Richter sprechen Friseur frei „Die Entscheidung ist uns schwergefallen“

Gerichtsreporter
Hatte von Anfang an seine Unschuld beteuert: Der Angeklagte zwischen seinen Verteidigern Christiane Theile und Nils Holtkamp im Essener Landgericht.
Hatte von Anfang an seine Unschuld beteuert: Der Angeklagte zwischen seinen Verteidigern Christiane Theile und Nils Holtkamp im Essener Landgericht. © Jörn Hartwich
Lesezeit

Mit einer Überraschung ist in Essen der Vergewaltigungs-Prozess gegen einen Friseur aus Gladbeck zu Ende gegangen. Der Angeklagte ist am Donnerstag vom Landgericht freigesprochen worden. Der 25-Jährige hatte die Vorwürfe von Anfang an bestritten.

Kaum war das Urteil gesprochen, bedankte er sich auch schon höflich bei den Richtern. Die Verteidiger knufften ihm freundschaftlich auf den Oberarm. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor dreieinhalb Jahre Gefängnis beantragt.

Sofort Anzeige erstattet

Gleich zwei Frauen hatten den Gladbecker angezeigt. Und zwar unmittelbar nach den mutmaßlichen Übergriffen. Aus Sicht der Richter gab es jedoch zu viele Abweichungen in ihren späteren Schilderungen. „Wir können nicht feststellen, was genau passiert ist“, hieß es in der Urteilbegründung. Von einer bewussten Falschbelastung gehen aber auch sie nicht aus. Dafür gebe es kein Motiv. Beide Frauen hätten den Angeklagten zuvor praktisch nicht gekannt.

Eine der Frauen hatte vor Gericht erzählt, dass der 25-Jährige sie nach einem Disko-Abend auf der Toilette eines Imbisses sexuell bedrängt hat. Die andere war eine Nachbarin, die der Angeklagte zu einem Shisha-Abend eingeladen hatte. Dabei soll es dann zu einer Vergewaltigung gekommen sein. Sie hatte sich noch in derselben Nacht von einer Freundin ins Krankenhaus fahren lassen.