Kultur-Empfehlungen zum Wochenende

Pfingsten bei den Ruhrfestspielen: Hits und Tipps

Am Vormittag zum Hafenfest in Recklinghausen oder zum Hertener Kunstmarkt? Ja! Pfingst-Mittag oder -Abend aber sollte man sich für die Ruhrfestspiele vorbehalten. Das Angebot ist spektakulär.
„Dada Masilo’s The Sacrifice“. © John Hogg

Für Kultur- & Kunst-Fans ist dieses Wochenende ein Hit. Recklinghäuser Hafenfest, Hertener Kunstmarkt, Ruhrfestspiele…: Die Abende allerdings sollte man sich für letzteres frei halten. Denn das Angebot der Ruhrfestspiele ist wirklich spektakulär. Wir haben den Überblick. Und das auch abseits von Guru Dudus „Silent Disco Walking Tour“, die am Samstag ab 20 Uhr ab der Kult-Kneipe Drübbelken startet, dem „Krabbelkonzert Natur“ (Sonntag, 10 Uhr) im Stadtgarten oder dem Auftritt von Arnd Zeigler am Montag (15.30 Uhr) im Marler Theater. Unsere Tipps:

Dada Masilo’s The Sacrifice (Das Opfer): Die Uraufführung von Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ 1913 in Paris, mit einer Choreografie von Vaslav Nijinsky, gehört zu den größten Theaterskandalen. Zahlreiche Choreografen wagten sich seither an diesen Stoff. Während ihres Studiums in Brüssel machte sich Dada Masilo vertraut mit Pina Bauschs legendärer „Sacre“-Choreografie. 2021 hat sie ihre eigene Neuschreibung des Frühlingsopfers zur Uraufführung gebracht.

Dada Masilo wuchs in Soweto, einem Township von Johannesburg in Südafrika auf. International bekannt geworden ist sie mit ihren innovativen Tanz-Neuschreibungen von Klassikern des europäischen Balletts. Ob „Schwanensee“ oder „Giselle“, Masilos dynamische Interpretationen öffnen die Ballettklassiker für aktuelle politische Themen: Sie hinterfragen Geschlechterrollen und die Repräsentation von Homosexualität.

Für „The Sacrifice“ haben Masilo und ihr Ensemble die Tänze und Rituale Botswanas erforscht. Dieses einzigartige, sehr rhythmische und expressive Bewegungsvokabular verweben sie mit zeitgenössischem Tanz.

Samstag, 4. Juni, 20 bis 21.15 Uhr, Sonntag, 5. Juni, 15 bis 16.15 Uhr, Montag, 6. Juni, 20 bis 21.15 Uhr, Ruhrfestspielhaus Kleines Haus.

Die Deutschland-Premiere von „Tao of Glass“ von Philip Glass und Phelim McDermott, einer Bühnenmeditation über die Kraft und den Einfluss der Musik von Glass, findet am Samstag, dem 4. Juni, zwischen 18 und 20 Uhr, bei den Ruhrfestspielen statt. © Tristram Kenton

Tao of Glass von Philip Glass und Phelim McDermott (Deutschlandpremiere): Was ist die Essenz von Kreativität? Woher kommt eine Idee? Was sagen unsere Träume über unsere Persönlichkeit? Und was bleibt schließlich von unseren Träumen, was bleibt von uns? „Tao of Glass“ ist ein in Teilen autobiografisches Stück des großen Schauspielers, Puppenspielers und Regisseurs Phelim McDermott und des New Yorker Komponisten Philip Glass. Seit Jahrzehnten beschäftigt sich McDermott mit den Werken des Erfinders der Minimal Music, dessen Musik eine stete Quelle der Inspiration war. Philip Glass ist zweifelsohne einer der bedeutendsten und einflussreichsten Musiker und Komponisten der Gegenwart, der, ausgehend von den USA, die musikalische Avantgarde der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst hat. Phelim McDermott hat mehrere seiner Opern in hochgelobten Inszenierungen auf die Bühne gebracht, zuletzt für die English National Opera in London und die Metropolitan Opera in New York. Für „Tao of Glass“, einer ganz persönlichen Bühnenmeditation über die Kraft und den Einfluss der Musik von Glass, hat der heute 85-Jährige zehn neue Stücke komponiert, die nach der Coronapause jetzt zur Deutschen Erstaufführung kommen werden.

Samstag, 4. Juni, 18 bis 20 Uhr, Sonntag 5. Juni, 18 bis 20.30 Uhr, Ruhrfestspielhaus Großes Haus.

Friederike Becht präsentiert „Der Ausflug der toten Mädchen“ von Anna Seghers. © Oliver Look

Friederike Becht „Der Ausflug der toten Mädchen“ von Anna Seghers als Lesung: Es ist die vielleicht berühmteste Erzählung von Anna Seghers, eine tragische Geschichte über Freundschaft, Verrat und Liebe, geschrieben 1943/44 in Mexiko im Exil: Wie in einem glücklichen Traum erinnert sich die im Exil lebende „Netty“ an einen Schulausflug aus dem Jahr 1912, und mit ihm an ihre Freundinnen Leni, Marianne und Nora.

Deren weitere Schicksale zwischen Krieg und Nationalsozialismus werfen ihre dunklen Schatten auf die heitere Sommerszenerie. Vergangenheit und Gegenwart, Heimat und Exil verbinden sich in der Erzählung zu einem künstlerischen Aufbegehren gegen Gleichgültigkeit und Grausamkeit. Zu einem Hohelied auf Mitmenschlichkeit und Solidarität. Es liest die u. a. mit dem Ulrich-Wildgruber- Preis ausgezeichnete Schauspielerin Friederike Becht, lange Ensemblemitglied am Schauspielhaus Bochum und einem breiteren Publikum bekannt u. a. durch ihre Hauptrollen in der ARD-Filmbiografie über Käthe Kruse und in der Serie „Schneller als die Angst“.

Sonntag, 5. Juni, 11 bis 12.30 Uhr. Ruhrfestspielhaus Großes Haus

Ring frei für den Kampf Mensch gegen Objekt: „Absurd Hero“. © Frantisek Ortmann

Absurd Hero: Ring frei für den Kampf Mensch gegen Objekt: Ein moderner Sisyphos müht sich an einer großen, roten Kugel ab, doch diese bleibt unbeeindruckt. „Absurd Hero“ heißt das Solo von und mit Roman Škadra, bei dem Elemente des zeitgenössischen Zirkus mit absurdem Theater verbunden werden.

Der Jongleur stellt die eigentliche Zirkusdisziplin des Kugellaufs absolut auf den Kopf. Er nutzt Akrobatik und Objektmanipulation, Wrestling und Gewichtheben, um sich am Objekt abzuarbeiten. Unterteilt in Szenarien, die nur im Scheitern gelingen können, erinnert das in seiner Absurdität oft an Buster Keaton. Doch neben komischen Momenten zeugt der Abend von einer Menschlichkeit, die jeden berührt.

Sonntag, 5. Juni, 15 & 20 Uhr, Montag, 6. Juni, 18 Uhr, Festspielzelt. www.ruhrfestspiele.de

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