Kommentar

Wer nicht konsumiert, der darf sich nicht beschweren

Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich noch mal ein Pächter am Glashaus-Bistro versucht. Der Laden läuft einfach nicht rund. Woran das liegt? Da kommen mehrere Gründe zusammen.
Carola Wagner, stellv. Leiterin der Lokalredaktion Herten © Gutzeit

Ein Kommentar zum Artikel „Auch die sechste Pächterin des Glashaus-Bistros ist gescheitert“

Eine Gaststätte gewinnbringend zu führen, ist heutzutage nicht leicht – erst recht nicht in Herten. Das Glashaus-Bistro ist ein gutes Beispiel dafür. Mit ganz unterschiedlichen Konzepten wollten die sechs Pächter ihre Kundschaft locken: Aida Suvalic servierte zum Beispiel gut-bürgerliche Gerichte, Markus Liptow Salate und Eintöpfe, die Calaminis „Cucina Italiana“ von Pasta bis Pizza… Und doch gelang es keinem, mit dem Lokal genügend Geld zu verdienen.

Vorausgesetzt das Essen ist schmackhaft und das Personal freundlich, sind als Schuldige für den wirtschaftlichen Misserfolg rasch die Bürger und Besucher der Stadt ausgemacht. Wenn sie nicht fleißig hingehen und konsumieren, dürfen sie sich auch nicht beklagen, dass es vor Ort so wenig Gastronomie gibt.
Es ist das gleiche Spiel wie mit dem Einzelhandel: Wer nicht in Herten kauft, der darf auch nicht schimpfen, dass es immer weniger Geschäfte gibt. Ich möchte allerdings noch anmerken, dass die kalte Atmosphäre der Räumlichkeit alles andere als ansprechend ist und nicht wirklich zum Verweilen einlädt. Aber das ist Geschmackssache.

Migrantische Jugend strömt nach Herten

Wenn man sich in Herten-Mitte umschaut, so scheinen am ehesten jene Lokale zu florieren, die vorwiegend von migrantischen Mitbürgern aufgesucht werden – allen voran das Rathaus-Café. Das lockt tatsächlich arabisch- und türkischstämmige Menschen aus dem gesamten Ruhrgebiet nach Herten. Im Gespräch mit jungen Leuten dort erfuhr ich, dass es ein bekannter Treffpunkt für die Jugend dieser Kulturkreise ist.

Dass die Café- und Restaurantkultur in vielen anderen, vor allem südlichen Ländern deutlich ausgeprägter ist als jene in Deutschland, wird wohl niemand bestreiten. Laut Statistik geben die Deutschen im Vergleich zu anderen Europäern am wenigsten fürs Essen aus. Stattdessen investieren sie lieber ins Wohnen und in ihr geliebtes Statussymbol: das Auto. Wer seine Prioritäten so setzt, der darf sich über zu wenig Gastronomie nicht beklagen.

Der Abend in Herten

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