Beratung

Der Medikamentencheck in der Apotheke: So läuft er ab

Ältere Menschen nehmen oft viele verschiedene Medikamente. Wie gut die sich vertragen, kann eine Analyse in der Apotheke klären. Sie wird nun von den Kassen gezahlt.
Wer regelmäßig mehrere Medikamente einnehmen muss, kann sich in der Apotheke dazu beraten lassen, ob Wechsel- oder Nebenwirkungen bestehen. © Adobe Stock

Morgens zwei Tabletten, abends drei: Wer eine ganze Handvoll unterschiedliche Medikamente am Tag nimmt, fragt sich womöglich: Vertragen sich all diese Präparate überhaupt?

Viele verschiedene Medikamente im Alter

Vor allem ältere Menschen sind von der sogenannten Polymedikation betroffen. Ein Viertel der Patientinnen und Patienten über 70 Jahre nimmt fünf oder mehr Medikamente. Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA).

Es gibt aber ein Angebot, das den Inhalt der Pillendose auf den Prüfstand stellt – eine Medikationsanalyse in der Apotheke. Die gute Nachricht: Seit Mitte Juni tragen die Krankenversicherungen die Kosten dafür. Und zwar einmal pro Jahr für alle, die dauerhaft mindestens fünf ärztlich verordnete Medikamente einnehmen.

Warum ist eine Medikationsanalyse sinnvoll?

„Bei der Medikation sind häufig mehrere Ärztinnen und Ärzte beteiligt“, beobachtet Alexander Schmitz aus Dannenberg, der insgesamt fünf Apotheken betreibt. Die Hausärztin verschreibt ein Medikament, der Kardiologe zwei weitere. Und zwar ohne, dass jemand die Medikation in ihrer Gesamtheit im Blick hat.

Hier kommt die Medikationsanalyse ins Spiel. Dabei gibt ein Apotheker oder eine Apothekerin eine fachliche Einschätzung, ob die Medikamente in ihrer Gesamtheit optimal eingestellt sind. So lassen sich im besten Fall unerwünschte, womöglich sogar gefährliche, Wechselwirkungen vermeiden oder Nebenwirkungen abmildern.

Bietet meine Apotheke den Medikamentencheck an?

Fix zur Apotheke um die Ecke und die Pillendose auf den Tresen legen? Ganz so einfach ist es nicht. „Im ersten Schritt muss man sich vergewissern, dass die eigene Apotheke überhaupt eine Medikationsanalyse anbietet“, sagt Schmitz. Im Zweifel hilft da nur: Bei der Apotheke um die Ecke nachfragen oder auf der Webseite nachschauen.

Wie weit das Angebot verbreitet ist, dazu liegen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände keine Zahlen vor. Aber: „Die Zahl der Apotheken, die eine Medikationsanalyse anbieten, dürfte mittelfristig weiter ansteigen“, so die Prognose von ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening.

Ein bisschen dürfte das aber noch dauern. Die Apothekerinnen und Apotheker müssen für dieses Angebot eine entsprechende Schulung hinter sich haben. Denn eine Medikationsanalyse geht weit über die Beratung hinaus, die man vom Einlösen eines Rezeptes kennt, so Overwiening.

Wie läuft eine Medikationsanalyse ab?

Das Vorgehen ist einem Arztbesuch gar nicht so unähnlich. „Man macht erst einmal einen Termin aus“, sagt Apotheker Schmitz. Dazu gehört auch, mit der Apotheke einen Vertrag aufzusetzen. Damit die Krankenversicherung weiß, dass man die Medikationsanalyse dort in Anspruch nimmt.

Zum Termin selbst bringt man eine Tüte mit, die durchaus prall gefüllt sein kann. Laut Apotheker Schmitz füllt man sie nicht nur mit allen ärztlich verordneten Medikamenten. Auch Nahrungsergänzungsmittel, Selbstmedikation, Arztbriefe, Entlassbriefe aus dem Krankenhaus, Medikationspläne oder Laborwerte sollte man mitbringen.

Einzig Medikamente, die im Kühlschrank gelagert werden müssen, sollten zu Hause bleiben. Hier notieren Patientinnen und Patienten am besten den genauen Namen und die Wirkstärke, so der Rat der ABDA.

In der Apotheke wird der Inhalt der Tüte dann dokumentiert, ebenso Beschwerden, Schmerzen, Ernährungsgewohnheiten. All diese Informationen helfen, ein vollständiges Bild zu bekommen.

Wechsel- und Nebenwirkungen im Check

„Im zweiten Schritt prüft der Apotheker oder die Apothekerin die Medikation auf möglicherweise auftretende Arzneimittel-bezogene Probleme“, erklärt Overwiening.

Das sind unter anderem Wechsel- oder Nebenwirkungen oder auch Doppelverordnungen von verschiedenen Ärzten. So entstehen Empfehlungen, wie der Medikationsplan angepasst werden kann.

Medikationsplan aktualisieren und anpassen

Um die Ergebnisse der Analyse zu besprechen, gibt es in aller Regel einen zweiten Termin. „Wenn der Patient einwilligt, wird auch der Arzt informiert“, so Overwiening. „Der Patient erhält einen aktualisierten und vollständigen Medikationsplan.“

Der kann verschiedene Änderungen enthalten. „Eine häufige Folge ist, dass bestimmte Medikamente abgesetzt werden“, sagt Schmitz. „Oft sind das Relikte, die in den Medikationsplänen von Patienten bleiben, nachdem sie im Krankenhaus waren.“

Manchmal folgen aber auch kleinere Anpassungen aus der Analyse. Zum Beispiel, dass man eine Tablette künftig zu einer anderen Uhrzeit schluckt. „Cholesterinsenker etwa können für Schmerzen in den Beinen sorgen, wenn sie zum falschen Zeitpunkt eingenommen werden“, sagt Schmitz.

dpa

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