Beliebter Anlaufpunkt im Süder Quartier

Technik-Rätsel lösen – doch bald ist endgültig Schluss

Der Technik-Stammtisch im Bürgerhaus Süd fand in diesem Jahr erstmals statt. Doch die Freude darüber ist nicht ungetrübt. Anfang 2022 läuft die Förderung für das AWO-Quartiersprojekt aus.
Beim Technik-Stammtisch in Herten-Süd beraten die ehrenamtlichen Helfer Fragen rund um Smartphone, Tablet, Laptop und Co. © Anna Lisa Oehlmann

Jedes Jahr ein neues Handy? Das ist für viele Menschen mittlerweile Normalität. Lukrative Angebote für Neukunden verleiten dazu, den Mobilfunkvertrag regelmäßig zu kündigen und woanders für weniger Geld wieder abzuschließen. Als Prämie springt dann oftmals besagtes Smartphone heraus. Das vorherige Modell wandert schlimmstenfalls in den Sondermüll.

Gegen diesen Wegwerfwahn in unserer Gesellschaft kämpft Alf Rouven Recksick schon lange. Vor Jahren hatte er in Westerholt und später auch in Süd ein Reparatur-Café ins Leben gerufen, „um kleine Defekte an ansonsten einwandfreien Altgeräten zu beheben – und somit Werte zu erhalten“.

Ab 2018 organisierte er dann den Technik-Stammtisch. Dieses AWO-Quartiersprojekt mauserte sich ebenfalls zum beliebtem Anlaufpunkt im Stadtteil – bis der Lockdown alles lahmlegte.

Schraubenzieher wird nur selten geschwungen

Am Donnerstagnachmittag war die Durststrecke endlich vorbei: Das AWO-Quartiersprojekt feierte seine Jahrespremiere im Bürgerhaus Süd.

Im Gegensatz zum ehemaligen Reparatur-Café wird dort nur „selten der Schraubenzieher geschwungen“, wie Recksick berichtet. „Der Fokus liegt auf der Erklärung der Funktionen von Handys, aber auch Tablets oder Computern.“

Die Zielgruppe sei mit der Zeit immer weiter gewachsen: „Viel mehr ältere Menschen wollen wissen, wie sie WhatsApp und Videotelefonie nutzen oder wie das Einkaufen im Internet vonstattengeht“, berichtet Recksick.

Frage nach Fotos im Handy ist der „Klassiker“

Aber welche Frage wurde ihm bisher am häufigsten beim Stammtisch gestellt? Da muss er nicht lange überlegen: „Der Klassiker ist, wenn Senioren mich fragen, wie sie Fotos auf dem Smartphone angezeigt bekommen.“ In dem Fall steckten meistens frisch gebackene Eltern dahinter, die Oma und Opa am Nachwuchs teilhaben lassen wollen. „Also wird ein Handy verschenkt, man nimmt sich aber nicht die Zeit, das zu erklären.“

Dann kommen Recksick und seiner ehrenamtlichen Helfer ins Spiel. „Aber auch technikaffine Besucher helfen spontan gerne weiter.“ Dieser Austausch zwischen den Teilnehmern sei neben der reinen Technikvermittlung ebenfalls ein wesentlicher Teil der Veranstaltung – deswegen auch die Bezeichnung „Stammtisch“.

Ideale Bedingungen im Traforaum

Der AWO-Quartiersmanager erinnert sich an die Anfänge im Jahr 2018: „Damals waren wir noch im Foyer des Wally-Windhausen-Heims und haben dort einfach Tische hingestellt.“ Jeden dritten Donnerstag im Monat habe man Technikinteressierte und solche, die es werden wollen, empfangen. Als das Seniorenzentrum wegen der Pandemie für Gäste geschlossen werden musste, erfolgte der Wechsel ins Bürgerhaus Süd – zunächst in den Seminar-, jetzt in den Traforaum. „Dort ist viel Luft, um die Hygienebestimmungen einzuhalten“, sagt Recksick.

Zum monatlichen Rhythmus möchte er bald zurückkehren, so die Pandemie-Entwicklung es zulässt. Der Beratungsbedarf sei nach wie hoch. Der Projektmanager und seine Ehrenamtler haben für jeden ein offenes Ohr – und geben auch alles, wenn jemand doch mal Haushaltsgeräte mit leichten Defekten unterm Arm hat.

Projektförderung läuft im Februar 2022 aus

Dennoch hat Alf Rouven Recksick nach dem Neustart eine Träne im Knopfloch. Denn Anfang nächsten Jahres heißt es Abschied nehmen von dem Projekt. Die Förderung durch die Stiftung Deutsches Hilfswerk der Deutschen Fernsehlotterie läuft aus. „Es ist schon für zwei Jahre verlängert worden. Aber im Februar 2022 ist endgültig Schluss“, bedauert Recksick, der sich dann zwar nach neuen Aufgaben umsehen muss, aber nicht resigniert: „Bis dahin versuche ich noch, so viel wie möglich auf die Bühne zu bringen.“ Der Quartiersmanager hofft, dass sich nach dem Stichtag eine neue Anlaufstelle ergibt, wo etwas Technik-Ratsuchende ihren Fragen loswerden können.

INFO

– Technik-Stammtisch im Bürgerhaus-Süd (Traforaum), Hans-Senkel-Platz 1

– Um den Stammtisch zu besuchen, ist um die Vorlage eines Nachweises für Impfung oder Genesung nötig oder ersatzweise ein Schnelltestergebnis, welches bis zu 48 Stunden alt sein kann.

Weitere Informationen bei Quartiersmanager Alf Rouven Recksick, Tel. 01522/4468251 oder per E-Mail:qtm-herten@awo-ww.de

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