Zwei Kandidaten, ein Ziel: Rein ins Parlament, raus aus der Defensive

Der eine ist ein erfahrener Landespolitiker, der andere will erstmals in den Bundestag: Carsten Löcker und Brian Nickholz sind Gäste bei der Delegiertenwahl des SPD-Ortsvereins Herten Stadt.
Der SPD-Ortsverein Herten Stadt ist zur Landes-Delegiertenwahl im Jugendzentrum Nord zusammengekommen. Auf dem Bild (v.l.): Bundestagskandidat Brian Nickholz, Landtagsabgeordneter Carsten Löcker, Ortsvereinsvorsitzender Jörg Rattay und die Stadtverbandsvorsitzende Babette Nieder. © SPD-Ortsverein Herten Stadt

Die Sonne strahlte – und die Gesichter der Mitglieder des SPD-Ortsvereins Herten Stadt auch. Fast hätte man meinen können, im Jugendzentrum Nord (JZN) trifft sich eine Partei, die gerade einen großen Sieg eingefahren hat. Doch das einstellige Ergebnis der Sozialdemokraten bei den Landtagswahlen am vergangenen Sonntag in Sachsen-Anhalt konnte die Laune kaum trüben.

Stattdessen wurde nach vorne geschaut – auf zwei Wahlen, die für die SPD-Basis in Herten von ungleich größerer Bedeutung sind. Auf der Tagesordnung standen daher ein Grußwort des SPD-Bundestagskandidaten für den Wahlkreis 122 (Herten, Marl, Datteln, Oer-Erkenschwick, Haltern am See), Brian Nickholz, und Delegiertenwahlen zu verschiedenen Konferenzen vor der Wahl des heimischen Landtagskandidaten.

Löcker will wieder in den Landtag und raus aus der Opposition

Und das soll nach dem Willen der Hertener SPD erneut Carsten Löcker sein. Der 60-Jährige aus Disteln möchte sein bei den NRW-Wahlen 2012 erworbenes Mandat im Wahlkreis 70 (Herten, Marl) im nächsten Jahr zum dritten Mal verteidigen. Beim SPD-Treffen im JZN schlug er mit Blick auf die Situation der Landespartei aber auch kritische Töne an. „Jetzt ist die Zeit darüber zu reden: Was ist uns geglückt? Womit sind wir nicht fertig? Und vor allem: Wie landet man eigentlich in der Opposition im nordrhein-westfälischen Landtag, wenn man lieber regieren will?“

Damit seine Partei nach dem 22. Mai 2022 in NRW endlich wieder regieren kann, wirft Löcker seine Kompetenz als verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion in Düsseldorf in die Waagschale. Die Landes-SPD habe sich maßgeblich dafür eingesetzt, dass in Herten im kommenden Jahr zwei neue S-Bahn-Haltepunkte (Mitte und Westerholt) eingerichtet werden. In Verbindung mit dem Bau des Herten Forum würden sich somit „neue Wegebeziehungen“ in der Stadt ergeben, ist Löcker überzeugt.

Carsten Löcker möchte sein Landtagsmandat für die SPD im Wahlkreis Recklinghausen II (Herten, Marl) im Mai 2022 behaupten.
Carsten Löcker möchte sein Landtagsmandat für die SPD im Wahlkreis Recklinghausen II (Herten, Marl) im Mai 2022 behaupten. © Oliver Prause © Oliver Prause

Haltepunkte sollen das „Selbstwertgefühl“ von Herten steigern

Er hofft, dass sich dies auf die Entwicklung der ganzen City positiv niederschlägt: „Es soll insgesamt freundlicher für die Menschen werden – nicht nur für diejenigen, die mit dem Auto fahren.“ Ziel sei auch, das „Selbstwertgefühl“ der Stadt wieder zu steigern. „Manche reden von Leuchttürmen. Ich eher von Identifikationspunkten, die die Bürgerinnen und Bürger brauchen, um sich vor Ort wohlzufühlen“, sagt der Landtagsabgeordnete. „Dazu gehören: Freizeitangebote, Nahversorgung in den Stadtteilzentren, Mobilität – am besten klimafreundlich mit der Bahn.“

Auch die Corona-Politik und das Maßnahmenpaket von Matthias Müller (CDU) ließ Carsten Löcker beim Besuch im JZN nicht unerwähnt. „Es ist eine irrige Annahme, der Bürgermeister einer kreisangehörigen Stadt wäre alleiniger Herr des Verfahrens. Stattdessen läuft alles immer nur im engen Austausch mit dem Landrat, der wiederum für die Umsetzung von Maßnahmen auch erst in Düsseldorf anrufen muss.“ Wolle man etwa eine Sonderimpfaktion vor Ort durchführen, ginge dies nur mit vorheriger Absprache aller Instanzen.

SPD-Stadtverbandsvorsitzende vermisst Sonderimpfaktion für Herten

Genau eine solche Aktion hätte sich Babette Nieder allerdings längst für Herten, das in den letzten Wochen der Corona-Hotspot im Kreis Recklinghausen war, gewünscht.

Die SPD-Stadtverbandsvorsitzende Babette Nieder kritisiert das zögerliche Handeln der Stadtspitze in der Corona-Krise.
Die SPD-Stadtverbandsvorsitzende Babette Nieder kritisiert das zögerliche Handeln der Stadtspitze in der Corona-Krise. © Oliver Prause © Oliver Prause

„So etwas wie in der Nachbarstadt Gelsenkirchen hätte man hier auch hinbekommen können. Auch wenn das Gesundheitsamt beim Kreis ist, hindert uns das ja nicht daran, beim Kreis zu sagen, was wir brauchen und was wir wollen“, meinte die Lokalpolitikerin, die Carsten Löcker im Jahr 2019 in einer Kampfabstimmung als SPD-Stadtverbandsvorsitzenden abgelöst hatte, am Rande der Tagung im JZN.

INFO

SPD-DELEGIERTE FÜR DIE KONFERENZEN

– Für die kommenden SPD-Konferenzen zur Landtagswahl wurden folgende Delegierte gewählt: Dorothee Babst, Christian Bugzel, Wolfgang Kumpf, Volker Lindner, Babette Nieder, Christin Rattay, Jörg Rattay, Dorothea Wiedenbusch-Hasler und Kerstin Walberg– Ersatzdelegierte sind: Sieglinde Graf, Yannick Schenker, Oliver Haastert, Stefanie Hasler, Klaus Loddenkemper und Khaled El Osman

Die Delegiertenwahl im JZN war übrigens die erste Präsenzveranstaltung der Hertener SPD seit langem und lief nach strengen Hygienevorgaben ab. So musste jeder Teilnehmer entweder geimpft bzw. von Corona gesundet sein oder einen aktuellen negativen Schnelltest vorweisen.

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