Liefer-Engpässe

Rückschlag für den Kita-Ausbau in Herten

Materialmangel führt zu massiven Verzögerungen beim Neubau der städtischen Kita „Pusteblume“. Das trifft auch die AWO-Kita „Wilde Wiese“. Dort droht zahlreichen Eltern eine Absage.
Die Baustelle für die neue Kita "Pusteblume" an der Süder Grundschule. © Carola Wagner

Viele Kinder aus der städtischen Kita „Pusteblume“ waren dabei, als im Februar 2020 der erste Spatenstich für den Neubau an der Süder Grundschule/Standort In der Feige gefeiert wurde. Damals hieß es, die Kita solle noch im Jahr 2020 fertig werden.

Diese Planung war jedoch schon bald passé. Erst war von April 2021 die Rede, dann von Anfang August 2021. So hätte die Kita „Pusteblume“ immerhin pünktlich zum Beginn des neuen Kindergartenjahres ihr zu kleines und sanierungsbedürftiges Gebäude an der Wörthstraße verlassen und an der Süder Grundschule neu starten können. Doch auch der August-Termin ist jetzt hinfällig. Und eine neue Zielmarke stellt die Stadt Herten gar nicht erst in Aussicht.

Im Winter hatten zunächst die dauerhaft eisigen Temperaturen die Bauarbeiten verzögert. Inzwischen sind es fehlende Rohstoffe und damit verbundene Lieferschwierigkeiten, die dazu führen, dass die Kita bis auf Weiteres nicht fertig wird.

Tatsächlich sind weite Teile der deutschen Baubranche von Materialmangel betroffen. Dämmstoffe, Holz, PVC-Rohre, Trockenbau-Profile – es fehlt an vielem, weil Hersteller in der Corona-Pandemie ihre Produktion gedrosselt hatten oder weil internationale Lieferketten unterbrochen wurden.

Beigeordneter Pieper: „Müssen vorerst abwarten“

Auf der Süder Kita-Baustelle können wegen der Lieferverzögerungen bereits beauftragte Firmen ihre Arbeit erst verspätet aufnehmen. Somit sei es zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, einen Ausblick zu geben, wann die Bauarbeiten endgültig abgeschlossen sind, sagt Hermann Pieper, städtischer Beigeordneter für Bildung und Soziales. „Für die Stadt Herten und alle Beteiligten ist diese Situation äußerst unbefriedigend. Durch die Verkettung verschiedener Ereignisse können wir die verlorene Zeit nicht aufholen und müssen vorerst abwarten.“

„Wilde Wiese“ sollte schon im Mai zur Wörthstraße umziehen

Unterdessen steigt bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) der Druck. Diese wollte eigentlich schon im Mai mit ihrer Süder Kita „Wilde Wiese“ von der Königsberger Straße in das Gebäude an der Wörthstraße umsiedeln, das dann ja leergezogen sein sollte. Danach sollte umgehend die 1958 erbaute Kita an der Königsberger Straße abgerissen und bis August 2022 doppelt so groß neu gebaut werden.

Die AWO-Kita
Die AWO-Kita “Wilde Wiese” an der Königsberger Straße in Herten-Süd. © AWO © AWO

Doch weil die „Pusteblume“ an der Wörthstraße festsitzt, ist an diese Planung nicht mehr zu denken. Und dabei geht es nicht nur um Bauabläufe. Die „Wilde Wiese“ hat eigentlich nur zwei Gruppen beziehungsweise rund 40 Kinder. Weil das angepeilte Gebäude an der Wörthstraße aber viel mehr Platz bietet, hatte die AWO für das neue Kindergartenjahr ab August zusätzliche Anmeldungen entgegengenommen.

Zusagen an Eltern steht auf der Kippe

Im Klartext: Wenn die AWO nicht schnell ein neues Übergangsquartier oder eine andere Lösung findet, verlieren womöglich zahlreiche Eltern ihre schon sicher geglaubte Platz-Zusage. Vor dem Hintergrund, dass in Herten ohnehin rund 600 Kita-Plätze fehlen, wäre das ein zusätzlicher Rückschlag.

Die Stadtverwaltung, so Beigeordneter Hermann Pieper, führe jetzt Gespräche mit der AWO, um gemeinsam nach Lösungsansätzen zu suchen. Die AWO hat auf Nachfrage unserer Zeitung angekündigt, sich erst Ende dieser Woche äußern zu wollen.

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