Lagebericht

Zahl der Asylbewerber in Herten sinkt weiter

Auch im Jahr 2020 suchten Menschen Asyl in Herten. Doch ihre Zahl sinkt stetig.
Bis zu 50 Menschen kann die Stadt in der Gemeinschaftsunterkunft an der Gartenstraße unterbringen. Doch die Gebäude sind in die Jahre gekommen und müssen auch dem neuen S-Bahnhof weichen. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Politik und Verwaltung soll daher nach Grundstücken für einen Neubau suchen. Mitte Oktober nimmt sie ihre Arbeit auf. © Erwin Kitscha (Archiv)

Christiane Rohde, Amtsleiterin Senioren und Integrationsbüro, lieferte im Ausschuss für Soziales, Arbeit und Inklusion einen Lagebericht. Im vergangenen Jahr wurden der Stadt Herten 30 Asylsuchende zugewiesen, 2019 waren es 76. Zum Stichtag 31. Dezember 2020 lebten 207 Asylsuchende (davon 86 Frauen und Mädchen) in Herten, im Vorjahr waren es 307, im Jahr davor 359. 2015, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, lebten 696 Asylsuchende in Herten und im Folgejahr waren es noch 580 (Zahlen jeweils zum Stichtag 31. Dezember). Die Hauptherkunftsländer der Asylsuchenden waren im vergangenen Jahr Syrien, Nigeria, Aserbaidschan, Irak, Iran und Guinea.

Rund 1700 anerkannte Flüchtlinge leben in Herten

Von den rund 1700 in Herten lebenden anerkannten Flüchtlingen, also jenen Menschen, deren Asylverfahren erfolgreich abgeschlossen ist, sind die Hälfte Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Beim Jobcenter waren in 2020 insgesamt 684 Menschen als erwerbsfähig gemeldet. Von ihnen konnten laut Christiane Rohde im Durchschnitt 24,9 Prozent durch das Jobcenter im Jahresverlauf in eine sozialversicherungspflichtige Arbeit vermittelt werden.

Die Zahl der Geduldeten betrug am 31. Dezember 2020 insgesamt 210 Menschen, davon 82 Frauen und Mädchen. Geduldete Menschen sind jene, deren Asylantrag abgelehnt wurde, deren Aufenthalt aber aus rechtlichen, politischen (z.B. Abschiebestopp) oder humanitären (z.B. Krankheit) Gründen geduldet wird. Es gibt auch die Ausbildungsduldung, wenn ein Asylbewerber eine qualifizierte Ausbildung begonnen hat – auf 42 der in Herten Geduldeten traf das im vergangenen Jahr zu. Zwölf ausreisepflichtige Flüchtlinge haben Herten 2020 verlassen, sechs reisten freiwillig aus, sechs wurden abgeschoben. Hinzu kommen fünf Menschen, die Herten mit unbekanntem Ziel verlassen haben.

Unterkunft an der Gartenstraße, Wohnungen im Stadtgebiet

Für die Unterbringung der Asylbewerber nutzt die Stadt die Gemeinschaftsunterkunft an der Gartenstraße – hier ist Platz für maximal 50 Menschen – und Wohnungen, die auf das Stadtgebiet verteilt sind. Sobald eine Aufenthaltserlaubnis erteilt wird, werden die Betroffenen allerdings aufgefordert, sich selbst eine Wohnung anzumieten. Von den 68 Wohnungen, in denen die Stadt Mieterin ist, waren zum Stichtag 50 bewohnt.

Bei der Belegung der Wohnungen wird laut Stadtverwaltung auch darauf geachtet, die EU-Aufnahmerichtlinie für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge umzusetzen. Als besonders schutzbedürftig gelten zum Beispiel (unbegleitete) Minderjährige, Schwangere, Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern oder Menschen mit Behinderungen und Ältere. Die Stadt Herten bringt zum Beispiel alleinstehende Frauen grundsätzlich nur mit anderen Frauen zusammen unter und Familien wohnen in der Regel im Familienverbund.

Die Warteliste für Sprach- und Integrationskurse ist lang

Ein großes Problem ist der pandemiebedingte Ausfall von Deutsch- und Integrationskursen, denn sie sind für das Aufnahmeverfahren bei Asylsuchenden essenziell. Zwischen März und August 2020 hat es keinen Präsenzunterricht gegeben, danach mit reduzierter Teilnehmerzahl. Im Juli dieses Jahres standen daher noch 105 Menschen auf der Warteliste. Im September haben zwei neue Integrationskurse begonnen mit insgesamt 40 Teilnehmern.

Für die Unterbringung, Betreuung und Versorgung von Asylbewerbern und anderen ausländischen Menschen hat die Stadt Herten im vergangenen Jahr rund 2,91 Millionen Euro ausgegeben. Da das Land Nordrhein-Westfalen nur Pauschalbeträge zahlt, wird der Stadt auch nur ein Teil der Kosten erstattet – 2020 waren das rund 1,15 Millionen Euro.

Der Abend in Herten

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.