„Die Vielfalt sexueller Lebensformen schätzen“

Redakteur
Das Zentralbüro der Pfarrgemeinde St. Fraziskus an der Herz Jesu Kirche in Marl-Hüls. © Patrick Köllner
Lesezeit

Für Claus Althoff und andere Christen in Marl war es wichtig, ein Zeichen zu setzen: Kirche muss für die Menschen da sein und nicht umgekehrt. Das Segnungsverbot des Vatikans für gleichgeschlechtliche Paare nehmen viele Gemeinden nicht hin. Einige lassen Regenbogenfahnen vom Portal leuchten oder vom Turm wehen. Der Pfarrgemeinderat Heilige Edith Stein, dessen Vorsitzender Claus Althoff seit vier Jahren ist, gibt eine Erklärung ab.

Kraft der Sexualität als Geschenk Gottes

„Die menschliche Sexualität in ihrer großen Kraft ist ein Geschenk Gottes“, heißt es da. Und weiter: Auch Menschen, die in einer heterosexuellen Beziehung keinen Platz finden, seien „Menschen, die Liebesbeziehungen wünschen und eingehen.“ Vom römischen Lehramt über die Bistümer bis zu den Seelsorgenden und Ehrenamtlichen der Gemeinden sollten alle die Vielfalt sexueller und partnerschaftlicher Lebensformen wertschätzen. Das sei der Lebenswirklichkeit angemessen, so der Pfarrgemeinderat.

Kirche der offenen Arme

Eine vielfältige, einladende Kirche in Marl solle Menschen annehmen, die zur Gemeinde gehören oder Kontakt suchen. Einem Paar, das um den Segen Gottes für seine Liebe bittet, solle dieser Wunsch erfüllt werden. Der Pfarrgemeinderat spricht sich für eine Kirche der offenen Arme und Herzen aus. Sie sei da für Alleinstehende, Paare, Junge und Alte, Glückliche und Unglückliche.

Nicht in die Wüste schicken

„Wenn jemand ehrlich auf uns zukommt und seinen Segen erbittet, können wir ihn nicht in die Wüste schicken“, betont Claus Althoff, der sich seit 30 Jahren am Kirchturm St. Josef engagiert. Dabei denkt er auch an Geschiedene und wieder Verheiratete. Er sei mit zwei Gemeindemitgliedern im Gespräch, die an den Austritt denken und froh über die Chance, ihnen Denkanstöße mitzugeben: „Die meisten, die austreten, wollen gar nicht mehr mit uns sprechen.“

Wunsch nach Normalität

Im Pfarreirat von Heilige Edith Stein engagieren sich neben Pfarrer Heiner Innig, den Seelsorgern und dem Pastoralreferenten zwölf gewählte Vertreterinnen und Vertreter. Der Pfarreirat von St. Franziskus gab bisher keine Erklärung ab. Ulrich Müller, Pfarrer von St. Franziskus sagt: „Für uns ist es selbstverständlich, homosexuelle Paare und Geschiedene zu segnen. Da waren wir vier hauptamtlichen Seelsorger uns sofort einig. Wir wollen Normalität – und Menschen segnen, die aus Liebe füreinander Verantwortung übernehmen.“