Landgericht Essen

Mitbewohner gequält und ausgenutzt? Ehepaar aus Gladbeck bestreitet

Ein Ehepaar aus Gladbeck soll zwei minderbegabe Mitbewohner monatelang misshandelt und finanziell ausgebeutet haben. Die Angeklagten sagen: Das stimmt nicht.
Prozessauftakt am Essener Landgericht: Die Angeklagten neben ihren Verteidigern Andreas Wieser und Stephanie Linten. © Jörn Hartwich

Die Anklage hat es in sich. Im Sommer 2019 wurden die Behörden auf zwei minderbegabte Personen aufmerksam, die angeblich nicht nur ausgehungert, sondern auch finanziell völlig ausgeplündert waren. Seit Montag steht ein Ehepaar aus Gladbeck in Essen vor Gericht. Die Anklage lautet unter anderem auf Misshandlung von Schutzbefohlenen.

Vier Personen auf 48 Quadratmeter

Die Angeklagten hatten die beiden Personen 2017 bei sich aufgenommen. Ihre Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung hatte zwar nur 48 Quadratmeter, doch das soll nach ihren eigenen Angaben kein Problem gewesen sein. „Die beiden haben im Wohnzimmer auf der Couch geschlafen“, so der 32-Jährige. Das hätten sie auch so gewollt. „Alles war immer freiwillig.“

Genau das sieht die Staatsanwaltschaft allerdings anders. Sie geht davon aus, dass die beiden hilfsbedürftigen Personen die Wohnung nicht verlassen durften und kaum etwas zu essen bekommen haben. Im Prozess war von zwei Scheiben Brot die Rede – eine morgens, eine abends.

Außerdem hätten sich die Angeklagten eine Generalvollmacht geben lassen, um eine Lebensversicherung ihrer Mitbewohner zu kündigen und auf öffentliche Leistungen zugreifen zu können.

Von Ausbeutung kann aus Sicht der Angeklagten jedoch keine Rede sein. „Ich habe das alles nur gemacht, um zu helfen“, sagte der 32-Jährige den Richtern am Essener Landgericht. Der Prozess wird fortgesetzt.

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