Viel Eigeninitiative in der Corona-Krise

St. Antonius-Haus: Ein „Special Day“ nach einem ganz besonderen Jahr

Kinder und Jugendliche der Wohngruppen des St. Antonius-Hauses feiern beim „Special Day“ ihre im letzten Schuljahr erreichten Ziele. Aber auch die Beschäftigten können auf sich stolz sein.
Christina Düllmann, Geschäftsführerin im St. Antonius-Haus, übergibt beim „Special Day“ Urkunden für die erreichten Ziele in einem Schuljahr unter anderem an (v.l.): Alicia, Lele, Anna Lena und Viana. © Oliver Prause

Die zwölfjährige Viana hatte ein klares Ziel vor Augen: „Mich in der Schule mehr anzustrengen.“ Die zehnjährige Anna-Lena wollte stattdessen „mehr Zeit mit Freunden verbringen“. Dagegen setzte sich Altersgenossin Lele kein persönliches Ziel, sondern dachte mehr an die Allgemeinheit: „Es sollte auf der Welt alles wieder besser werden.“ Beim „Special Day“ sprachen die Kinder und Jugendlichen des St. Antonius-Hauses darüber, was im letzten Schuljahr jedem Einzelnen gelungen ist und sie als Gruppe geschafft haben. Aber ordentlich gefeiert wurden die persönlichen Erfolge bei bestem Wetter im Garten an der Vitusstraße natürlich auch.

So unterschiedlich die Ziele ihrer Schützlinge waren, so unterschiedlich verlief das Schuljahr auch für das Personal. Es sei ein ständiges Auf und Ab wegen der Coronakrise gewesen, sagt Geschäftsführerin Christina Düllmann ganz offen. „Wir sind da mit einer gemeinsamen Anstrengung durchgekommen, aber es hat alle viel Kraft gekostet.“

„Wir sind durchs Raster gefallen“

Man habe sich von der Politik alleingelassen gefühlt. „Seniorenheime, Schulen, Kindergärten, Tagespflege: Für alle möglichen Einrichtungen gab es klare Corona-Regeln. Aber wir sind durchs Raster gefallen.“ So seien etwa Schnelltests, wie sie zum Beispiel in Kitas gang und gäbe sind, in der stationären Jugendhilfe nicht vorgesehen gewesen.

Denn das sozialpädagogisch betreute Wohnen, wie es das St. Antonius Haus anbietet, ist rechtlich gesehen privates Wohnen. Damit fällt es nicht unter die Corona-Schutzverordnung des Landes NRW, die Dinge für die Öffentlichkeit regelt.

Testkonzept in Eigenregie entwickelt

Die Beschäftigten standen zu Beginn der Pandemie alleine vor einem Berg von Problemen. Düllmann: „Wir haben also in Eigenregie ein Testkonzept entwickelt.“ Mit Erfolg: Größere Corona-Ausbrüche habe es in den Wohngruppen bisher nicht gegeben. Und der Großteil der Beschäftigten sei mittlerweile durchgeimpft.

Gab es aber doch Erkrankungen in den sieben Wohngruppen – bestehend aus jeweils acht Kindern oder Jugendlichen –, wurde schnell das Spannungsverhältnis zwischen Kindeswohl und Infektionsschutz deutlich. „Auf der einen Seite sind wir eine Familie, auf der anderen aber auch eine Institution“, erläutert Christina Düllmann. Ihre Schützlinge, die oft traumatische Erlebnisse verarbeiten müssen, bräuchten viel Zuwendung, auch in Form von körperlicher Nähe. Dem stünden im Quarantäne-Fall aber die Kontaktbeschränkungen gegenüber.

Neuer Name für die Zeugnisprämierung

Das Projekt „Zeugnisprämierung“ gibt es schon länger im St. Antonius-Haus. In diesem Jahr gab es aber eine Premiere. Der Titel wurde gewechselt – auch, um zu zeigen, dass das zurückliegende Schuljahr ein besonderes war. Nach einem „Brainstorming“ einigten sich die Kinder und Jugendlichen auf „Special Day“.

An diesem Tag wolle man gemeinsam all das Spezielle, das erreicht worden ist, in den Mittelpunkt setzen, berichtet Christina Düllmann. „Die Kinder und Jugendlichen schaffen in einem Jahr eine ganze Menge. Für sie ist es wirklich etwas ganz Spezielles, wenn sie trotz großer Angst den Schulweg alleine schaffen oder aber böse Träume besiegt haben“, sagt die Geschäftsführerin. Alle Kinder bekamen beim „Special Day“ daher eine Urkunde, wo explizit noch einmal ihr persönlicher Erfolg aufgeführt war.

Auch dieses Schuljahr wird ein schwieriges

Christina Düllmann nutzte die Gelegenheit aber auch, um den insgesamt 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im St. Antonius-Haus ihren Dank auszusprechen: „Ohne ihr Engagement hätten wir die schwierige Zeit nicht so gut meistern können.“ Wobei sie natürlich auch weiß, dass auch das neue Schuljahr für alle ein schwieriges werden wird. „Die Corona-Krise ist ja noch längst nicht vorbei.“

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