Schmöker aussortieren und Gutes tun

Paradies für Leseratten: Offener Bücherschrank entsteht in Bertlich

Lesen liegt in der Pandemie voll im Trend. Wer Nachschub sucht, wird bald in Bertlich fündig. Dort wird ein Bücherschrank aufgestellt. Und es könnte ein weiterer in der Innenstadt folgen.
Ein solcher „offener Bücherschrank“ wird im Herbst an der Barbaraschule in Bertlich aufgestellt. © dpa (Archiv)

Den Corona-Lockdown haben die Menschen auch in Herten meist in den eigenen vier Wänden verbracht. Als Geschäfte, Restaurants und Freizeitstätten geschlossen hatten, griffen sie aber nicht nur zur TV-Fernbedienung, sondern verstärkt wieder zum Buch. Nach Angaben der Stiftung Lesen ist beispielsweise die tägliche Lesedauer von Jugendlichen im Jahr 2020 um knapp zwanzig Minuten gestiegen.

Da passt es perfekt ins Bild, dass im Stadtteil Bertlich bald ein „offener Bücherschrank“ aufgestellt wird. Denn auch Ausleihen liegt voll im Trend: Nicht jeder möchte für den oft nur einmaligen Konsum von Belletristik oder Sachbüchern immer ins Portmonee greifen. Und manch einem fehlen schlichtweg die finanziellen Mittel für den regelmäßigen Bücherkauf. Im Lockdown haben außerdem viele Menschen ihre Wohnung ausgemistet. Auch längst vergessene Buchperlen tauchten dabei auf und gleichzeitig die Frage: wohin damit?

Bücherschrank basiert auf dem Prinzip Geben und Nehmen

Hier kommt der Bücherschrank ins Spiel. Vor der Barbaraschule an der Wallstraße setzt man auf das Prinzip Geben und Nehmen. Buchfans können dort künftig ausgemusterte „Schmöker“ ins verglaste Behältnis legen – und andere so am Lesevergnügen teilhaben lassen. SPD-Kreistagsabgeordnete Susanne Hardt, die gemeinsam mit ihrer Mutter die Patenschaft für den Bücherschrank übernommen hat, geht von einer Eröffnung des Bücherschranks „noch im Herbst“ aus.

Am 1. Juli hatte der Gebietsbeirat Hassel.Westerholt.Bertlich entschieden, dass 4100 Euro aus dem Quartiersfonds in das Bertlicher Projekt am Dorfanger fließen sollen. Der Gebietsbeiratsvorsitzende Bodo Ladwig erläutert: „Uns stehen zur Umsetzung von bürgerschaftlich getragenen Aktivitäten in jedem Jahr etliche tausend Euro zur Verfügung.“ Davon könnten Bürger, Vereine und Verbände, profitieren, die sich im Stadtteil zum Wohle der Mitmenschen engagieren.

Projekt in Bertlich schon seit Jahren geplant

Auch Susanne Hardt hat sich seit Jahren für das Projekt eingesetzt. „Dass es nun an der Barbaraschule klappt, ist eine wunderbare Nachricht.“ Es sei eine schwere Geburt gewesen, gibt sie zu. Im Vorfeld der Umgestaltung des Dorfangers sei der Plan geschmiedet, dann aber aus verschiedensten Gründen erstmal nicht weiter verfolgt worden. Die Kuh vom Eis brachte letztlich die Hertener Bürgerstiftung, die das Projekt unterstützte, indem sie als Antragstellerin fungierte.

Auch die jüngsten Leseratten sollen nicht zu kurz kommen, verspricht Bücherschrank-Patin Susanne Hardt.
Auch die jüngsten Leseratten sollen nicht zu kurz kommen, verspricht Bücherschrank-Patin Susanne Hardt. © dpa (Archiv) © dpa (Archiv)

„Die bürokratischen Hürden sind endlich überwunden, und der Bücherschrank ist bereits in Auftrag gegeben.“ Auch dabei habe man wieder an die Menschen aus unserer Region gedacht, wie Susanne Hardt erläutert: „Gebaut wird der Schrank bei der Diakonie im Kreis Recklinghausen.“

Vandalismus soll auch in Herten kein Thema sein

Die SPD-Lokalpolitikerin möchte zusammen mit ihrer Mutter für ein abwechslungsreiches Angebot – auch für die jüngsten Leser – sorgen: „Hunderte abgegriffener Konsalik- oder Simmel-Romane, die niemanden interessieren, soll man dort nicht finden.“ Genauso wenig natürlich rechtsradikale oder pornografische Schriften. Auch sonst hofft Susanne Hardt auf die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger im Umgang mit dem Bücherschrank. „Erfahrungen aus anderen Städten haben gezeigt, dass Vandalismus dort kaum vorkommt. Es wäre schön, wenn dies auch bei uns so ist.“

Ähnliche Idee wird wohl in der Innenstadt umgesetzt

Nach dem Bücherschrank in Bertlich könnte noch in diesem Jahr ein ganz ähnliches Projekt in der Innenstadt umgesetzt werden. Kurt Dietmar Deipenbrock von der Familienpartei setzt sich seit längerem dafür ein, dass ein sogenannter Bücherkopf angeschafft wird, wie er in Schwerte bereits von Künstler Engin Izgi erschaffen wurde.

Den Künstler Engin Izgi (r.), der bereits einen Bücherkopf in Schwerte erschaffen hat, möchte Kurt Dietmar Deipenbrock von der Familienpartei auch für das Projekt in Herten engagieren.
Den Künstler Engin Izgi (r.), der bereits einen Bücherkopf in Schwerte erschaffen hat, möchte Kurt Dietmar Deipenbrock von der Familienpartei auch für das Projekt in Herten engagieren. © Archiv © Archiv

Die Pläne seien bereits im fortgeschrittenen Stadium. Als Standort solle ein Gelände hinter der Antoniuskirche dienen. Vonseiten der Gemeinde habe man bereits grünes Licht für dessen Nutzung bekommen. „Jetzt fehlt nur noch das Okay der Stadt“, sagt Deipenbrock. Diese letzte Hürde solle aber mithilfe einer kleinen Anfrage an der Rat genommen werden.

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