Ausbildung

Das Handwerk im Vest wirbt um beruflichen Nachwuchs

Die Kampagne „Ausbildung 2021“ hat das Ziel, Betriebe und Jugendliche zusammenzuführen. Die Vielfalt von 130 Berufen ist jungen Menschen meistens nicht bewusst. Viele Ausbildungsstellen sind noch frei.
Der Beruf des Elektronikers ist hoch spannend und hat Zukunftsperspektive. © picture alliance/dpa

Im Kreis Recklinghausen könnten auf der Stelle 57 freie Ausbildungsplätze für Elektroniker in der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik vergeben werden. 36 freie Lehrstellen hat die Arbeitsagentur für angehende Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik (SHK) im Bestand. Zwei Beispiele für hoch spannende Berufe mit besten Zukunftsperspektiven. Doch das Handwerk hat die Sorge, dass ein Teil dieser, aber auch weitere Ausbildungsplätze in anderen Handwerksberufen in diesem Jahr unbesetzt bleiben.

Soziale Medien, Plakate an Schulen und Werbespots

Die Kampagne „Ausbildung 2021“ soll dazu beitragen, dass diese Befürchtungen nicht Wirklichkeit werden. Alle sechs Kreishandwerkerschaften im Regierungsbezirk Münster beteiligen sich daran, ebenso der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Das Ziel ist es, Betriebe und Jugendliche erfolgreich zusammenzubringen.

Dass das Handwerk vielfältige Möglichkeiten bietet, soll Jugendlichen im Rahmen der Kampagne über soziale Medien, Postkarten und Plakate an Schulen sowie Werbespots in Kinos und Rundfunk nahe gebracht werden. Auch die Eltern als wichtige Ratgeber ihrer Kinder bei der Berufswahl werden adressiert. Ohne Nachwuchs und gut ausgebildete Fachkräfte stehe die Zukunft der Betriebe auf dem Spiel, betonte Ludger Blickmann, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft (KH) Recklinghausen, zum Start der Kampagne.

Zehn Prozent weniger Lehrverträge als im Juni 2019

Die Corona-Pandemie mit ihren Kontaktbeschränkungen hat den Ausbildungsmarkt empfindlich getroffen. Berufsorientierungsmessen wurden abgesagt, Betriebspraktika gestrichen und die Berufsberaterinnen und Berufsberater der Agentur für Arbeit sowie die „Ausbildungsbotschafter“, junge Handwerker aus den Betrieben, durften nicht in die Schulen. Das Ergebnis: In der Emscher-Lippe-Region (Kreis RE, Gelsenkirchen, Bottrop) liegt die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge im Handwerk derzeit um zehn Prozent unter dem Wert von Juni 2019, dem Jahr vor Corona; und das, obwohl das Handwerk in den zurückliegenden Monaten bereits einiges an Boden gutgemacht hat.

Probleme bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze haben nach Angaben der KH insbesondere das Lebensmittelhandwerk, aber auch Zimmerer, Informationstechniker oder Raumausstatter warten auf geeignete Bewerber. Ein Ziel der Kampagne ist es, mehr junge Frauen für die technischen Berufe zu begeistern. „Gute Handwerkerinnen und Handwerker werden nicht arbeitslos“, betonte Kreishandwerksmeister Heinrich Kinzler.

Kampagne will auch auf Alternativen aufmerksam machen

Insgesamt bietet das Handwerk mehr als 130 Ausbildungsberufe. Viele von ihnen seien jungen Menschen gar nicht bekannt, sagte Egbert Streich, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Emscher-Lippe-West (Gelsenkirchen, Bottrop, Gladbeck). Auch auf diese Alternativen wolle die Kampagne „Ausbildung 2021“ aufmerksam machen.

Dass Schulabgänger grundsätzlich desinteressiert sind an Handwerksberufen, lässt sich allerdings nicht behaupten. Bei der Arbeitsagentur Recklinghausen stehen aktuell zum Beispiel 134 junge Leute auf der Liste, die Kfz-Mechatroniker werden wollen, 59 streben eine Ausbildung zum Friseur an und auch potenzielle Maler und Lackierer (43), Interessenten für das SHK-Handwerk (40) oder den Elektroniker-Beruf (37) stehen noch in beachtlicher Zahl in den Startlöchern. Betrieb und Bewerber müssen manchmal einfach nur noch zusammenfinden.

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