Corona

Bürger finden sich offensichtlich mit dem Mangel an Impfstoff ab

Trotz Aufhebung der Impfpriorisierung blieb es am Montag an den Hotlines von Kreisverwaltung Recklinghausen und Kassenärztlicher Vereinigung relativ ruhig.
Der Impfstoff reicht aktuell überwiegend nur für die Zweitimpfungen. © picture alliance/dpa

Die Botschaft, dass es im Moment wenig erfolgversprechend ist, sich um einen Impftermin zu bemühen, ist bei vielen Menschen offensichtlich angekommen. Am Montag sind zwar die Vorrangregelungen für Corona-Schutzimpfungen gefallen. Doch an den Hotlines der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und der Kreisverwaltung Recklinghausen herrschte trotzdem weitgehend Normalbetrieb, wie beide Behörden bestätigten.

„Wir haben nicht mehr Anfragen als an anderen Tagen“, erklärte Kreis-Sprecherin Lena Heimers. Und KV-Vertreterin Vanessa Pudlo berichtete, dass es an der Termin-Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung „relativ gesittet“ zuging. Gleichwohl seien die Anrufer enttäuscht gewesen, als sie erfuhren, dass aktuell keine Termine für Erstimpfungen vergeben werden könnten.

Impfstoff ist aktuell Mangelware

Grundsätzlich können sich seit Montag alle Menschen ab zwölf Jahren um einen Termin im Impfzentrum, bei Haus- oder Betriebsärzten bemühen. In der geänderten Impfverordnung des Bundes gibt es keine feste Reihenfolge mehr nach „höchster“, „hoher“ und „erhöhter“ Priorität. Allerdings ist der Impfstoff noch Mangelware. In den Impfzentren sind deswegen laut NRW-Gesundheitsministerium mindestens bis Mitte Juni nur Zweitimpfungen möglich. Der Kreis RE hält das für eine zu optimistische Prognose. Das Impfzentrum Recklinghausen rechnet eher damit, dass der komplette Juni für Erstimpfungen ausfällt, meinte Lena Heimers.

In vielen Arztpraxen ist die Stimmung gereizt

Viele Impfwillige versuchen ihr Glück beim Hausarzt. In vielen Arztpraxen ist die Stimmung gereizt. Es gebe etliche Praxen, in denen noch längst nicht sämtliche alten und kranken Patienten geimpft worden seien, so KV-Sprecherin Vanessa Pudlo. Für alle anderen würden die Wartezeiten dadurch noch länger. Die Kassenärztliche Vereinigung warnt vor unrealistischen Erwartungen: „Die Aufhebung der Priorisierung führt nicht zu sofortiger Impfung“.

Der Vorstand kritisierte in einer Mitteilung: „Aus unserer Sicht ist es fahrlässig, den Menschen zu suggerieren, jeder könne sich nun impfen lassen, ohne zu erwähnen, dass der Impfstoff weiterhin stark rationiert wird.“ Die so geweckten Erwartungen könnten weder die Impfzentren noch die niedergelassenen Ärzte erfüllen.

Die Ärzte seien in den vergangenen Wochen einem hohen Druck seitens der Impfwilligen ausgesetzt gewesen. „Teilweise wurden die Grenzen des solidarischen und respektvollen Miteinanders nicht nur erreicht, sondern deutlich überschritten“, erklärte der Vorstand. Diese Situation könne nur dadurch beendet werden, dass die Politik endlich für ausreichend Impfstoff sorge.

Der Kreis Recklinghausen würde Kapazitäten gerne wieder hochfahren

Die Kreisverwaltung Recklinghausen weist ebenfalls jegliche Verantwortung an dem Impftermin-Dilemma zurück. „Wir wären gerne bereit, unser Impfzentrum wieder voll auszulasten und mobile Impfungen zu organisieren“, betonte Patrick Hundt, der Leiter des Recklinghäuser Impfzentrums. Grundlage dafür sei aber die Lieferung von ausreichend Impfstoff durch das Land.

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