Drogenprozess gegen 33-jährigen Hertener

Reichsbürger hortete Grusel-Waffen: „Sowas habe ich noch nie gesehen“

Eine Reichsbürger-Razzia in Herten förderte nicht nur ein beängstigendes Waffenarsenal – sondern auch eine professionelle Cannabisplantage zu Tage. Ein Kripobeamter erinnert sich.
Einen Reichsbürger-Pass fand die Polizei auch bei dem 33-jährigen Hertener. © picture alliance/dpa

Mit der Vernehmung eines Kriminalbeamten ist am heutigen Dienstag (11.5.) am Bochumer Landgericht der Prozess gegen einen mutmaßlich im großen Stil mit Drogen dealenden Reichsbürger (33) aus Herten fortgesetzt worden. Der 47-jährige Zeuge enthüllte zahlreiche brisante und furchterregende Fundstücke – räumte aber auch eine persönliche Niederlage bei einem Festnahme-Versuch ein.

Automatisierte Cannabisplantage

Nachdem der Staatsschutz auf den Angeklagten aufmerksam geworden war und eine Durchsuchung der Wohnung im Hertener Stadtzentrum durchgeführt hatte, war wegen zahlreicher Drogenfunde auch der Kriminalbeamte in den Räumen erschienen. „Wir konnten große Mengen an Rauschgift sicherstellen“, erinnerte sich der Zeuge. „Bis auf Heroin war von allem was dabei.“

Ein Raum der Wohnung sei komplett als eine Art Drogengewächshaus genutzt worden. Der 47-Jährige: „Dort wurde eine automatisierte Cannabisplantage betrieben, mit Beleuchtung und Bewässerung, die sich selbständig zu- und abschaltet, sodass man auch mal ein paar Tage nicht da sein musste“.

„So etwas habe ich noch nie gesehen“

Modifizierte Schusswaffen, Elektroschocker, haufenweise Stahlkugeln: Darüber hinaus habe die Wohnungsdurchsuchung aber auch spektakulär umgebaute Waffen, Munition und Dokumente aus der Reichsbürger-Szene zum Vorschein gebracht, so der Beamte weiter. Neben einem mit durchgetriebenen Langnägeln präparierten Baseballschläger habe sich auch ein Schlagstock „gespickt mit angespitzten Flacheisen“ gefunden. „Sowas habe ich noch nie gesehen“, sagte der Zeuge.

Angesichts der besorgniserregenden Waffenfundstücke sei Unsicherheit aufgekeimt, dass der Angeklagte während der Durchsuchung überraschend zurückkehren könnte. Daher habe er damals sicherheitshalber zusätzliche Streifenwagen als Beobachtungsposten alarmiert.

Reichskriegsflaggen und Reichsbürger-Ausweis

In der Wohnung seien die Ermittler dann auch noch auf Reichskriegsflaggen, Reichsbürger-Unterlagen und sogar auf einen auf den Namen des Angeklagten ausgestellten Reichsbürger-Ausweis gestoßen.

Der Angeklagte war nach der Durchsuchung lange Zeit untergetaucht. Beim Prozessauftakt hatte der 33-Jährige davon berichtet, sich monatelang im Wald versteckt zu haben. Der Kriminalbeamte berichtete als Zeuge, ein Festnahme-Versuch unweit vom Volkspark Katzenbusch sei allerdings kläglich gescheitert. „Daran habe ich noch eine peinliche Erinnerung“, gab der Polizeibeamte zu. „Wir hatten keine Ortskenntnis, er hat einen Haken nach dem anderen geschlagen und war dann auf einmal auch weg.“

Die Festnahme war Ende 2020 erfolgt, nachdem der Angeklagte am Distelner Sportplatz von zwei Kunden zusammengeschlagen und beraubt worden war.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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