Großer Bedarf an Plätzen

Wohnungslosenunterkunft am Rand der Ried wird umfassend saniert

Mit dem Verkauf ihrer idyllisch am Rand der Ried gelegenen Notunterkunft könnte die Stadt Herten viel Geld erlösen. Stattdessen will sie nun mindestens 550.000 Euro in die Sanierung stecken.
Die städtische Notunterkunft an der Backumer Straße. © Frank Bergmannshoff

Der Hertener Rat muss der aufwendigen Sanierung des maroden Gebäudes noch in seiner Sitzung am 30. Juni zustimmen. Aber die Stadt kann im Grunde gar nicht anders. Denn während einerseits der Bedarf an Unterbringungsplätzen zuletzt deutlich anstieg, ist die bauliche Situation in der Unterkunft kaum noch tragbar.

Schimmel und keine Heizung

Das vor dem Zweiten Weltkrieg errichtete Doppelhaus für damals zwei Parteien pro Hälfte wird seit den 1990er-Jahren als Obdachlosenunterkunft von der Stadt Herten genutzt. Inzwischen ist es so marode, dass eine sehr umfassende Sanierung erforderlich ist. Fenster, Türen, Elektro, Böden, Sanitär – alles muss abgebrochen und erneuert werden. Ebenfalls nötig sind Putzarbeiten, eine Schimmel-Sanierung und der Einbau einer Heizung – eine solche gibt es bisher nämlich nicht.

In einem ersten Schritt wird die rechte, seit einigen Jahren leerstehende Haushälfte saniert. Sechs Monate Bauzeit und eine Fertigstellung im ersten Quartal 2022 werden angepeilt. Im zweiten Schritt wird die linke, aktuell bewohnte Haushälfte geräumt und saniert. Dauer: ebenfalls sechs Monate. Kostenkalkulation für das Gesamtprojekt: 550.000 Euro zuzüglich 30 Prozent Risikopuffer (=165.000 Euro) für unvorhergesehene Arbeiten.

2279 Übernachtungen im Jahr 2020

Nach Abschluss der Arbeiten stehen Räume für 15 Wohnungslose zur Verfügung. Diese werden dringend benötigt. Im Jahr 2020 nutzten 31 verschiedene Menschen die Unterkunft an insgesamt 2279 Tagen beziehungsweise Nächten (im Schnitt 73,5 Tage pro Person.) 2019 waren es 35 verschiedene Menschen an insgesamt 2540 Tagen (im Schnitt 72,6 Tage pro Person).

Stadt ist zur Hilfe verpflichtet

Mit einem Rückgang der Zahlen ist nicht zu rechnen. Denn die Zahl der Zwangsräumungen in Herten hat sich in den vergangenen drei Jahren bei Werten zwischen 75 und 78 eingependelt. Das sind statistisch 1,5 Zwangsräumungen pro Woche. Die Gründe dafür sind häufig, dass Menschen die Fähigkeit verlieren, eine Wohnung ordnungsgemäß zu nutzen, instandzuhalten und zu bezahlen, wenn sie durch Job-Verlust, Krankheit oder andere Krisen in Schwierigkeiten geraten. Die Stadt ist dann gesetzlich verpflichtet, den Betroffenen Schutz zu gewähren.

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