Ruhrfestspiele

Sistanagila: Iran trifft Israel

Eine Formation, die aus Israelis und Iranern (!) besteht, begeistert im Zelt der Ruhrfestspiele mit einer wundervollen Botschaft, einem wundervollen Musik-Mix und wundervollen Musikern.
Iran trifft Israel: "Sistanagila". © Nikolaj Lund

Die Botschaft: sehr bemerkenswert („Es gibt Alternativen zu Krieg“). Der ungewöhnliche Musik-Mix: einzigartig. Die Musiker: ausgezeichnet. Sistanagila haben im Theaterzelt der Ruhrfestspiele etwas geboten, was man so wahrscheinlich noch nie – oder nur sehr, sehr selten – gehört hat. Und das war wirklich gut. Richtig gut.

Mix aus dem iranischen Sistan und dem hebräischen Lied Hava Nagila

Der Bandname ergibt sich aus der iranischen Provinz Sistan und dem hebräischen Volkslied Hava Nagila, dessen Titel so viel wie „kommt zusammen“ bedeutet. Um religiöse ebenso wie moderne Elemente kultureller Identität zum Ausdruck zu bringen, bedienen sich die – man höre und staune – israelischen und iranischen Musiker aus Berlin, Todfeinde eigentlich, folkloristischer und religiöser Melodien aus Klezmer, sephardischer, ashkenasischer, traditionell persischer sowie klassischer und zeitgenössischer Musik – und paaren das Ganze mit einem Hauch Flamenco und jeder Menge exquistem Jazz.

Zwischen israelischer und iranischer Musik

Ganz nach der Überzeugung: Unterschiede müssen nicht entzweien und sie können nicht nur musikalisch bereichern. Aber letzteres können sie auf jeden Fall. Und das tuen sie hier auch. Das erste Konzert von Sistanagila seit September/Oktober begeistert im Festspielzelt der Ruhrfestspiele von Anfang an. Die Klänge: unglaublich abwechslungsreich zwischen israelischer und iranischer Musik – dazu mit einem nicht nur kleinen Hauch von Flamenco, an der Gitarre perfekt umgesetzt, und satten Jazz-Improvisationen. Das ist echte Weltmusik!

Solostück für die Tombak ist pure Magie

Selbst das persische Solostück (!) für die Tombak, die persische Handtrommel erweist sich als Magie. Dass Hawad Salkhorde nur zwei Hände benutzt, scheint in punkto Klangfülle und Rhythmus-Reichtum unglaublich. Der Iraner Hemad Darabi an der Gitarre ist zudem in seinen Soli von der ersten Sekunde an sehr gut – und definitiv echter Flamenco-Spezialist. Avi Albers Ben Chamo am Kontrabass spielt ausgezeichnet – und Omri Abramov ist am Sopran-Sax eine Offenbarung. Gehalten – und moderiert – wird das Ganze charmant, sehr informativ und in punkto Keyboard und Gesang exquisit von Yuval Halpern. Bravo!

PS: Natürlich gibt es – schon wegen des Namens Sistanagila – als letzte Zugabe das berühmte Hava Nagila – frisch interpretiert!

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