Schulte-Hullern. Die Eltern bekommen dann eine Rückmeldung von der Schule, und die reicht von „hat alles geklappt“ bis zu einem Beratungsgespräch, wenn etwas aufgefallen ist, was einer medizinischen Abklärung bedarf. Bei manchen Kindern könne beispielsweise eine logopädische oder ergotherapeutische Behandlung vor dem Schulstart hilfreich sein, so die Schulleiterin. Letztlich geht es immer darum, den Mädchen und Jungen den Start ins Schulleben so einfach wie möglich zu machen. Aber auch diese „Lernspiele“ konnten in diesem Jahr coronabedingt nur sehr vereinzelt stattfinden.

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