Plakate mit prägnanten Slogans

„Wählen ist entscheidend“: Kampagne soll Nichtwähler zur Urne locken

Stell Dir vor, es ist Bundestagswahl – und keiner geht hin. So schlimm ist es natürlich auch in Herten nicht. Trotzdem soll eine Kampagne vor allem Jüngere zum Gang zur Wahlurne motivieren.
Christine Rattay und Michelle Balant vom Jugendforum (vorne v.l.) sowie Sabine Weißenberg (VHS Herten), Daniela Franken-Vahrenholt („Demokratie leben!“) und Ann-Kathrin Göritz von der Vestischen (v.l.) präsentieren vor dem Anti-Rassismus-Bus einige Plakate der Kampagne "Wählen ist entscheidend!“. © Oliver Prause

In der Altersgruppe von Christin Rattay sind die Meinungen zum Thema Bundestagswahl gespalten. „Ich kenne so einige, die am 26. September nicht wählen gehen wollen, sich einfach nicht dafür interessieren“, sagt die 20-Jährige – und ärgert sich über diesen Umstand. Seit Jahren setzt sie sich – genau wie die gleichaltrige Michelle Balant – im Jugendforum des Projektes „Demokratie leben!“ in Herten dafür ein, dass Wahlen generell bei der jüngeren Bevölkerung ein besseres Image bekommen.

Schließlich kann man bei der Bundestagswahl ein wichtiges demokratisches Recht wahrnehmen. „Und das sollte man auch unbedingt“, sagt Daniela Franken-Vahrenholt. Es sei die einfachste und oft auch einzige Möglichkeit, direkt auf gesellschaftliche Entwicklungen Einfluss zu nehmen, sagt die Mitarbeiterin im Haus der Kulturen in Herten.

Plakat-Präsentation am Anti-Rassismus-Bus

Die Einrichtung beteiligt sich an „Demokratie leben!“, das sich bundesweit für eine höhere Wahlbeteiligung einsetzt. Denn eine steigende Zahl von Nichtwählern spiele vor allem radikalen Parteien in die Karten, meint Franken-Vahrenholt. Der Ort der Präsentation der neuen Kampagne unter dem Motto „Wählen ist entscheidend“ in Herten war daher mit Bedacht gewählt: Vor einem der beiden Anti-Rassismus-Busse der Vestischen am Bussteig des Gymnasiums wurden bunte Plakate mit prägnanten Slogans wie etwa „So oder anders?“, enthüllt, die vor allem Schülerinnen und Schüler ansprechen sollen. Durch eine Genehmigung des Bauträgers durften sie sogar an den Bauzäunen fürs neue Forum befestigt werden.

Ein Hingucker vor der künftigen Großbaustelle des Herten-Forums. Die Plakate der Wahl-Kampagne wurden auch am Bauzaun vor dem Gymnasium befestigt.
Ein Hingucker vor der künftigen Großbaustelle des Herten-Forums. Die Plakate der Wahl-Kampagne wurden auch am Bauzaun vor dem Gymnasium befestigt. © Oliver Prause © Oliver Prause

Vestische bei Wahl-Kampagne mit im Boot

Um Aufmerksamkeit zu erregen, werden die Plakate in den nächsten Tagen an weiteren Stellen im Stadtgebiet aufgehängt. Auch in den Fahrzeugen werden die Slogans auf den Monitoren eingeblendet. Das heimische Nahverkehrsunternehmen unterstützt die Aktion, ebenso wie schon im Vorjahr die zur Kommunalwahl.

Ein wichtiger Baustein der Kampagne seien aber auch die Sozialen Medien, wie Sabine Weißenberg (VHS Herten), ebenfalls Ansprechpartnerin für „Demokratie leben!“, erklärt: „Dort erreicht man viele jüngere Menschen.“ Auf dem neuen Kultur- und Bildungskanal der Stadt (Kubi) bei YouTube sowie dem Instagram-Kanal des Jugendforums sind ab Anfang September auch die Video-Interviews zu sehen, die Teilnehmer des Jugendforums mit fünf Bundestagskandidaten im Wahlkreis geführt haben. Der Einladung ins Bürgerhaus Süd waren Lars Ehm (CDU), Brian Nickholz (SPD), Robin Conrad (Grüne), Ulrike Eifler (Linke) und Sabine Leopold (MLPD) gefolgt.

Interviews mit Politikern auf YouTube und Instagram

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen nahmen die Politiker dort zu Themen wie etwa Schule, Umwelt oder ÖPNV ins Kreuzverhör. „Sie kannten unsere Fragen nicht und hatten nur 15 Minuten Zeit, um sich etwas dazu zu überlegen“, sagt Michelle Balant. Danach rauchte so manchem Kandidaten der Kopf. Immerhin: „Bei jedem hat mir etwas gefallen, anderes dagegen wieder nicht“, sagt die 20-Jährige vom Jugendforum diplomatisch.

Kooperation mit dem Kijupa in Waltrop

Dennoch fand Michelle Balant die Veranstaltung wichtig, die gemeinsam mit Yakob El-Deeb vorbereitet wurde. Der Mediengestalter und Filmemacher hatte die Teilnehmer in einem Workshop auf den Drehtag vorbereitet und begleitet. Die Fragen und den Ablauf hatte das Hertener Jugendforum gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendparlament (Kijupa) Waltrop erarbeitet. Bei ihrer Arbeit entdeckten beide Gruppen übrigens, dass ihre Städte gar nicht denselben Wahlkreis abdecken: „Waltrop ist ja Recklinghausen I, und in dem treten andere Kandidaten an als bei uns“, berichtet Christin Rattay.

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