Kostenlose Beratung im Rathaus

So kann man sich in Oer-Erkenschwick vor Überflutungen schützen

Wie kann ich mich vor Überflutungen schützen? Diese Frage stellen sich nach dem jüngsten Starkregen viele Bürger. Ratschläge gibt es von den Tiefbauingenieuren im Rathaus - kostenlos.
Im Steinrapener Bach (Foto) fließt nur noch Regenwasser von Oer-Erkenschwick in Richtung Dattelner Mühlenbach. Das Schmutzwasser wird unterirdisch zur Kläranlage in die Kanalstadt geführt. © Jörg Gutzeit

Woran sich angesichts der furchtbaren Schadensbilder nach dem Hochwasser im nordrhein-westfälischen Bad Münstereifel kaum noch jemand erinnert: 1972 sind Sportler aus Oer-Erkenschwick im Stimbergstadion gegen ein Team aus der 18.500-Einwohner-Stadt im Zuge des Wettbewerbs „Spiel ohne Grenzen“ angetreten. Moderator war damals Camillo Felgen und der Wettbewerb wurde im WDR-Fernsehen übertragen.

Heute bestimmen stattdessen Bilder von gigantischen Hochwasser-Schäden die Berichterstattung. Klassische Hochwasser-Zerstörungen kann es in Oer-Erkenschwick zwar nicht geben, weil es im Stadtgebiet keine Gewässer gibt, die eine solche Zerstörung anrichten könnten. Aber Überflutungen aus dem Abwasser-Kanalnetz sind dagegen möglich. Doch die Bürger können selbst einiges tun, um sich und ihr Wohneigentum zu schützen. Die Stadt hilft dabei.

Manche Probleme in Oer-Erkenschwick sind hausgemacht

„Nicht wenige Überflutungsprobleme in Oer-Erkenschwick sind hausgemacht“, erzählt der Technische Beigeordnete der Stadtverwaltung, Bernd Immohr, und nennt folgendes Beispiel. „Heutzutage dienen Fahrbahnen wie beispielsweise die Lohhäuser Straße bei Starkregen auch als Abflüsse. Das ist so gewollt, weil es bei Starkregen zu kurzfristigen Überlastungen des Kanalnetzes kommen kann. Um das Wasser im Straßenbett zu halten, werden höhere Bordsteine verwendet. Wenn nun jemand hingeht und sich mit Zement selbst eine Bordsteinauffahrt zu seiner dann noch tiefer als die Straße liegenden Garage baut, dann ist die Katastrophe vorprogrammiert“, erläutert Immohr.

Funktionierende Rückstausicherung ist in Oer-Erkenschwick wichtig

Obwohl die Stadt Oer-Erkenschwick und zuletzt auch der Lippeverband viel Geld in die Kanalisation, die Trennung von Schmutz- und Regenwasser sowie in ober- und unterirdische Rückhaltebecken ausgegeben hat, sind Systemüberlastungen bei Starkregen nie auszuschließen. „Deshalb ist es wichtig, dass Hauseigentümer auch auf eine funktionierende Rückstausicherung achten“, sagt Immohr.

Überhaupt sollte sich jeder Hauseigentümer über die Lage und das Niveau der Abwasserkanäle an seinem Haus informieren. Problematisch sei auch, dass sehr viele Keller heute nicht nur als Lager-, sondern auch als Wohn- und Partyfläche genutzt werden. Im Keller nachträglich eingebaute Abflüsse oder Toiletten können dann genauso wie schlecht gesicherte Lichtschächte zu einer Gefahr werden, weil sich das Wasser dadurch in den Keller drücken kann.

Hauseigentümer können sich im Rathaus beraten lassen

Was ist zu tun? „Hauseigentümer sollten sich von uns beraten lassen. Unsere Mitarbeiter stehen dazu nach telefonischer Terminvereinbarung zur Verfügung. Sie verfügen nicht nur über die Informationen zum Kanalverlauf, sondern können auch einzelfallbezogene Schutztipps geben. Und außerdem können wir mit dem Kanal-TV-Wagen den Hausanschluss überprüfen. Die Beratung ist kostenlos“, sagt Bernd Immohr. Terminabsprachen sind telefonisch unter 02368/6910 möglich.

Immohr ist sicher, dass die jetzt gemachten Überflutungserfahrungen in der gesamten Bundesrepublik bald auch in das Baurecht einfließen. „Denn nun wird wegen des für alle spürbaren Klimawandels das Bewusstsein dafür geschärft. Übrigens auch dafür, dass man unbedingt darauf achten sollte, sich gegen Elementarschäden zu versichern“, sagt Immohr.

Mulden sollen in Oer-Erkenschwick gegen Überflutungen helfen

Wie man schon beim Bauen Maßnahmen gegen mögliche Überflutungen ergreifen kann, zeige sich am Neubaugebiet Lohhäuser Feld. Dort wurden die Bauplatzeigentümer vertraglich dazu verpflichtet, über jeweils eine abfallende Mulde das Regenwasser zum benachbarten Hilgenbach abzuleiten. So sollen zusätzliche Regenwasserbelastungen des unteren Lohhäuser Bergs und damit beispielsweise überflutete Kellerräume vermieden werden.

DESHALB SCHAFFT DAS KANALNETZ DIE REGENMENGE NICHT

  • Grundsätzlich ist das 105 Kilometer lange Abwasserkanalnetz in O-E mit unterirdischen Rückhaltespeichern von 23 000 Kubikmetern für die durchschnittlichen Jahres-Regenmengen ausreichend groß.
  • Bei Starkregen kann es aber zu einem Rückstau in den Abwasserrohren der Häuser kommen. Folgendes Beispiel macht deutlich, warum das so ist.
  • Die baulich versiegelte Fläche in der Stadt beträgt rund zwölf Quadratkilometer. Bei Starkregen mit 40 Litern pro Quadratmeter fallen rund 500.000 Kubikmeter Oberflächenwasser auf einmal an. Das entspricht einem See in der Größe von etwa fünf Fußballfeldern und einer Tiefe von zehn Metern. Das, so der Technische Beigeordnete Bernd Immohr, schafft kein Kanal.

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