Baugebiet Polsumer Straße

Pferdesportgemeinschaft hofft auf Rücksichtnahme bei Siedlungsplanung

Seit mehr als 15 Jahren gibt es Pläne für ein Baugebiet an der Polsumer Straße. Durch Ratsanträge rückt das Projekt jetzt in den Fokus. Es kommt die Frage auf: Was wird aus dem Reitverein?
Die PSG-Vorstandsmitglieder (v.l.) Markus Poweska (Geschäftsführer), Bettina Lefler (2. Vorsitzende), Andrea Ahlschläger (1. Vorsitzende) und Susi Poweska (Beisitzerin/Reitwartin) hoffen, dass der Verein und die Reitanlage eine gute Zukunft haben. © Frank Bergmannshoff

Vor etwa 16 Jahren kauften die Hertener Stadtwerke Felder und Wiesen zwischen Buschstraße und Polsumer Straße – sozusagen auf Vorrat, um dort eines Tages eine Wohnsiedlung zu entwickeln. In den vergangenen Jahren hat man sich aber zunächst anderen Neubaugebieten gewidmet. Auch deshalb, weil an der Polsumer Straße ein hoher Grundwasserspiegel die Bebauung aufwendig macht.

Inzwischen haben die Stadtwerke ihre übrigen Flächen weitgehend vermarktet. Jetzt rückt das Areal am nördlichen Rand von Langenbochum in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die TOP-Partei hat im Mai und August zwei Ratsanträge gestellt, um Einfluss auf die Gestaltung des Baugebietes zu nehmen, und das Thema damit in den politischen Betrieb eingebracht. In der Ratssitzung am vergangenen Mittwoch wurde vereinbart, dass sich der Ratsausschuss für Stadtentwicklung mit dem Thema befasst – womöglich schon im November –, bevor es dann im Rat zu einer Entscheidung kommt. Wohlgemerkt erst einmal nur zu einer Entscheidung über die TOP-Anträge. Sie zielen darauf ab, das Baugebiet als familienfreundliche, klimaneutrale Öko-Mustersiedlung mit freiem WLAN, Spielplatz und vielleicht sogar einem Waldkindergarten zu gestalten.

Mehr als 800 Mitglieder

Bei der unmittelbar benachbarten Pferdesportgemeinschaft (PSG) Herten verfolgt man die Entwicklung mit einer Mischung aus Aufmerksamkeit, Sorge und Zuversicht. Denn ein nennenswerter Teil der gepachteten Weideflächen, auf denen heute tagsüber die Pferde der PSG grasen, könnte unter Umständen dem Baugebiet zugeschlagen werden. Das würde den mehr als 800 Mitglieder zählenden Verein – 70 Prozent sind 15 Jahre und jünger – in existenzielle Schwierigkeiten bringen.

Die Vorstandsmitglieder haben jedoch die feste Hoffnung, dass es anders kommt. Geschäftsführer Markus Poweska: „Wir sind immer wieder mit den Stadtwerken im Gespräch, wir waren mit Bürgermeister Toplak im Gespräch. Das lief immer vertrauensvoll und wir gehen davon aus, dass man auch weiterhin vertrauensvoll mit uns umgeht.“ Poweska betont: „Wir wollen nicht vor das Rathaus ziehen und protestieren, sondern wir sind daran interessiert, Lösungen zu finden.“

Ausgleichsflächen oder neuer Standort?

Wie diese Lösungen aussehen könnten, ist aber noch völlig unklar. Eine Standort-Verlagerung ist nicht ausgeschlossen. Genauso denkbar wäre der Verbleib vor Ort – dann mit Ausgleichsflächen für die wegfallenden Weiden. „Aber die müssten in unmittelbarer Nähe sein, damit wir die Pferde dorthin führen können“, betont die 2. Vorsitzende Bettina Lefler. Für unrealistisch hält man im PSG-Vorstand die Anregung der TOP-Partei, nördlich der Polsumer Straße eine Ersatzfläche zu schaffen und dann zum Über- beziehungsweise Unterqueren der Straße einen Tunnel, eine Brücke oder eine Fußgängerampel zu bauen.

Stadtwerke-Chef Rattmann: „Verein muss keine Angst haben“

Wie bewerten die Hertener Stadtwerke als Siedlungsentwickler die Situation? Geschäftsführer Thorsten Rattmann betont auf Nachfrage unserer Zeitung, dass die Stadtwerke das soziale und ökologische Engagement der PSG Herten und ihren besonderen Stellenwert für die Kinder- und Jugendarbeit außerordentlich schätzen. Rattmann stellt klar: „Der Verein muss keine Angst haben. Es wird nichts passieren, ohne dass vorher gemeinsam mit der PSG eine werthaltige Lösung für die Zukunft des Vereins gefunden wurde.“ Auch Rattmann deutet an, dass es vielfältige Ansätze geben könnte: von der Aussparung bestimmter Weideflächen bei der Bebauung bis hin zur Suche nach einem neuen Standort.

Ein Blick über die Wiesen und Felder in Richtung Polsumer Straße: Hier soll eine Wohnsiedlung entstehen. Hinten links ist der Stall der Pferdesportgemeinschaft zu sehen.
Ein Blick über die Wiesen und Felder in Richtung Polsumer Straße: Hier soll eine Wohnsiedlung entstehen. Hinten links ist der Stall der Pferdesportgemeinschaft zu sehen. © Frank Bergmannshoff © Frank Bergmannshoff

Der Stadtwerke-Geschäftsführer umreißt die Gemengelage: „Vor etwa 16 Jahren haben wir von Rat und Verwaltung den grundsätzlichen Auftrag bekommen, an der Polsumer Straße ein Wohngebiet zu entwickeln, und dementsprechend das Grundstück gekauft. Bei allen weiteren Schritten sind wir in erster Linie ausführendes Organ. Bevor konkret etwas passiert, ist erst einmal ein politischer Beschluss nötig.“

Dass sich der Rat in absehbarer Zeit mit den Anträgen der TOP-Partei beschäftigen wird, ist ein erster Schritt in diese Richtung. Vor allem wird er auch für die übrigen Parteien ein Anlass sein, sich zu positionieren. Strikte Ablehnung ist kaum zu erwarten, mangelt es doch in Herten an Bauland. Und die Grundstücke in unmittelbarer Nähe zum Naherholungsgebiet Ried wären im Nu verkauft.

Rat müsste Bebauungsplan-Verfahren starten

Im nächsten Schritt müsste der Rat ein Bebauungsplanverfahren in Gang setzen, das einige Jahre in Anspruch nehmen kann. Apropos Jahre: 2024 feiert die Pferdesportgemeinschaft ihr 25-jähriges Jubiläum. „Die Kinder aus der Anfangszeit sind heute erwachsen und kommen jetzt mit ihren eigenen Kindern zu uns“, berichtet Reitwartin Susi Poweska. „Oder sie haben ihren Trainerschein gemacht und trainieren heute die Jüngsten.“

Das alles passiert ganz selbstverständlich bei Wind und Wetter unter freiem Himmel, denn eine Reithalle gibt es nicht. Auch sonst ist die PSG ein besonderer Reitverein: Nicht Turniere und Pokale stehen im Mittelpunkt, sondern die Gemeinschaft.

Aktivitäten von Martinsumzug bis Fluthilfe

Ausflüge, der Trendsport „Hobby Horsing“, ein Osterbesuch bei den Senioren des Kardinal-Galen-Heims, Hilfstransporte für die Flutopfer in Eschweiler, das Engagement für den Hertener Klimapreis, die Teilnahme an Martins- und Karnevalsumzügen, am Kartoffelfest der SPD, am Spielfest der Jungen Union, die Taufe von Bürgertraber „Ignatz“… „Wir sind offen für alles und jeden“, betont Markus Poweska. Und Andrea Ahlschläger ergänzt: „Ob Akademiker-Familie oder Empfänger von sozialen Leistungen – wir haben alle Kinder hier. Es gibt bei uns keine Klassengesellschaft. Wir gehen deshalb davon aus, dass man uns als Verein nicht im Stich lassen wird.“

1999 gegründet: die PSG Herten e.V.

Die Pferdesportgemeinschaft wurde am 17. Juni 1999 als Reitverein eingetragen. Sie ging aus der Sportabteilung des PBM (Pflegeverein für behinderte Menschen/Hof Feuler) hervor und entwickelte sich als familienfreundlicher Reitverein mit dem Anspruch, Kindern ab drei Jahren ohne Leistungsdruck den Einstieg in den Reitsport zu ermöglichen und Basiswissen zu vermitteln. Es gibt aber auch Kurse für Erwachsene und Senioren.

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