Natur erleben

So farbenfroh haben Hertener Grundschüler ihren Stadtteil verschönert

Im vergangenen Herbst waren es noch unscheinbare Blumenzwiebeln. Einige Hertener Grundschüler setzten sie in eine Streuobstwiese. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Marla und Julian (beide 8 Jahre alt) bewundern die Felsentulpen (Tulipa saxatilis) auf dem Alten Friedhof in Herten-Mitte. Im vergangenen Herbst hatten sie mit ihren Klassenkameraden die Zwiebeln gesetzt, aus denen nun wunderschöne Blumen gewachsen sind. © Carola Wagner

Marla und Julian freuen sich über die bunte Blütenpracht auf der Streuobstwiese des Alten Friedhof in Herten-Mitte. Rosa Blütenblätter der Felsentulpe erfreuen das menschliche Auge, während Bienen und andere Insekten es eher auf Pollen und Nektar abgesehen haben. Denn im Gegensatz zu kultivierten Gartentulpen sind Wildtulpen wie die Felsentulpe nicht nur schön, sondern auch sehr nützlich für die Insektenwelt. Und genau deshalb wurden sie für die Pflanzaktion im Herbst letzten Jahres ausgewählt, bei der die Kinder der Affenklasse 3c der Grundschule Herten-Mitte mit ihrer Lehrerin, der stellvertretenden Schulleiterin Stephanie Lehmann, Hand anlegten.

4000 Blumenzwiebeln auf der Streuobstwiese gesetzt

4000 Blumenzwiebeln hatte Andreas Hallmann, Gärtner beim Zentralen Betriebshof (ZBH), mitgebracht und im Oktober mit den Kinder fachmännisch in der Erde versenkt. Dort hielten sie dann erstmal einen Winterschlaf, bis die Frühjahrssonne sie aus der Erde lockte. Sie recken sich genau so aus dem Boden, wie sie gesetzt wurden: in Büscheln. „66 Tulpen – das hier ist das größte Büschel“, stellen Marla und Julian fest, nachdem sie einige durchgezählt haben.

In den Fruchtknoten reifen Samenkörner heran

Neben den rosa Felsentulpen, die man auch Kretische Tulpe oder Kandia-Tulpe nennt, entdecken die Kinder Tulpenstiele, an denen oben nur noch der Fruchtknoten sitzt. Das sind Turkestanische Tulpen, die die Affenklasse im Herbst ebenfalls hier vergraben hatte. Sie blühen besonders früh im Jahr und haben ihre weiß-gelben Blütenblätter schon verloren. Nun reifen in den Fruchtknoten bereits die Samenkörner heran. Dass sowohl früh- als auch spätblühende Tulpen gesetzt wurden, macht Sinn: So ist der Tisch für die Insekten immer reich gedeckt.

Wichtige Naturerfahrung für Schulkinder

Marlas Mama Sandra Beitzenkroll findet Naturerfahrungen wie die Tulpen-Aktionen gut und wichtig für die Kinder. „Es ist eine schöne Abwechslung im Schulalltag, und außerdem wird die Wiese hier verschönert.“ Auch im heimischen Garten kann Marla Naturerfahrungen sammeln: Dort werden Tomaten und Erdbeeren gezüchtet. „Wir haben Möhren, Radieschen, Gurken und Erdbeeren im Garten“, zählt Julian auf. Ob die Zwei Gartenarbeit mögen? „Wenn es draußen schön ist, ja. Aber bei Regen ist es nicht so toll“, sagt Marla. Julian gibt zu bedenken: „Dafür ist der Regen aber wichtig fürs Gemüse und die anderen Pflanzen, denn die brauchen Wasser.“

Statt zum Unterricht geht‘s in den Affenchat

So schön der kleine Ausflug zu den Tulpen auf der Streuobstwiese auch ist – die Pflanzaktion mit ihren Klassenkameraden fanden die beiden Drittklässler besser. Sie vermissen während des aktuellen Distanzunterrichts ihre Mitschüler. „Wir sind ja jetzt im Homeoffice“, sagt Marla und beschreibt, wie das läuft: Morgens um 10 Uhr treffen wir uns im Internet zum Affenchat, weil wir ja die Affenklasse sind. Dann spielen wir etwas und bauen Sachen aus Dingen, die wir zuhause finden.“ Lehrerin Stephanie Lehmann erteilt die Aufgaben, etwa einen Turm oder ein Katapult zu bauen. Wenn die Kinder etwas fertig haben, schicken sie ihr ein Foto oder zeigen ihr Werk im Affenchat. „Außerdem haben wir einen Wochenplan mit Aufgaben in Deutsch, Mathe, Lesen …“, erzählt Julian.

Die Arbeitsblätter laden die Kinder herunter, zudem gibt es allerlei Portale im Internet, auf denen sie Aufgaben finden und lösen können. Marla und Julian haben dafür eigene Tablets und dürfen auch mal an Papas PC arbeiten. Sie wissen aber, dass es andere Kinder gibt, die nicht so gut ausgestattet sind. „Manche haben nur das Handy von ihrer Mutter – und wenn die nicht zuhause ist gar nichts, um ins Internet zu gehen.“

Wildtulpen

Bei den 4000 Zwiebeln, die auf dem alten Friedhof gesetzt wurden, handelt es sich um Wildtulpen der Sorten Tulipa turkestanica (Turkestanische Tulpen) und Tulipa saxatilis (Felsentulpen). Der Vorteil bei Wildtulpen ist, dass sie zuverlässig immer wieder kommen und sich vermehren, wenn man sie in der Erde lässt. Bereits im März beginnen sie zu blühen. Sie sind eher niedrig und tragen weit gefächerte Blütenblätter in unterschiedlichen Farben. Wildtulpen ziehen Insekten an, denn ihre Blütenblätter erlauben es Bienen und anderem Getier, einfach an Pollen und Nektar zu kommen.

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