Verkehr

Polizei im Kreis Recklinghausen will E-Scooter „gut im Auge behalten“

Unfälle mit elektrischen Rollern sind längst keine Seltenheit mehr. Und dass E-Scooter Fußwege blockieren und in Grünanlagen landen, sorgt für Verdruss.
Mit dem E-Scooter unterwegs zu sein, ist nicht immer ohne Risiko. © picture alliance/dpa

In den Berichten der Kreispolizeibehörde Recklinghausen tauchen inzwischen regelmäßig Unfälle mit elektrischen Rollern, den sogenannten E-Scootern auf. Zwar werden diese Vorfälle statistisch separat noch nicht erfasst, sodass die Polizei auch keine Gesamtzahl für das laufende Jahr nennen kann, aber offensichtlich sind immer mehr dieser wendigen Elektromobile auf den Straßen im Kreis Recklinghausen unterwegs. Und nicht selten sorgen sie auch für Verdruss.

Alkoholisierte E-Scooter-Fahrer bauten Unfälle

Allein in den letzten Tagen hat es im Vest mehrere Unfälle mit E-Scootern gegeben. In Castrop-Rauxel kam ein 34-jähriger Mann offensichtlich ohne Fremdeinwirkung zu Fall und verletzte sich dabei schwer. Er war nach Polizeiangaben ebenso alkoholisiert wie ein 40-Jähriger, der – ebenfalls in Castrop-Rauxel – mit einem geparkten Auto kollidierte. In Oer-Erkenschwick wurde ein 19-jähriger Scooter-Fahrer an einem Zebrastreifen von einem Pkw angefahren. „Bisher endeten diese Unfälle meistens mit leichten Verletzungen oder einem Sachschaden“, sagt Corinna Kutschke, Sprecherin des Polizeipräsidiums. Aber die Behörde ist der Auffassung, dass Polizei und Kommunen im Sinne der Verkehrssicherheit diese elektrischen Kleinstfahrzeuge „gut im Auge behalten“ sollten.

13-Jähriger auf dem E-Scooter: Bußgeld für den Halter

In Haltern ist kürzlich ein 13-jähriger Junge auf einem E-Scooter mit einem Pkw zusammengestoßen und verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Dieser Fall erregte besonders die Aufmerksamkeit der Polizei, weil das Mindestalter für das Benutzen eines elektrischen Rollers 14 Jahre beträgt. Gegen den Halter des E-Scooters, der das Kind hat fahren lassen, sei deshalb ein Bußgeld in Höhe von 135 Euro verhängt worden, berichtet Corinna Kutschke.

In zwei Städten des Kreises Recklinghausen gibt es kommerzielle Verleiher von E-Scootern. In Recklinghausen haben sie seit September 2020 rund 650 dieser Fahrzeuge auf die Straße gebracht, in Castrop-Rauxel sind es seit April dieses Jahres bislang zwischen 150 und 200. Mittels einer Handy-App können Benutzer am E-Scooter einen Barcode einscannen und sich mit dem E-Roller dann kostenpflichtig auf den Weg machen.

„Eine sinnvolle Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr“

Die Stadtverwaltung Recklinghausen sieht in den Rollern „eine sinnvolle Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr sowie dem Rad- und Fußverkehr“, wie Christina Nowak von der Pressesetelle der Stadt betont. Auch die Castrop-Rauxeler Pressesprecherin Maresa Hilleringmann ist davon überzeugt, dass E-Scooter „an sich eine gute Nahmobilitätsidee“ seien. Das Problem an der Sache sei jedoch der achtlose Umgang von manchen Nutzern.

Konkret heißt das: Roller blockieren Fußwege, liegen auf der Straße oder in Grünanlagen. Manche Fahrer heizen – mitunter sogar zu zweit auf einem Gefährt – durch die Innenstadt und gefährden Passanten.

In den Rathäusern landen regelmäßig Beschwerden

Noch hält sich das Ausmaß des Fehlverhaltens aus der Sicht der Städte in Grenzen. Aber sowohl im Recklinghäuser als auch im Castrop-Rauxeler Rathaus landen regelmäßig Beschwerden. Beide Stadtverwaltungen erklären, sie seien im ständigen Austausch mit den Verleihunternehmen. In Recklinghausen ist im zweiten Halbjahr ein „Evaluierungsgespräch“ mit den Anbietern geplant, bei der die komplette Situation erneut von beiden Seiten bewertet werde, kündigt Christina Nowak an. „Wir geben dem Ganzen erst mal eine Chance“, sagt Maresa Hilleringmann von der Stadt Castrop-Rauxel.

Seit zwei Jahren E-Scooter in Deutschland

WH-Professor warnte schon früh vor den Risiken

  • Vor zwei Jahren (im Juni 2019) wurden die ersten E-Scooter auf deutschen Straßen zugelassen. Sie sind versicherungspflichtig. Eine Zahl, wie viele Roller im Kreis Recklinghausen unterwegs sind, gibt es nicht.
  • E-Scooter erreichen eine Höchstgeschwindigkeit bis maximal 20 km/h. Sie müssen über zwei Bremsen, Fahr- und Rücklicht sowie über eine Klingel oder Hupe verfügen.
  • Die Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt sein. Verboten ist es, den Roller zu zweit zu benutzen. Für den Alkoholgenuss gelten die gleichen Regeln wie beim Autofahren.
  • Ein Professor der Westfälischen Hochschule (WH) in Recklinghausen hat schon bei der Zulassung der E-Scooter vor zwei Jahren eindringlich vor den Gefahren gewarnt. Prof. Guido Mihatsch hatte bei Tests festgestellt, dass die E-Roller einen viermal so langen Bremsweg haben wie Pedelecs. Ihre unzureichende Beleuchtung sei im Straßenverkehr ebenso ein Risiko wie die kleinen Räder, die im Zusammenhang mit Schlaglöchern zur Sturzgefahr beitrügen.