Alkohol, Medikamente, Glücksspiel

Sucht und Corona: Noch sind die Auswirkungen in Herten kaum absehbar

Für die Suchtberatung in Herten war die Corona-Pandemie ein großes Problem: Viele Kontakte gingen verloren, die wichtige Kontinuität in der Beratung war nicht vorhanden.
Über eine lange Zeit waren die Spielhallen während der Pandemie geschlossen. Darüber seien die Abhängigen heilfroh gewesen, sagt Angela Buschmann-Rorowski. © picture alliance / Rolf Vennenbe

Die Beratungsangebote der Fachstelle Sucht bei der Diakonie in Herten waren die ganze Pandemie über im Einzelkontakt möglich und die Nachfrage war groß.

Jetzt sind endlich wieder auch Kontakte von Angesicht zu Angesicht zwischen Berater und Klient sowie bei Gruppensitzungen möglich. Seit Dezember waren die Gruppen wegen des Lockdowns geschlossen, seit Februar fanden sie per Videochat statt, aber das war kein vollständiger Ersatz. Ein abschließendes Fazit, wie sich die Pandemie und diverse Lockdowns ausgewirkt haben, sei aber noch nicht möglich, sagt Fachstellenleiterin Angela Buschmann-Rorowski.

Treffen in der Gruppe sind essentiell

Natürlich hat die Suchtberatung unter den Einschränkungen der vergangenen Monate gelitten. Die Einzelgespräche per Telefon oder Videochat waren wichtig, aber die Abhängigkeit von einem Suchtmittel ist ein soziales Problem, was oft das ganze soziale Umfeld betrifft. Deshalb ist auch der Austausch in der Therapiegruppe oder in der Selbsthilfegruppe ein ganz wichtiges Element. „Seit Beginn der Pandemie sind viele Gruppenberatungen ausgefallen“, sagt Angela Buschmann-Rorowski. Das drückt sich auch in Zahlen aus: Im ersten Corona-Jahr 2020 haben sich 317 Menschen bei der Diakonie beraten lassen, ansonsten sind es immer um die 400. Man habe zudem einen deutlichen Rückgang bei neuen Klienten bemerkt, so Buschmann-Rorowski. „Gerade die wöchentlichen offenen Gruppen fehlen, über die die Menschen sofort einen Termin bekommen und durch den Austausch mit anderen Betroffenen schnell merken: Es geht nicht nur mir so.“

Zwei Drittel sind alkoholabhängig

Rund zwei Drittel der Menschen, die Hilfe bei Buschmann-Rorowski und den Mitarbeitenden suchen, haben ein Alkoholproblem. Die Fachstellenleiterin geht davon aus, dass im Lockdown mehr getrunken wurde als vorher. „Weil es im Homeoffice keine soziale Kontrolle gab und sich möglicherweise auch die familiäre Situation verschärft hat.“ Etwas anders verhält es sich bei denen, die dem Glücksspiel verfallen sind. Vor allem Ältere seien relativ gut durch die Pandemie gekommen. „Sie waren heilfroh, dass die Spielhallen weitgehend geschlossen waren und sie nicht an die Automaten konnten“, sagt Angela Buschmann-Rorowski. Dieses Klientel weiche auch selten auf einen anderen Bereich, etwa das Online-Glücksspiel, aus.

Jüngere bleiben weg

Ins Internet zieht es häufiger Jüngere, wenn sie in diesem Bereich nicht ohnehin sehr aktiv sind. Und eben diese Menschen sind noch nicht wieder zur Beratung zurückgekehrt. „Die haben im Internet weitergemacht“, vermutet Angela Buschmann-Rorowski.

Fehlende Therapieplätze waren ein Problem

Egal, um welche Abhängigkeit es geht, ein Problem zog sich für die Beratung wie ein roter Faden durch die Pandemie: „Dass die Kliniken ihre Angebote stark eingeschränkt haben.“ Das habe zu vielen Rückfällen geführt. Denn wenn eine Abhängige oder ein Abhängiger einmal motiviert und soweit sei, den Ausstieg zu versuchen, dann aber wegen mangels stationärer Therapieangebote keinen Platz bekomme, sei das sehr frustrierend.

Suchtberatung ist aufgeteilt

Die Diakonie-Fachstelle ist für den Teil der Beratung in Herten zuständig, bei dem Abhängigkeiten im legalen Bereich bestehen: Vereinfacht gesagt geht es um Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit sowie Glücksspielsucht. Alles, was mit der reinen Abhängigkeit von illegalen Substanzen zu tun hat, bearbeitet in Herten die Drogenhilfe Recklinghausen.

Kontakt zur Fachstelle Sucht

Die Fachstelle Sucht der Diakonie in Herten ist telefonisch zu erreichen unter 02366/106730 und per E-Mail unter sucht@diakonie-kreis-re.de. Weitere Infos gibt es im Internet unter der Adresse www.diakonie-kreis-recklinghausen.de.

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