Sicherheitsgefühl der Bürger stärken

Ordnung ins Herz der Stadt Herten und Information in die Milieus

Der Ruf nach der Ordnungsmacht wird in Herten immer lauter. Gründe sind hohe Infektionszahlen, Vermüllung, Vandalismus, Raserei und weitere Reizthemen. Jetzt soll der KOD in die Innenstadt.
Die Hertener Innenstadt im Bereich der Kranzplatte am Mittwoch, 16. Juni, um 13.30 Uhr. Die Stadt hat erwogen den geplanten Innenstadt-Standort des Kommunalen Ordnungsdiensts im Ladenlokal an der Ewaldstraße 4 unterzubringen, das hinten zu sehen ist. Auf diese Immobilie spekuliert allerdings auch das Escaperoom-Unternehmen 4Escape UG, das gleich nebenan im Haus Ewaldstraße 6 beheimatet ist und sich dringend erweitern will. © Carola Wagner

Dass die Bürger eine hohe Erwartungshaltung gegenüber dem Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) haben, ist der Stadtverwaltung bewusst. Sie hat reagiert und das Ordnungsamt seit dem 1. Juni neu organisiert.

Das Ordnungsamt umfasst nun die Sachgebiete Sicherheit/Ordnung, Verkehr und Gewerbe und hat 42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, verteilt auf 36,42 Personalstellen. Im Bereich Sicherheit/Ordnung arbeiten 20, im Bereich Verkehr 16 und beim Gewerbe 6 Personen.

KOD-Mitarbeiter ziehen ins Herz der Stadt

Damit der deutlich erweiterte KOD genügend Platz hat, aber auch für mehr Präsenz und eine Signalwirkung in der Öffentlichkeit, sollen die Mitarbeiter gleichsam ins Herz der Stadt ziehen: nämlich in ein Ladenlokal in der Innenstadt. Denn genau die stellt einen jener sozialen Brennpunkte dar, über den die Hertener Allgemeine schon oft berichtete. Zuletzt kam es dort Ende Mai zu einer nächtlichen Großrazzia.

Escaperoom-Unternehmen will weiteres Ladenlokal mieten

Als einen möglichen Standort hatte sich die Stadtverwaltung das Ladenlokal im Haus Ewaldstraße 4 ausgeguckt. Es liegt zentral in der Nähe der Kranzplatte. Auf diese Immobilie hat es allerdings schon jemand anderes abgesehen: Daniel Steinbach, Geschäftsführer des Escaperoom-Unternehmens „4Escape UG“, das gleich nebenan im Haus Ewaldstraße 6 seinen Hertener Standort hat und sich dringend ausdehnen will.

„Mehr als Ordnungskräfte wünsche ich mir Gastronomie“

Steinbachs Stellvertreter Dennis Hölker hat das auch gleich verkündet, als Bürgermeister Matthias Müller sich jüngst in Herten-Mitte Gesprächen mit der Bürgerschaft stellte. Hölker hofft, dass der KOD anderswo unterkommt. Leer stehende Ladenlokale gebe es in der Innenstadt schließlich genug. „Viel mehr als Ordnungskräfte wünsche ich mir hier beispielweise Gastronomie“, sagt Hölker. „Unsere Besucher kommen teilweise von weit her und würden gerne auch was essen und trinken.“

Mehr KOD-Präsenz, mehr Ordnungsgelder

Bei der Diskussion zum Thema KOD im Ratsausschuss für Sicherheit, Ordnungswesen und Feuerschutz gab es angesichts der Pläne keinen Widerspruch. Vielmehr forderte Wolfgang Kumpf (SPD) deutlich mehr Präsenz der Ordnungskräfte an Brennpunkten wie etwa den Zechengeländen. „Sie müssen viel mehr vor Ort sein, damit Ansammlungen gar nicht erst entstehen oder sich sofort auflösen.“ Sarah Timmerberg (CDU) wünscht, dass nicht nur gemahnt, sondern auch Ordnungsgelder verhängt werden. „Manche lernen es sonst einfach nicht.“

„Integration und soziale Teilhabe unbedingt vorantreiben“

Bürgermeister Müller vertritt die Ansicht, dass Restriktion alleine die Probleme dieser Stadt nicht löst. Mit seinem angestrebten Pakt „Gemeinsam gegen Corona“ setzt er auf Information, die auf zahlreichen Wegen in die Milieus gebracht wird. Kirchen, Moscheen, Vereine, Gastronomie, Bürger etc. sollen dafür ins Boot geholt werden. „Dafür brauchen wir die Unterstützung von allen“, sagt der Bürgermeister.

Vor allem aber bedarf es laut Müller „deutlicher sozialpolitischer Akzente für die nächsten 10 bis 15 Jahre. Wir müssen Integration und soziale Teilhabe unbedingt vorantreiben. Corona hat uns brutal darauf hingewiesen.“

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