Landgericht Essen

„Ich habe nichts getan“ – Vater aus Marl bestreitet Kindesmissbrauch

Eine Neunjährige erzählt ihrer Mutter von sexuellen Übergriffen. Jetzt steht der Stiefvater des Mädchens vor Gericht – und bestreitet.
Der Angeklagte zum Prozessauftakt im Essener Landgericht neben seinem Verteidiger Tim F. Schubert. © Jörn Hartwich

Der Angeklagte nannte es angeblich ein „Kind-und-Vater-Spiel“. Immer wieder soll sich ein 26-Jähriger aus Marl-Drewer an seiner Stieftochter vergangen haben. Seit Freitag steht er in Essen vor Gericht – und bestreitet die Vorwürfe.

Der Angeklagte hat selbst drei Kinder. Das älteste Mädchen hatte seine Noch-Ehefrau mit in die Beziehung gebracht. Es war gerade mal neun, als er laut Anklage das erste Mal in ihr Kinderzimmer schlich. „Du darfst das der Mama nicht sagen.“ So oder so ähnlich soll er sich dabei ausgedrückt haben.

In der Wohnung festgenommen

Im Prozess will er davon jedoch nichts wissen. „Ich habe nichts getan“, lässt er die Richter wissen. Mehr will er nicht sagen.

Die Schülerin hatte sich im vergangenen Dezember an ihre Mutter gewandt. Die rief sofort die Polizei. Einer Beamtin, die damals als erste in der Wohnung der Familie aufgetaucht war, hatte die Neunjährige gesagt: „Der hat mit mir rumgespielt.“ Und dabei auf ihren Intimbereich gezeigt. Die letzte Tat soll nur einen Tag zuvor passiert sein.

Der Angeklagte, der sich zu diesem Zeitpunkt in Marl-Mitte aufgehalten haben soll, wurde von seiner Frau unter einem Vorwand per Telefon nach Hause beordert. Dort wurde er sofort festgenommen.

„Das hat weh getan“

Bei ihrer späteren Vernehmung war die Neunjährige noch deutlicher geworden. In allen Details hat sie der Polizei erzählt, was der Angeklagte angeblich mit ihr gemacht hat. „Das hat weh getan“, hieß es in einem Protokoll, das im Prozess verlesen wurde. Und: „Ich fand das eklig.“ Er habe aber immer wieder gesagt, dass er „spielen“ wolle. Auch, wenn sie nein gesagt habe.

Was den 26-Jährigen trotz seiner Unschuldsbeteuerung belastet: Es gibt offenbar eindeutige Spuren an der Unterwäsche des Mädchens. Sie sollen vom letzten sexuellen Übergriff stammen, unmittelbar bevor die Neunjährige ihrer Mutter alles erzählt hat. „Er hat immer gesagt, dass ich meiner Mama nichts erzählen soll“, hatte die Neunjährige den Polizeibeamten gesagt. „Aber ich möchte meiner Mama alles erzählen. Ich finde es nicht schön, was er macht.“

Mädchen muss aussagen

Wie es heißt, hat die Mutter des Mädchens komplett mit dem Angeklagten gebrochen. Sie soll bereits beantragt haben, dass das Sorgerecht der drei gemeinsamen Kinder auf sie übergeht.

Da der 26-Jährige die Taten bestreitet, soll nun als nächstes seine Stieftochter vernommen werden.

Dass es ernst ist, ist dem Angeklagten bewusst. Während des ersten Verhandlungstages hatte es mehrere Unterbrechungen gegeben, in denen ihm die Situation von seinem Verteidiger Tim F. Schubert erläutert wurde.

Im Falle einer Verurteilung drohen dem Angeklagten mehrere Jahre Gefängnis.

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