Landgericht Essen

Kindesmissbrauch: Vater spricht von Turnübungen

Ein Vater aus Marl soll seine anfangs erst achtjährige Tochter sexuell missbraucht habe. Vor Gericht redet er drumherum. Doch es gibt Fotos.
Vor Prozessbeginn: Der Angekalgte im Gespräch mit Verteidiger Dr. Norbert Drees. © Jörn Hartwich

Die Vorwürfe wurden vor rund sechs Monaten bekannt. Eine Grundschülerin aus Marl-Drewer hatte sich an ihre Mama gewandt und Unfassbares erzählt. Jetzt steht der Papa vor Gericht – und redet drumherum.

Es war der 9. Februar 2021, als der 37-Jährige festgenommen wurde. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Gleichzeitig hatte die Polizei kinderpornografische Fotos auf seinem Handy gefunden, die immer nur ein Mädchen zeigen: seine Tochter.

Der Mann, dessen Intimbereich auf den Bildern ebenfalls abgebildet ist, ist nicht zu erkennen. Dass es sich dabei um den Angeklagten handelt, steht allerdings fest. Das hat Verteidiger Norbert Drees gleich zu Beginn des Prozesses vor der 24. Strafkammer des Essener Landgerichts im Namen des 37-Jährigen erklärt.

Massive Vorwürfe

Die Staatsanwaltschaft hat massive Vorwürfe aufgelistet – bis hin zum ungeschützten Geschlechtsverkehr. Doch davon will der Angeklagte nichts wissen. Er habe nie versucht, sich körperlich an seiner anfangs acht Jahre alten Tochter zu vergehen. Dass er kinderpornografische Fotos von dem Mädchen gemacht hat, kann er dagegen nicht bestreiten.

Die Eltern waren damals schon getrennt. Das Mädchen war an jedem zweiten Wochenende beim Papa. „Sie wollte bei mir immer nackt Sport machen“, sagte der 37-Jährige den Richtern. Weil ihr die Kleidung bei Turn-Übungen angeblich an der Hüfte wehgetan habe. Anfangs sei ihm das unangenehm gewesen. „Aber dann habe ich ihr die Freiheit gegeben.“

„Keinen Hintergedanken“

Irgendwann habe er dann begonnen, Fotos zu machen. Auch Nahaufnahmen vom Intimbereich. „Ich hatte dabei aber keinen Hintergedanken.“ Seine Tochter habe alles freiwillig gemacht. „Auch, wenn es vielleicht so aussieht: Ich habe sie nie aufgefordert, zu posieren.“

Genau das sieht die Staatsanwaltschaft jedoch anders. Und auch die Richter sind skeptisch. „Ich verstehe nicht, warum Sie solche Bilder gemacht haben“, sagte der Vorsitzende Sebastian Jordan mehr als einmal. Vor allem, da es ja auch Nahaufnahmen gebe, auf denen auch der Intimbereich des Angeklagten zu sehen ist.

Mädchen als Zeugin?

Warum sich der Angeklagte überhaupt selbst entkleidet hat, versuchte der 37-Jährige zum Prozessauftakt so zu erklären: „Vielleicht wollte ich etwas spüren.“ Doch das sei nie der Fall gewesen.

Die Richter hatten eigentlich gehofft, dass sie das Mädchen nicht als Zeugin vernehmen müssen, um die heute Zehnjährige nicht weiter zu belasten. Das könnte sich nun jedoch ändern.

Sollte es dazu kommen, müsste die Schülerin vor Gericht in allen Details schildern, was bei den Wochenendbesuchen beim Vater passiert sein soll. Der Prozess wird fortgesetzt.

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