Vor Seniorenresidenz

Tempo 30 auf der Feldstraße – Politik stimmt gegen Stadtverwaltung

Auf einem Abschnitt der Feldstraße in Langenbochum soll in naher Zukunft die Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h beschränkt werden. Ein entsprechender Antrag der TOP-Partei wurde beschlossen.
Auf der Feldstraße in Höhe der Seniorenresidenz soll Tempo 30 eingeführt werden. Im Hintergrund ist die "Blechecke"-Kreuzung zu sehen. © Frank Bergmannshoff

Konkret geht es um den Bereich zwischen der Einmündung Helene-Stöcker-Straße (Freiwiese-Siedlung) und der Westerholter Straße („Blechecke“). Womöglich wird die Strecke aber sogar noch ausgeweitet.

Die politische Entscheidung dazu fiel am Donnerstagabend im Haupt- und Finanzausschuss des Rates und ist abschließend. Dass der Stadtrat am 29. September noch einmal darüber berät, ist nicht vorgesehen.

Dass der Antrag eine Mehrheit bekommen würde, war durchaus überraschend, zumal Stadtbaurätin Janine Feldmann zweimal erläuterte, warum die Stadtverwaltung Tempo 30 an dieser Stelle ablehnt. Doch letztendlich schlossen sich ihrer Argumentation nur CDU, AfD und die Linke-Fraktion an. SPD, TOP, Grüne und FDP stimmten für die Geschwindigkeitsreduzierung. Die Stadtverwaltung muss jetzt den Landesbetrieb Straßen NRW über den Beschluss in Kenntnis setzen, denn die Feldstraße ist eine Landesstraße.

„70 bis 80 Prozent demenzkranke Bewohner“

Worum geht es inhaltlich? Bis 2016 durfte auf Hauptstraßen nur dann Tempo 30 angeordnet werden, wenn es einen Unfallschwerpunkt gab. Dann aber änderte der Bund die Straßenverkehrsordnung. Seither dürfen Städte auch vor Kitas, Schulen, Pflegeheimen und Krankenhäusern Tempo 30 ausschildern – so geschehen 2017 auf der Scherlebecker Straße in Höhe der AWO-Kita und des Seniorenzentrums Gertrudenau, damals auf Antrag der Initiative Gertrudenpark.

An der Feldstraße geht es nun um den Bereich vor der im Jahr 2020 eröffneten Seniorenresidenz in der Nähe der „Blechecke“. TOP-Fraktionsvorsitzender Fred Toplak sagte, dass dort häufig Autofahrer „auf den letzten Drücker noch mal Gas geben, um über die Ampel zu kommen.“ Das sei ein Risiko für die Heimbewohner. Ralf Kirsch, Betreiber mehrerer Seniorenheime in Herten und Umgebung (aber nicht der Seniorenresidenz in Langenbochum), ergänzte: „In den Heimen haben wir 70 bis 80 Prozent demenzkranke Bewohner. Wegen Corona sind zwar im Moment die Türen verschlossen. Aber grundsätzlich ist es für die Heime ein großer Aufwand, die Bewohner daran zu hindern, aus der Tür und direkt auf die Straße zu laufen. Wir waren daher heilfroh, als an der Scherlebecker Straße Tempo 30 eingerichtet wurde.“

Grüne wollen auch Kita „Sonnenblume“ einbeziehen

Martina Herrmann (Grüne) plädierte dafür, den Tempo-30-Bereich über die Westerholter Straße hinweg in Richtung Herten-Mitte auszuweiten. Denn direkt hinter der Kreuzung befinde sich die Kita „Sonnenblume“, die es ebenfalls zu schützen gelte. Stadtbaurätin Janine Feldmann hielt dagegen, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Hauptstraßen nicht nur den Verkehrsfluss insgesamt beeinträchtigen, sondern weitere Nachteile hätten: Zum Beispiel würden Autofahrer sich Abkürzungen durch Nebenstraßen und Wohnsiedlungen suchen und dort neue Probleme verursachen. Und: Linienbusse könnten ihre Fahrpläne nicht mehr einhalten. Mit Blick konkret auf die Seniorenresidenz hielt Feldmann Tempo 30 an der Feldstraße nicht für nötig: Der Eingang sei nicht direkt an der Straße, sondern an der seitlichen Zufahrt. Und das Gelände sei an drei Seiten eingefriedet.

Erneuter Unfall auf der „Blechecke“-Kreuzung

Während sich CDU-Fraktionsvorsitzender Sebastian Scheer dieser Sichtweise ohne weitere Ausführungen anschloss, stellte sich Thomas Prinz (SPD) auf die Seite der Befürworter: Im Zweifel sei „die Sicherheit der Senioren höher zu bewerten“. Carsten Balzk (FDP) war der Meinung, Tempo 30 könne auch helfen, die unfallträchtige „Blechecke“-Kreuzung zu entschärfen, auf der es erst heute (24.09.) wieder gekracht hat. Balzk schlug vor, die Geschwindigkeitsreduzierung zunächst zeitlich befristet zu testen und dann die Erfahrungen auszuwerten.

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