Ruhrfestspiele:

Die Stimme Kurdistans

Aynur Doğan ist eine der großen kurdischen Stimmen. Musikalisch wie politisch. Jetzt war sie auf Einladung der Ruhrfestspiele zu Gast im gut besetzten Stadion Hohenhorst. Es war gut. Es war sehr gut.
Aynur Dogan. © Muhsin Akgun

Sie ist eine der großen kurdischen Sängerinnen. Aber Aynur Doğan, die jetzt bei den Ruhrfestspielen im Stadion Hohenhorst gastierte, präsentiert nicht einfach einfache kurdische Volksmusik. Weit gefehlt. Es ist eine Neuinterpretation kurdischer Volksmusik – fernab vom 4/4-Takt-Mainstream. Mit einem exquisiten und gerade pianistisch wie perkussiv fantastisch besetztem Musiker-Ensemble öffnet sie Kurdistans Tor zur Welt – im Jazzgewand.

Koppelung von Folk und Jazz

Wie wahrscheinlich derzeit keine andere Stimme dieser Region begeistert die charismatische Sängerin mit ihrer Koppelung von Folk und modernen Klangperspektiven – und zeigt die Öffnung Kurdistans zur Welt – wobei das besondere ihre Klagelieder sind, die auch hier vom Publikum hingerissen aufgenommen – und mitgesummt oder mitgesungen werden.

Eine Stimme, die wahrgenommen wird

Längst hat sie das Publikum von USA bis Singapur erobert, tritt auf dem wichtigsten Weltmusikfestival WOMAD auf, repräsentiert das Gastland Türkei auf der Frankfurter Buchmesse und singt für die Kulturhauptstadt Istanbul.

Aynur hat inzwischen verängstigt die Türkei verlassen, nachdem Nationalisten sie beim Istanbuler Jazzfestival mit Sitzkissen beworfen und sie angeschrien hatten, sie solle doch gefälligst türkisch singen. Sie lebt jetzt in Amsterdam. Aber sie hat eine Stimme, die wahrgenommen wird. Gut so!

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