Neuer Vorstoß beim Uralt-Thema „Hundewiese“

Tollende Hunde statt Rollschuh-Pirouetten auf dem Paschenberg

Wie das täglich grüßende Murmeltier kehrt das Thema „Hundewiese“ immer mal wieder auf die kommunalpolitische Agenda zurück. Seit 15 Jahren ohne Ergebnis. Jetzt hat die Stadt eine neue Idee.
Die Stadt will aus der alten Rollschuhbahn auf dem Paschenberg eine Hundewiese machen. © Carola Wagner

Es war einmal … der Wunsch nach einer umzäunten Freilauffläche für Hunde im Hertener Stadtgebiet. 2006 erstmals geäußert, überdauerte die Suchaktion nach einem geeigneten Gelände Generationen von Hunden ergebnisoffen. Nach Dr. Uli Paetzel und Fred Toplak darf mit Matthias Müller nun schon der dritte Bürgermeister dem Stadtrat Vorschläge unterbreiten, denn bislang hielt keine der bis Mitte 2020 benannten neun Flächen der strengen Prüfung stand.

Fläche diente als Liebesnest

Nun also steht Vorschlag Nummer zehn zur Debatte: nämlich die einstige Rollschuhbahn auf dem Paschenberg. Die liegt dicht umwuchert von Brennnesseln und Gestrüpp versteckt hinter dem Regenrückhaltebecken am Ebbelicher Weg – da, wo ein Weg zum neuen Kunstrasenplatz führt. Ein dicker Findling versperrt den Eingang zum Rollschuhplatz. Der sei von der Stadt dort platziert worden, weil immer wieder Autofahrer auf den Platz fuhren und den versteckten Ort als Liebesnest nutzten, erzählen Spaziergänger.

Auf der alten, überwucherten Rollschuhbahn auf dem Paschenberg will die Stadt eine Hundewiese einrichten. Weil immer wieder Autos auf den Platz fuhren, wurde ein Findling vor dem Eingang platziert.
Auf der alten, überwucherten Rollschuhbahn auf dem Paschenberg will die Stadt eine Hundewiese einrichten. Weil immer wieder Autos auf den Platz fuhren, wurde ein Findling vor dem Eingang platziert. © Carola Wagner © Carola Wagner


Geld könnte von Förderprogramm kommen

Künftig sollen Hundehalter hier Gelegenheit erhalten, ihre Vierbeiner ohne Leine herumtollen zu lassen. Die rund 2700 Quadratmeter große Fläche gehört der Stadt. Planungsrechtlich und aus Sicht von Natur- und Landschaftsschutz bestünden dort keine Bedenken gegen eine Hundewiese, heißt es. Um an das Geld für den Rückbau der Betonfläche und die Anlage einer Wiese zu kommen, soll ein Antrag auf Förderung im Rahmen des Sonderprogramms „Klimaresilienz in Kommunen“ gestellt werden. Klappt das, wird ein Großteil der Kosten von rund 300.000 Euro bezuschusst. Die Stadt müsste gut 40.000 Euro selbst aufbringen und anschließend jährlich etwa 16.000 Euro für die Unterhaltung.

Hundehalter fänden Freilaufwiese gut

Und was halten jene, die es betrifft, von der Idee? Die Hertener Allgemeine trifft Christian Kaczmarek (56) mit Hund Caruso und Gisbert Schaffrynski (65) mit Hund Cooper in der Nähe.

Christian Kaczmarek (56, links) mit Hund Caruso und Gisbert Schaffrynski (65) mit Hund Cooper würden sich sehr über eine Hundewiese auf dem Paschenberg freuen.
Christian Kaczmarek (56, links) mit Hund Caruso und Gisbert Schaffrynski (65) mit Hund Cooper würden sich sehr über eine Hundewiese auf dem Paschenberg freuen. © Carola Wagner © Carola Wagner

Sie würden sich sehr über eine Hundewiese auf dem Paschenberg freuen. „Zumal hier in der Gegend gefühlt jeder Zweite einen Hund hat“, sagt Christian Kaczmarek. Sein Australian Shepherd Caruso braucht viel Auslauf. „Da wäre eine Freilaufwiese gut.“ Und Gisbert Schaffrynski gönnt seinem Mischling Cooper die sozialen Kontakte, die er auf der Wiese hätte.

Alternative liegt im Backumer Tal

Wenn es nichts wird mit den Zuschüssen für die Rollschuhbahn, würde die Stadt auf jene Fläche im Backumer Tal zurückgreifen, die schon 2020 zur Debatte stand. Die misst ebenfalls 2700 Quadratmeter. Der Ausbau mit Zaun und Schleuse würde rund 43.500 Euro kosten. Jährlich fielen dort Unterhaltungskosten von circa 15.500 Euro an.

Die Grünfläche nahe der kleinen Brücke im Backumer Tal (hinter dem Fahrrad) wollte die Stadtverwaltung bereits im vergangenen Jahr mit einem zwei Meter hohen Metallzaun abriegeln und daraus eine Hundewiese machen. Nun steht sie erneut zur Auswahl.
Die Grünfläche nahe der kleinen Brücke im Backumer Tal (hinter dem Fahrrad) wollte die Stadtverwaltung bereits im vergangenen Jahr mit einem zwei Meter hohen Metallzaun abriegeln und daraus eine Hundewiese machen. Nun steht sie erneut zur Auswahl. © Daniel Maiß © Daniel Maiß

Zwei Flächen sind ungeeignet

Die Fläche der ehemaligen Hühnerfarm am Stuckenbuscher Weg/ Katzenbuschstraße, sowie eine Fläche des Regionalverbands Ruhr (RVR) im Bereich der Halde Hoheward in Verlängerung der Hohewardstraße (südlich der

A2) sind angeblich ungeeignet. Beide dürfen aus unterschiedlichen Gründen nicht umzäunt werden.

Mit dem Thema „Hundewiese“ befasst sich der Ratsausschuss für Stadtentwicklung, Digitalisierung und Wirtschaft am

22. Juni (17 Uhr, Glashaus). Der Rat entscheidet in seiner Sitzung am 30. Juni (17 Uhr, Rosa-Parks-Schule).

Der lange Weg zur Hundewiese

  • 2006: Erster Antrag zur Einrichtung einer Hundewiese im Backumer Tal. Stadtverwaltung und Rat lehnen ab.
  • 2012: Erneuter Vorstoß – wieder ist das Backumer Tal im Gespräch. Stadtverwaltung und Politik lehnen ab. Der Verein „1. Hundelobby Herten“ klinkt sich ein und treibt die Bemühungen voran. Die Stadt prüft mehrere Grundstücke. Doch mal gibt es rechtliche Bedenken, mal müsste die Stadt die Flächen teuer kaufen.
  • 2014: Das Backumer Tal kommt erneut ins Gespräch. Die Stadt prüft das Gelände nahe der Tennisplätze und hält es für angemessen. Es werden 25.000 Euro im städtischen Haushalt bereitgestellt. Dann passiert wieder nichts.
  • 2016: Eine Fläche am alten Scherlebecker Friedhof (Bergstraße) wird von Bürgern vorgeschlagen – und sofort wieder verworfen.
  • 2017: Der damalige Bürgermeister Fred Toplak zieht einen Schlussstrich unter das Thema.
  • 2019 regt Toplaks TOP-Partei eine Hundewiese an – wieder im Backumer Tal.
  • 2020 fasst der Rat der Stadt im Zusammenhang mit dem TOP-Antrag keinen Beschluss. Es werden weitere Flächen ins Spiel gebracht: die der ehemaligen Hühnerfarm am Stuckenbuscher Weg/Katzenbuschstraße sowie eine Fläche im Bereich der Halde Hoheward in Verlängerung der Hohewardstraße südlich der Autobahn A2. Süder Bürger wollen den Verein „Hundewiese Herten“ gründen, der Pflege, Schließdienst und Haftung übernehmen soll.
  • 2021 steht fest, dass beide Flächen nicht eingezäunt werden können, was jedoch zwingend erforderlich ist. Jetzt schlägt die Stadt dem Rat die Rollschuhbahn am Paschenberg sowie erneut eine Fläche im Backumer Tal vor.
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