Skandal in Bochum: Hertener Testzentren führen Buch über ihre Tests

Bei den sogenannten Bürgertests soll unlängst ein Bochumer Anbieter zu viel abgerechnet haben. Dabei müssen diese eigentlich genau dokumentiert werden.
Im Testzentrum der DRK und bei „Aufabruf“ arbeitet medizinisch ausgebildetes Personal. © picture alliance/dpa

Zuletzt sorgte der Skandal um die Bochumer Firma Medican für Aufsehen: Weil offenbar nicht nachvollzogen wird, wie viele Tests durchgeführt werden, sollen zu viele abgerechnet worden sein. „Es ist gut, dass das herausgekommen ist“, sagt Ralph Hoffert, Vorstand des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Herten. Das DRK war Vorreiter, am 23. März eröffnete es das erste große Zentrum für Bürgertests in der Stadt an der Gartenstraße. Wie zu Corona-Hochzeiten wird dort auch aktuell noch im Zwei-Minuten-Takt getestet. Mittlerweile gibt es viele andere im Stadtgebiet.

Unterlagen müssen bis 2024 aufbewahrt werden

„Wir sind von Anfang an davon ausgegangen, dass die Unterlagen irgendwann überprüft werden, und haben daher alle aufbewahrt“, sagt Hoffert. Für Menschen, die sich über das Internet zum Test anmelden, sei eine E-Mail-Adresse verpflichtend, denn damit müsse ein Termin bestätigt werden. Wenn jemand kein elektronisches Postfach habe, werde alles auf Papier ausgefüllt. „Laut Kassenärztlicher Vereinigung müssen die Unterlagen bis 2024 aufbewahrt werden“, sagt Ralph Hoffert.

Frequenz wird wohl abnehmen

Durch die gesunkenen Inzidenzwerte sind viele Tätigkeiten mit einem negativen Testergebnis wieder möglich, wenn es so weiter geht, braucht man bald noch nicht einmal mehr das. „Ich rechne schon damit, dass die Frequenz heruntergehen wird“, sagt Hoffert.

In den vergangenen Wochen habe man im DRK-Testzentrum aber eine Stammkundschaft aufgebaut. Hoffert: „Darunter sind Familien, weil wir die Lollitests für Kinder anbieten, und viele ältere Leute, die die Nähe zur Stadt schätzen.“ Das DRK werde sein Zentrum so lange offenhalten, wie es vorgesehen sei: bis zum 30. September.

Kinder können in der Wartezeit Pferde füttern

Das DRK-Testzentrum ist eins der größeren in der Stadt, eins der kleineren betreibt Christian Zak an der Herner Straße. Der 37-Jährige testet erst seit einem Monat. Auch er führt Buch über die durchgeführten Tests. „Angefangen haben wir, weil wir es für die Kinder so angenehm wie möglich machen wollten“, sagt Zak. Zu Beginn hätten er und seine Frau – er ist Tagesvater, sie ist Tagesmutter von Zwillingen in deren Haushalt – noch gedacht, sie könnten an zwei Stunden in der Woche und sechs Stunden an Wochenendtagen die Tests alleine bewältigen. Aber das klappte nicht. Mittlerweile gibt es acht Angestellte. Die hat Christian Zak, der ausgebildeter OP-Pfleger ist, an seinen ehemaligen Arbeitsstätten rekrutiert.

Den Kindern soll der Aufenthalt durch ungezwungene Atmosphäre und kleine Extras möglichst angenehm gemacht werden. Bei Wartezeiten können sie etwa die Pferde von Zaks Nachbarn füttern und streicheln.

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