Bedarf hat auch in Herten stark nachgelassen

Weniger Kunden und Geld: Für Schnelltestzentren geht’s ans Eingemachte

Ab Mitte Oktober sollen die Menschen für Corona-Schnelltests selbst zahlen. Das Vorhaben aus Berlin hat Auswirkungen auf die Schnelltestzentren in Herten. Ihre Zukunft sieht nicht rosig aus.
Geht es nach vielen Gesundheitspolitikern in Berlin, könnte ein solches Schild mit der Aufschrift „Kostenloser Corona-Schnelltest“ bald der Vergangenheit angehören. © picture alliance/dpa

In den Sommerferien machen auch die Politiker in Berlin Pause. Allenfalls Spekulationen über Gesetzesvorhaben dringen dann nach außen. In diesem Jahr ist aber alles anders. Ein konkreter Vorschlag aus dem Gesundheitsministerium zur Zukunft der Corona-Schnelltests liegt auf dem Tisch. Er sieht vor, dass Bürgerinnen und Bürger die Schnelltests ab Mitte Oktober selbst zahlen sollen. Wir haben bei Anbietern in Herten nachgefragt, was das für ihre Einrichtungen bedeuten würde.

Ahmet Danisik von Corona Test West, der die Teststation an der Vestischen Straßenbahnen AG betreibt, bleibt noch ruhig: „Es ist erstmal nur ein Vorschlag. Noch steht ja nichts fest.“ Vermutungen seien der falsche Berater, wenn es um die Zukunft von Testzentren gehe. Solange der Testbedarf noch da sei, würde man an der Westerholter Straße 550 weiter machen. Der Andrang schwanke jedoch stark. Am Wochenende kämen manchmal sogar mehr Menschen als unter der Woche.

Vor der Vestischen stehen immer weniger Kunden

Und das, obwohl das Testzentrum auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Nahverkehrsunternehmens auf Corona testet. Aber bei der Vestischen sind ebenfalls viele Beschäftigte bereits vollständig geimpft, sodass der Testbedarf auch in diesem Bereich stetig abnimmt.

Einige Hausnummern weiter, beim Drive-In-Testzentrum vor Herta, stellt man sich allmählich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Autos stehen dort nicht mehr dicht an dicht, damit sich die Insassen auf Corona testen lassen können. Neben der höheren Impfquote sei die Notwendigkeit, einen aktuellen Test vorzulegen, nicht mehr gegeben, weiß auch Michael Schaedel vom Betreiber Test4Health. „In Geschäfte oder Freizeiteinrichtungen kommt man ja auch ohne.“

Das Drive-In-Corona-Testzentrum vor dem Herta-Werk plant keine Einschränkungen der Öffnungszeiten – auch nicht am Wochenende. © Stefan Korte © Stefan Korte

Kostendruck für Betreiber ist gestiegen

Außerdem hat der Kostendruck für die Testzentren zugenommen, seit 1. Juli bekommen sie weniger Geld vom Staat. Wie es an der Westerholter Straße 750-770 weitergeht, sollte die Neuregelung in Berlin verabschiedet werden, damit hat sich Michael Schaedel „noch nicht befasst“. Er gibt sich aber keinen Illusionen hin. „Ich verstehe die Diskussion darüber, dass jemand, der nicht geimpft ist und sich testen lässt, damit er die gleichen Privilegien wie Geimpfte bekommt, zur Kasse gebeten werden soll.“ Klar sei, dass das Interesse an Schnelltests zurzeit um rund ein Drittel geringer sei, als noch in der Hochzeit Ende April, Anfang Mai. Und klar sei auch: „Wenn wir später feststellen, dass keiner bereit ist, dafür Geld auszugeben und wir draufzahlen, werden wir die Segel streichen.“

Apotheke passt Testzeiten an

Das hat Dr. Matthias Oelmann mit dem Schnelltestcenter in seiner city-Apotheke an der Hermannstraße 20 nicht vor. Wobei ihn die geringere Vergütung seit Juli schon zum Handeln gezwungen hat. „Wir müssen unser Testpersonal natürlich bezahlt kriegen. Daher wurden die Öffnungszeiten fürs Testen angepasst. Nicht mehr die ganze Woche von 9 bis 17 Uhr, sondern nur noch montags, freitags und samstags sowie mittwochvormittags.“

INFO:

Seit 1. Juli gibt es eine Änderung bei der Vergütung für die sogenannten PoC-Tests.
Die Sachkosten sind auf 4,50 Euro gedeckelt worden.
Leistungserbringer, die nicht Arzt oder Zahnarzt sind, erhalten ab 1. Juli pro Test ein Honorar von acht Euro statt wie bisher zwölf Euro. Die Vergütung bei überwachten Antigen-Tests zur Eigenanwendung beträgt je Testung fünf Euro. Kein Honorar gibt es, wenn die testenden Personen ehrenamtlich arbeiten, etwa in Obdachlosenunterkünften. Die Vergütung für SARS-CoV-2-PCR-Tests bleibt unverändert, ebenso das Honorar für ins Labor eingesandte Antigentests.

Der Abend in Herten

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