Für Herten im Einsatz

Vier Brüder, eine Leidenschaft – die Feuerwehr

Wenn jemand im Löschzug Westerholt den Namen Huge ruft, kann es sein, dass sich vier Männer umdrehen. Denn die Brüder Peter, Mike, Hermann und Theo haben sich der Feuerwehr verschrieben.
Diese Brüder haben sich der Feuerwehr verschrieben (von li.): Theo, Hermann, Peter und Mike Huge. © Anna Lisa Oehlmann

Wenn bei einer Geburtstagsfeier in der Familie Huge der Feuerwehr-Melder zum Einsatz ruft, kann es schon mal passieren, dass vier Männer gleichzeitig aufspringen und die Feier verlassen. Denn die Brüder Peter, Mike, Hermann und Theo Huge sind alle vier im Löschzug Westerholt als Freiwillige-Feuerwehr-Männer engagiert. Mehr noch: Drei von ihnen sind Berufsfeuerwehr-Männer.

Jeder ist auf einem anderen Weg zur Feuerwehr gekommen und dort geblieben. „Entweder man ist dafür geboren oder nicht“, sagt Theo Huge.

Als Erstes ist der älteste Bruder Peter Huge, heutiger Löschzug-Führer, 1985 in die Freiwillige Feuerwehr eingetreten. „Die meisten meiner Kumpels und Freunde waren in der Feuerwehr“, erzählt der 54-Jährige. Es hat ihm dort gefallen, also blieb er. Ich dachte: „Was die können, versuchst du auch mal“, sagt er und grinst.

Sein Bruder Mike Huge trat kurze Zeit später in die Jugendfeuerwehr ein – um seinem großen Bruder nachzueifern? „Nein, das hatte damit gar nichts zu tun“, sagt er. „Fußball kann ich nicht, Handball wollte ich nicht und mit Schützen konnte ich nichts anfangen“, sagt er und lacht.

Zugang über die Jugendfeuerwehr

Die jüngeren Brüder Theo (43) und Hermann (42) haben sich in der Jugendfeuerwehr ausprobiert. „Bei mir hieß es: entweder du gehst freiwillig, oder wir holen dich mit dem ganzen Löschzug von Zuhause ab. Da bin ich lieber freiwillig gegangen“, sagt Theo Huge mit einem Augenzwinkern. „Ich habe die Entscheidung, in die Freiwillige Feuerwehr einzutreten, nicht bereut“, sagt er. Der Westerholter arbeitet als Chemikant. Feuerwehr ist sein Hobby, in das er viel Freizeit und Engagement investiert. Einen Teil in der ehrenamtlichen Brandschutzerziehung in Kitas.

Unterschiedliche Wege zur Berufsfeuerwehr

Peter Huge ist gelernter Industriekaufmann, arbeitete dann als Kraftfahrer bei der Bundeswehr und ging 1992 zur Berufsfeuerwehr. „Wann hat man schon mal die Chance, sein Hobby zum Beruf zu machen?“ sagt er.

Mike Huge hat Bergmechaniker auf Zeche Westerholt gelernt und vier Jahre unter Tage malocht. Bevor er arbeitslos wurde, entschied er sich, bei der Feuerwehr anzufangen – auch er wollte das Hobby zum Beruf machen.

Bis 2006 arbeitete Hermann Huge als Prozessleitelektroniker in Scholven bevor er die Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr in Oberhausen anfing. „Es gab erste betriebsbedingte Kündigungen“, erzählt er. Seit 2008 ist er bei der Berufsfeuerwehr Herten und dort einer der Höhenretter, die kreisweit aktiv sind.

Feuerwehr ist eine große Familie

Im Einsatz hat es Vorteile, dass die Vier Brüder sind. „Man versteht sich mit Blicken. Es geht schneller, weil man sich kennt“, sagt Peter Huge. „Jeder macht professionell seinen Job. Bei der Feuerwehr sind alle Kameradinnen und Kameraden eine große Familie“, sagt Mike Huge. Dass alle vier als Freiwillige Feuerwehrleute zusammen ausrücken, kommt aufgrund des Schicht-Dienstes selten vor. Gibt es mal Stress im Einsatz oder beim Löschzug, bleibt es auch da.

„Wir trennen dienstliches und privates. Über bestimmte Feuerwehr-Themen wie Führungsgeschehen sprechen wir nicht“, sagt Peter Huge. Seit mehr als zehn Jahren leitet er den Rettungsdienst bei der Feuerwehr Recklinghausen. Bruder Mike ist Wachabteilungsleiter an der Feuerwache in Herten und auch der jüngere Bruder Hermann ist mittlerweile nach seiner Fortbildung in Herten schon in der Funktion des Wachabteilungsleiters gewesen. Die beiden großen Brüder sind in der Psychosozialen Unterstützung des Kreises Recklinghausen aktiv.

Klar, dass es bei drei Berufsfeuerwehr-Männern mit Nachnamen Huge schon mal zu Verwechslungen kommt. „Als ich noch neu bei der Berufsfeuerwehr Herten war, sollte ich KFZ-Teile aus einer Werkstatt in Recklinghausen abholen“, erzählt Mike Huge. Vor Ort wusste die Werkstatt nicht Bescheid, also wählte er die Krankentransport-Nummer, die er im Kopf hatte. Er meldete sich mit „Huge“ und fragte, welche Teile er denn abholen solle. Der Kollege am Telefon fragte: „Weiß einer, ob der Huge mit dem Bulli zur Werkstattfahrt unterwegs ist?“ und erntete nur Kopfschütteln. Es hieß „Komm erstmal zur Wache“. Zurück in Herten war die Verwunderung groß, warum er ohne Teile ankam. Es stellte sich heraus, dass er in Recklinghausen auf der Wache angerufen hatten. Diese wiederum hatte in der Zwischenzeit seinen älteren Bruder Peter kontaktiert, der das Missverständnis aufklären konnte. „Ich habe einfach eins und eins zusammengezählt“, sagt Peter Huge.

Da Mike und Hermann Huge in einer Wachabteilung arbeiten, kommt es bei Durchsagen schon mal zu Verwechslungen, welcher „Herr Huge“ gemeint ist.

Bei weitem nicht immer einer Meinung

„Schau dir das mal an“, sagt Theo, deutet auf seine drei Brüder und lacht. Mike, Hermann und Peter haben alle drei die Hände hinter dem Kopf verschränkt und zwar so, dass die Ellbogen nach draußen zeigen. Die Männer sind sich ähnlich. „Wir haben uns schon immer untereinander gut verstanden – vor allem, seit wir nicht mehr aus einem Kühlschrank essen müssen“, sagt Theo und lacht. „Wir sind bei Weitem nicht immer einer Meinung“, sagt Mike Huge. „Und das ist auch gut so“, ergänzt sein Bruder Peter. Die anderen nicken zustimmend.

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