53 Hektar Fläche vermarktet

Zeche Ewald: 1500 Arbeitsplätze, alle Grundstücke verkauft

Nach 20 Jahren ist die Zeche Ewald bei der RAG Montan Immobilien aus den Büchern raus. Alle Grundstücke auf dem früheren Bergwerksareal sind verkauft und über 1500 Arbeitsplätze entstanden.
Alte und neue Gebäude der Gewerbeansiedlungen auf dem Gelände der Zeche Ewald. Foto: Rag Montan Immobilien/Thomas Stachelhaus © Thomas Stachelhaus s.Kontakt

Aus Sicht der RAG Montan Immobilien ist es vollbracht: Gut 20 Jahre nach der Stilllegung der Zeche Ewald ist das 53 Hektar große Gelände der ehemaligen Zeche Ewald 1/2/7 im Hertener Süden komplett vermarktet. „Ewald ist aus unseren Büchern raus“, sagt Unternehmenssprecher Stephan Conrad. Wo einst bis zu 4000 Kumpel für sich und ihre Familien das tägliche Brot verdienten, seien mehr als 1500 Arbeitsplätze entstanden. Und es könnten noch mehr werden, denn die RAG Montan Immobilien ist die Grundstücke zwar los, aber vieles ist noch unbebaut und ungenutzt, etwa denkmalgeschützte Gebäude und Flächen der Motorworld. Da ist noch reichlich Platz für Ansiedlungen, Neubauten und Innovation.

Die letzten 1700 Quadratmeter gingen an die Stadtwerke

Ende April habe die RAG Montan Immobilien das letzte Grundstück aus ihrem Bestand – rund 1700 Quadratmeter – im nördlichen Teil des Areals an die Stadtwerke Herten verkauft. Zum Jahreswechsel 2020 ging das vorletzte Grundstück an den Software-Hersteller Prosoz. Auf 7200 Quadratmetern sollen Büros in Anbindung an das Wasserstoff-Kompetenzzentrum Herten entstehen. Außerdem wird in diesem Sommer der US-amerikanische Brennstoffzellen-produzent Cummins Inc. auf einem 7700 Quadratmeter großen Grundstück eine neue Entwicklungs- und Produktionsstätte für die erste Serienfertigung emissionsfreier Wasserstoff-Antriebssysteme in Deutschland eröffnen.

Auszeichnungen

Der Zukunftsstandort Ewald wurde mehrfach ausgezeichnet:

2007 wählte die Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft Ewald zu einem der „365 Orte der Ideen“. Im gleichen Jahr wurde das Vorhaben beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis gewürdigt. Die Jury kam zu dem Schluss, dass „im Rahmen eines langen Konversionsprozesses der Landschaftsarchitektur als Vorreiter eine wichtige Aufgabe zukommt. Durch einige kräftige freiräumliche Setzungen (…) entstehen individuelle, angenehm zurückhaltende und nutzbare Orte. Diese tragen zum positiven Ausdruck des neu entstehenden Quartiers bei“.

2009 verlieh die Emschergenossenschaft dem Zukunftsstandort das „Wasserzeichen“. Im Fokus stand dabei das „Blaue Band“, das das Regenwasser über ein Rinnensystem in den Resser Bach und den Schellenbruchgraben ableitet. Das „Wasserzeichen“ steht als Symbol für einen intakten natürlichen Wasserkreislauf und wird von der Emschergenossenschaft an Projekte vergeben, die sich den nachhaltigen Umgang mit Regenwasser zum Ziel gesetzt haben.

Damit findet das Entwicklungsprojekt „Zukunftsstandort Ewald“ seinen Abschluss. Ewald sei in vielerlei Hinsicht Vorreiter für andere Vorhaben in der Region gewesen, erklärt Stephan Conrad. Sieben Jahre nach der Stilllegung der Zeche im Jahr 2000 war das Gelände saniert und baureif gemacht worden.

Das Unternehmen Prosoz hat seinen Standort auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Ewald in Herten-Süd.
Das Unternehmen Prosoz hat seinen Standort auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Ewald in Herten-Süd. © Thomas Stachelhaus © Thomas Stachelhaus

„Der Schlüssel zum Erfolg am Zukunftsstandort Ewald liegt im umfassenden Angebot an Flächen, Beratung, Netzwerk und Unterstützung sowie dem engen Austausch mit Wirtschaft und Wissenschaft“, glaubt Bürgermeister Matthias Müller. Es sei goldrichtig, einen „Global Player“ wie Cummins zu integrieren. Das passe perfekt ins Konzept: „Auf Ewald konzentrieren wir uns auf Innovation und die saubere Zukunft des Verkehrs.“

Erste Ansiedlung schon zwei Jahre nach der Stilllegung

Der Verkauf der letzten Grundstücke markiert für die RAG-Immobilientochter zugleich den Abschluss einer erfolgreichen Kooperation. 1999 hatten die RAG Montan Immobilien (damals noch Montan-Grundstücksgesellschaft – MGG) und die Stadt Herten die Projektgemeinschaft Ewald 1/2/7 gegründet und die Weichen für die Reaktivierung des Zechen-Areals gelegt. Sanierung, Herrichtung, Erschließung und Vermarktung der Fläche erfolgten parallel. So gab es erste Ansiedlungen schon zwei Jahre nach der Zechenschließung.

Arbeit für bis zu 4000 Kumpel

Die Anfänge auf dem Bergwerk Ewald waren alles andere als einfach: Gebirgsstörungen und Wassereinbrüche behinderten von Beginn an die Produktion. Ewald wurde im Volksmund daher schnell zur „Zeche Elend“. Nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch entwickelte sich das Bergwerk zu einem der produktivsten in der Region – hier standen zeitweise bis zu 4.000 Bergleute in Lohn und Brot. Gemessen an der Fördermenge, die zeitweise bei rund 36.000 Tonnen pro Tag lag, galt Herten lange Zeit als größte Bergbaustadt Europas.

Die ursprünglich angepeilte Zahl von tausend neuen Arbeitsplätzen wurde bereits 2008 erreicht; mittlerweile sind es mehr als 1500. Bernd Lohse, ehemaliger zuständiger Projektleiter bei der RAG Montan Immobilien: „Mitten in der größten Haldenlandschaft Europas ist ein Gewerbe- und Logistikstandort von europäischem Format entstanden.“ Zu verdanken sei dies auch den guten Standortbedingungen: der Nähe zu den Flughäfen Dortmund und Düsseldorf, einer direkten Anbindung an A2, A42 und A43 sowie dank des nahen Rhein-Herne-Kanals. Michael Kalthoff, Vorsitzender der Geschäftsführung der RAG Montan Immobilien glaubt, dass mit Ewald ein Quartier entwickelt wurde, das wie kein zweites in der Region Vergangenheit und Zukunft miteinander verknüpft.“

Ein Luftbild der Zeche Ewald von 1962. Damals waren hier Tausende Bergleute in Lohn und Brot und holten das schwarze Gold aus der Grube. Foto: Stadtarchiv Herten
Luftbild Zeche Ewald Herten von 1962 © Stadt Herten, Stadtarchiv © Stadt Herten, Stadtarchiv

Das Wasserstoff-Kompetenzzentrum im nordöstlichen Teil des Geländes habe sich zu einem Projekt von internationalem Renommee entwickelt. Im Zentrum steht das 2009 gegründete erste kommunale Anwenderzentrum „H2Herten“. Hier wird mit dem Projekt „Windstromelektrolyse“ unter anderem die Gewinnung von sogenanntem „grünen Wasserstoff“ möglich. Inzwischen nutzen etliche spezialisierte Unternehmen die Technologie sowie die Büro-, Tagungs- und Technikumsflächen des Anwenderzentrums, das mittlerweile 8300 Quadratmeter Gesamtfläche umfasst.

Die Logistiker auf dem Gelände der Zeche Ewald. Foto: Rag Montan Immobilien/Thomas Stachelhaus © Thomas Stachelhaus s.Kontakt © Thomas Stachelhaus s.Kontakt

Die inzwischen aufgelöste Projektgemeinschaft Ewald 1/2/7 mit den Projektleitern Bernd Lohse und dem früheren Hertener Stadtbaurat Volker Lindner hatte sich von Anfang an auf die Ansiedlung von Unternehmen aus den Bereichen erneuerbare Energien und zukunftsfähige Energieträger konzentriert. Diese Strategie wird mit der Cummins-Ansiedlung fortgesetzt. Schon im Juli 2021 sollen in dem Werk Wasserstoff-Brennstoffzellen zusammengebaut werden, mit denen Personenzüge betrieben werden.

Geschichte des Ewald-Areals

871 Gründung des Bergwerks durch 21 Anteilseigner (Gewerke), darunter

Ewald Hilger

1892 Aufnahme der Förderung auf Schacht 2

1954 Eröffnung des Zentralförderschachtes 7

1999 Gründung der Projektgemeinschaft Ewald

2000 Stilllegung des Bergwerks Ewald 1/2/7 nach rund 130 Jahren Förderung

2002 erste Unternehmensansiedlung in Bestandsgebäuden

2002 Internationale Entwurfswerkstatt

2003 Beginn Sanierungsmaßnahmen

2004 Ende der Bergaufsicht

2005 erste Neubauansiedlungen im Bereich Hightech

2006 erste Ansiedlungen im Bereich der Logistik- und logistikaffinen

Nutzungen

2006 Fertigstellung der Ewaldpromenade

2007 vollständige Vermarktung der Logistikfläche

2007 Abschluss Sanierungs- und Erschließungsmaßnahmen,

Schlusssteinlegung

2009 Eröffnung Anwenderzentrum im Wasserstoff-Kompetenz-Zentrum

(H2Herten)

2009 Neubau von Gewerbeobjekten

2009 Eröffnung RevuePalast Ruhr

2015 Planungsbeginn Motorworld Zeche Ewald Ruhr durch die Zeche Ewald

Entwicklungsgesellschaft

2020 Abschluss der Vermarktung mit dem Verkauf der letzten Grundstücke

aus dem Eigentum der RAG Montan Immobilien

Neben der Hochtechnologie ist Ewald auch einer der wichtigsten Bausteine des interkommunalen Projekts „Last Mile Logistik“ der Städte Herten, Gelsenkirchen und Herne: Zwischen 2006 und 2008 haben sich auf insgesamt 18 Hektar des einstigen Zechengeländes sechs international tätige Logistikunternehmen mit rund 600 Mitarbeitenden angesiedelt.

Mit der Motorworld zur Event-Location

Die historischen Bestandsgebäude will die Motorworld Zeche Ewald-Ruhr mit Leben füllen. Damit soll Ewald auch zur Event-Location werden. Der Kauen-Komplex wird gerade saniert und ausgebaut, und im Maschinenhaus siedelt sich ein Restaurant an: die „MOTO59 Food Garage“.

Die Vermarktung läuft freilich schleppend – von den ehrgeizigen Plänen, die vor Jahren vorgelegt wurden, ist bislang praktisch nichts realisiert worden. Seit kurzem versucht Ex-Bürgermeister Fred Toplak als Berater sein Glück und kurbelt den Vermarktungs-Motor an.

30 Millionen für die Reaktivierung

Über 30 Millionen Euro sind seit 2000 allein in die Reaktivierung des Zechengeländes durch die Projektgemeinschaft in den Zukunftsstandort Ewald geflossen. Mehr als die Hälfte – 17,5 Millionen Euro – wurden allein in die Erschließung des Geländes investiert, davon über 13 Millionen Fördermittel. Mit Maßnahmen, die nicht über Fördermittel abgedeckt waren, beispielsweise die innere Erschließung, hat die RAG Montan Immobilien allein rund sieben Millionen Euro an eigenem Geld in die Entwicklung des Standortes investiert. Dazu kommen noch bis zu rund 10 Millionen Euro aus Rückstellungen der RAG für den Rückbau und die Flächensanierung des Bergwerksgeländes.

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