Grimme-Preis in Marl: Jung und alt wünschen sich Innvoation im TV

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Yvonne Overkott, 44 Jahre alt, im Marler Stern sitzend im Untergeschoss auf einer Bank.
Yvonne Overkott (44) kennt den Grimme-Preis gut. Gelegentlich schaut sie noch fern, würde sich aber ein niveauvolleres und innovativeres Angebot vor allem bei Privatsendern. © Sophia Wibbeke
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Am Freitag, dem 26. August, findet die Verleihung des Grimme-Preises im Theater Marl statt. Nachdem Corona-Auflagen die Veranstalter in den letzten Jahren etwas ausgebremst hatten, soll es nun wieder größer werden. Doch wie relevant ist der größte deutsche Fernsehpreis noch für Marler Bürgerinnen und Bürger. Einige verrieten es uns am Donnerstagnachmittag (25.08.) im Marler Stern.

Eingang des Marler Sterns, Obergeschoss.
Im Marler Stern zeigte sich ein interessantes Bild. Jüngere Leute wissen nicht vom Grimme-Preis. Mehr noch: Sie schauen nur noch wenig fern. Selbst Streamingdienste scheinen nicht beliebt. © Sophia Wibbeke

„Grimme-Preis? Natürlich kenne ich den! Der findet morgen hier im Theater statt“, platzte es direkt aus Yvonne Overkott hervor. Die 44-Jährige konnte sofort etwas mit der Preisverleihung anfangen. Ihr 21-jähriger Sohn Joel war, wie er selbst sagt, „direkt bei der Frage schon raus.“

Fernsehen zwischen den Generationen

Während Mutter Yvonne selbst einige Nominierte kannte, war der Sohn ratlos. Fernsehen gucke er nicht, sagt er. Ebenso seien Streaminganbieter wie Netflix nicht wirklich seins. Der Hobbysportler schaut eher Bodybuilding Videos. Die gebe es auf Bedarf auf Sportseiten und Youtube. Er sei da nicht an einen Sendeplan gebunden.

Nicht ganz so streng sieht das seine Mutter. Sie könne gerade dem Abendprogramm in den Sendern des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks etwas abgewinnen. Zumindest, wenn das Programm Informationsgehalt habe. Sie teile Kriterien der Grimme-Preis-Jury: Fernsehformate müssten Qualität haben.

Der Fernsehlandschaft fehlen Innovationen

Schnell kam sie mit ihrem Sohn darauf, was ihr im Fernsehen fehle: Gehaltvolle Inhalte, die die eigenen Bedürfnisse und Hobbys spiegeln. Im Fall von Yvonne Overkott ist das Heim- und Gartenbau. „Das ist auch mein Hobby und ich lasse mich gern inspirieren“, sagt Overkott. Was aber aufhören müsse, sagen beide, sei das „einfallslose“ Programm der Privatsender. Daraus könnten sie nichts ziehen, sagen sie.

Filme und Serien? Ich gehe lieber raus!

Einen Schritt weiter ging eine 17-jährige, die gern ungenannt bleiben möchte: „Den Grimme-Preis kenne ich nicht. Aber ich schaue eh kein Fernsehen. Mir sind selbst Netflix und Co zu wenig innovativ.“

Sie finde, die neuesten Serien und Blockbuster seien ebenso wie das Fernsehprogramm nicht kreativ genug. Da gehe sie lieber raus. Selbst in den Corona-Jahren sei es bei ihr und ihrem Freundeskreis so gewesen. „Nein, auch in der Isolation habe ich nichts gestreamt. Wofür gibt es Facetime?“, fragt sie rhetorisch.

Persönlich statt über Facetime treffen sich an diesem Freitag die Gäste zur Verleihung des 58. Grimme-Preises. Neben Kulturstaatsministerin Claudia Roth kommen Comedy-Größen wie Anke Engelke, Bjarne Mädel, Kurt Krömer und Thorsten Sträter.

Die Verleihung beginnt um 19.15 Uhr, wird jedoch für Interessierte erst zeitversetzt, um 22.25 Uhr im Sender 3sat ausgestrahlt.