Schulen und Kitas

Stadt sieht keinen akuten Bedarf für mobile Luftfilter

Die Stadtverwaltung sieht aktuell keinen akuten Bedarf für mobile Luftfilter in Schulen und Kitas. Der städtische Immobilienbetrieb will erst einmal eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben.
Um die Belüftung zu verbessern, wurden an der Rosa-Parks-Schule starre Fensterelemente ausgetauscht.
Um die Belüftung zu verbessern, wurden an der Rosa-Parks-Schule starre Fensterelemente ausgetauscht. © Privat

Seit Mitte Juli gibt es ein neues Förderprogramm von Bund und Land zur Anschaffung mobiler Luftfilteranlagen in Schulen und Kitas. Für NRW stehen 90,4 Millionen Euro bereit. In Herten sind solche Geräte aber nicht in Sicht. Auf Anfrage unserer Zeitung hatte die Stadtverwaltung in dieser Woche zunächst mitgeteilt, die Räume in Schulen und Kitas seien überprüft worden. Die Ergebnisse wolle man aber zunächst der Politik vorstellen und erst danach der Öffentlichkeit. Über diesen Stand der Dinge berichteten wir Freitagfrüh.

Jetzt allerdings äußert sich die Stadtverwaltung dann doch in einer längeren Mitteilung zu dem Thema. Eine konkrete Antwort auf die Frage, ob es neue mobile Luftfilter geben wird, bleibt sie aber weiterhin schuldig. Kurzfristig sollte jedenfalls niemand damit rechnen, schon alleine aus Verfahrensgründen nicht.

Die Kinder und Jugendlichen, die in Herten zur Schule oder in den Kindergarten gingen, seien nach Einschätzung der örtlichen Expertengruppe gut geschützt, heißt es in der Pressemitteilung. „Wir wollen, dass die Kinder sicher beschult und betreut werden“, betont Bürgermeister Matthias Müller. „Wir nehmen die Ängste und Sorgen der Eltern und der Bevölkerung sehr ernst. Wir wissen um unsere Verantwortung und handeln dementsprechend besonnen und nach bestem Wissen und Gewissen“, sagt Sebastian Scholz, Leiter des städtischen Hertener Immobilienbetriebs (HIB). „Die Stadtverwaltung steht im stetigen Austausch mit den städtischen Einrichtungen und befasst sich in den regelmäßigen Krisenstabssitzungen mit allen Belangen der Schulen und Kitas“, ergänzt Brigitte Rode, Leiterin des Schulamtes. Daher seien die städtischen Einrichtungen zusammen mit den jeweiligen Einrichtungsleitungen und der städtischen Expertengruppe im August auf einen erneuten Nachbesserungsbedarf überprüft worden.

Drei Kategorien von Räumen

Laut Umweltbundesamt sei regelmäßiger Luftaustausch in geschlossenen Räumen das wichtigste Mittel, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu verhindern. Die Behörde unterteilt Räume in drei Kategorien:

  • Kategorie 1: Räume mit guter Lüftungsmöglichkeit durch raumlufttechnische Anlage (fest im Gebäude verbaute Lüftungsanlage) oder weit zu öffnende Fenster. Keine mobilen Geräte notwendig und nicht förderfähig.
  • Kategorie 2: Räume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit. Es gibt keine raumlufttechnische Anlage oder die Fenster können nur gekippt werden, dazu zählen auch Lüftungsklappen mit geringem Querschnitt. Einsatz mobiler Geräte sinnvoll und förderfähig.
  • Kategorie 3: Räume, die nicht belüftet werden können. Luftreinigung mit mobilen Geräten ist nicht möglich und nicht förderfähig.

„Wenn Räume gar nicht oder nicht ausreichend gelüftet werden können, darf dort kein Unterricht stattfinden. Daran halten wir auch jetzt fest“, bekräftigt Bürgermeister Müller. Im Klartext: Die Stadt hält alle Räume, in denen Unterricht stattfindet, für ausreichend belüftet und Luftreinigungsgeräte somit aktuell nicht für zwingend notwendig.

HIB-Leiter Scholz ergänzt, dass die Geräte alleine auch nicht helfen würden: „Mobile Luftreinigungsgeräte tauschen keine Luft aus, sie transportieren die vorhandene Luft im Umluftbetrieb und sind ohne frische Luftzufuhr nicht sinnvoll einsetzbar.“ Sie dienen nur als Ergänzung.

Dazu kommt laut Stadtverwaltung ein weiteres Problem: Erfahrungsberichte hätten gezeigt, dass mobile Luftreinigungsanlagen mitunter laute Betriebsgeräusche verursachen, gegen die Kinder und Lehrkräfte anreden müssten. Scholz zufolge würde das dazu führen, „dass neben der Geräuschkulisse, die beim Lernen stört, noch lauteres Sprechen notwendig wird, was wiederum mehr Aerosole freisetzt und bei der Bekämpfung des Coronavirus nicht zielführend ist.“

Die Willy-Brandt-Realschule Herten ist als MINT-Schule rezertifiziert worden.
Die Willy-Brandt-Realschule Herten ist als MINT-Schule rezertifiziert worden. © Anna Lisa Oehlmann © Anna Lisa Oehlmann

Vereinzelt gibt es bereits Lüftungsanlagen

In der Willy-Brandt-Realschule, in Teilen der Grundschule Herten-Mitte sowie in Teilbereichen der Rosa-Parks-Gesamtschule sind fest verbaute Lüftungsanlagen vorhanden. In der Gesamtschule wurden zudem 121 starre Fensterelemente ausgetauscht, damit sie weit genug geöffnet werden können. An der Süder Grundschule wurden sogenannte Scheren installiert, die eine größere Öffnung der Fenster ermöglichen. Die Stadtverwaltung hat zudem CO2-Ampeln an Schulen ausgegeben. Damit könne die Raumluftqualität und somit das richtige Lüftungsverhalten „trainiert“ werden.

Eines darf man bei all dem aber nicht außer Acht lassen: Die Kinder sitzen im Winter bei offenen Fenstern im Klassenraum. Dicke Jacken, Mütze, Schal und Decke sind dann der einzige Schutz gegen die niedrigen Temperaturen.

Neubauten sollen fest installierte Anlagen bekommen

Die städtischen Kitas Pusteblume und Annastraße erhalten laut Stadtverwaltung im Zuge des laufenden Neubaus fest installierte Lüftungsanlagen. Für alle künftigen Schul- und Kita-Neubauten würden diese Anlagen mit eingeplant. Mobile Luftfilter seien aus Sicherheitsgründen für Kitas eher nicht geeignet.

Der HIB plant zudem, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, um ein Raumlufttechnik-Konzept für die Kitas und Schulen erstellen zu lassen. Ziel sei es, „möglichst zügig eine Grundlage zu schaffen, um die Situation bewerten und die notwendigen Entscheidungen treffen zu können.“

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