Wichtiger Lebensabschnitt endet

Party zum Schul-Abschluss? In Herten sieht es schlecht aus

Mit dem Schulabschluss endet ein wichtiger Lebensabschnitt. In Corona-Zeiten findet keine große Party statt. Die Zeugnisübergaben werden in Herten aber so feierlich wie möglich gestaltet.
Normalerweise werden Schulabschlüsse gebührend gefeiert. Das ist in Corona-Zeiten nicht möglich. © picture-alliance/ dpa-tmn

Als sich im Frühjahr 2020 der damalige Abiturjahrgang in der ersten Corona-Welle auf seine Prüfungen vorbereitete, hieß es, so etwas habe noch kein Jahrgang vor ihm machen müssen. Das stimmte bis dahin, aber dem Jahrgang 2021 erging es nicht besser: Homeschooling, Präsenzunterricht und in zwei parallelen Gruppen vor Ort wechselten sich ab. Jetzt sind die Prüfungen gelaufen, in dieser Woche werden die Zeugnisse vergeben. Wie sieht es mit Feiern aus, und welche Perspektive sehen die jungen Menschen?

An Partys dürfen nur wenige teilnehmen

Von den Jahrgängen oder Klassen organisierte Abitur- und Abschlussfeiern sind zwar gestattet, allerdings unter bestimmten Voraussetzungen: Eine Feier muss außerhalb des Schulgeländes stattfinden, darf nur von Mitgliedern des Jahrgangs bzw. der Klasse besucht werden, die zudem alle negativ getestet sein müssen. Außerdem muss die Rückverfolgbarkeit der Gäste gegeben sein. Dann darf sogar ohne Beachtung des Mindestabstands gefeiert werden, wenn die zuständige Behörde zwei Tage vorher informiert wird. Die Teilnehmerzahl ist allerdings stark begrenzt: Draußen dürften 100 Menschen dabei sein, drinnen 50.

Gymnasiastenwollen Abi-Ball nachholen

Und so verwundert es nicht, dass weder am Städtischen Gymnasium noch an der Rosa-Parks-Schule konkret etwas in dieser Richtung geplant ist. „Bei uns ist angedacht, den Abi-Ball im August nachzuholen, wenn es möglich ist“, sagt Salvatore Uggocioni, Abiturient des Städtischen Gymnasiums. Der Gedanke an eine große Party ist an der Rosa-Parks-Schule verworfen, stattdessen wollen sich die Schülerinnen und Schüler in Gruppen treffen, erzählt Lea Graupner, die dort ihr Abitur gemacht hat.

Natürlich haben beide keinen Vergleich zu einem Abitur vor Corona, übereinstimmend sagen sie aber, das Schlimmste an der Prüfungsvorbereitung sei die Phase gewesen, in der die Kurse in zwei Gruppen aufgeteilt waren. Die zuständige Lehrkraft pendelte dann zwischen zwei Gruppen in zwei Räumen. „Man war allgemein viel auf sich alleine gestellt, auch wenn die Lehrer sich Mühe gegeben haben“, sagt Lea Graupner.

Psychologiestudium in den Niederlanden geplatzt

Die 19-Jährige wollte nach dem Schul-Abschluss eigentlich in den Niederlanden Psychologie studieren. „Aber das hat sich zerschlagen“, sagt sie. Viele in ihrer Stufe hätten ins Ausland gewollt. „Aber das macht keiner mehr. Alle, die vorher zum Beispiel gekellnert haben, haben ihre Jobs verloren.“ Überhaupt hat Lea Graupner den Eindruck, dass vielen ihrer Mitschüler in ihrer Stufe Orientierung fehle.

Salvatore Uggocioni wollte ohnehin in Deutschland bleiben. „Ich habe mich schon vor einem Jahr auf ein duales Studium im Bauingenieurwesen bei der Stadt Essen beworben“, erzählt der 18-Jährige. Und das ist auch in der Pandemie ein sicherer Bereich.

Zeugnisübergaben so feierlich wie möglich

Die Schülerinnen und Schüler selbst haben also keine Partys organisiert. Ein Grund mehr für die Schulen, für einen möglichst angemessenen Abschied zu sorgen. „Ich hoffe, dass wir den Schülern einen würdigen Abschied bereiten können nach dieser tollen Leistung“, sagt Stephanie Brzoza, Schulleiterin der Rosa-Parks-Schule in Disteln. Die erbrachten Leistungen seien gar nicht hoch genug einzuschätzen. „Davon können sich alle Abi-Jahrgänge davor eine Scheibe abschneiden.“ Natürlich fallen bei den Feiern an der Schule auch viele Elemente weg: „Das gemeinsame Foto auf der Bühne, das Händeschütteln, der Auftritt eines Chors. Ich finde es sehr traurig für die Kinder“, so Brzoza. An der RPS werden die Zeugnisse der Abiturienten in zwei Gruppen am Donnerstag und Freitag (17./18. Juni) im Forum der Schule vergeben, die der Zehntklässler in fünf Gruppen am 24./25. Juni. Die Praxisklasse macht am 25. Juni eine kleine Feier im Jugendzentrum Nord.

Gymnasium: Entscheidung fällt kurzfristig

Am Gymnasium wird man erst am heutigen Mittwoch (16. Juni) entscheiden, wo die Zeugnisse am Donnerstag (17. Juni) verliehen werden. Bei gutem Wetter draußen, bei schlechtem drinnen – aus räumlichen Gründen in zwei Gruppen. „Denn wir haben nicht genug Platz für alle zusammen“, sagt Schulleiterin Bärbel Schweers. Jede Schülerin und jeder Schüler dürfen zwei Begleitpersonen mitbringen. Bärbel Schweers betont in diesem Zusammenhang, dass die Abiturergebnisse trotz der Umstände überraschend gut gewesen seien.

Realschule: Prozedere hat sich bewährt

An der Willy-Brandt-Realschule wird der Tag der Zeugnisvergabe am 25. Juni mit einem Gottesdienst gestartet, danach ist jede Klasse einzeln dran. „Das haben wir vergangenes Jahr schon so gemacht“, sagt Schulleiter Rainer Pawliczek. „Das hat sich bewährt.“

Der Abend in Herten

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