Bäume in Recklinghausen lechzen nach Wasser – und die Bürger können helfen

Redakteurin
Ein Mann gießt einen Baum in Recklinghausen
Jeder Tropfen zählt: Marcel Völlmer übernimmt derzeit vertretungsweise das Gießen eines Ahorns am Elper Weg in Recklinghausen. © Kathrin Grochowski
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Die anhaltende Trockenheit ist für die Bäume im Stadtgebiet eine Belastungsprobe. Mitarbeiter der Kommunalen Servicebetriebe Recklinghausen (KSR) sind schon seit Wochen mit zwei großen Schleppern mit Gießwagen im Einsatz, zusätzlich unterstützen weitere Kleinfahrzeuge die Gieß-Aktion. Auch die Bürger können mithelfen, indem sie die Bäume und Sträucher vor ihrer Haustür wässern. „Ein paar kräftige Schauer können den derzeitigen Wassermangel nicht ausgleichen“, sagt Andreas Kante von den KSR. „Deshalb freuen wir uns über jede Unterstützung aus der Bevölkerung.“ So könnten das Anwachsen der Bäume gefördert und das Risiko ausfallender Bäume gemindert werden.

Bei Frank Lumpe fällt dieser Appell auf fruchtbaren Boden. Er kümmert sich seit Jahren um den Ahorn vor seiner Haustür am Elper Weg, ist einer der offiziellen Grün- bzw. Gießpaten der Stadt. „Und ich meine, dass sich der Baum super erholt hat, seitdem er regelmäßig Wasser bekommt“, sagt Lumpe. Der in etwa gleich alte Ahorn auf der gegenüberliegenden Straßenseite, um den sich niemand kümmert, sieht im Vergleich deutlich verkümmerter aus. Rund um den Ahorn hat Lumpe vier Hibisken gepflanzt, die nach und nach in Blüte stehen. Ansonsten aber ist das Karree derzeit eher naturbelassen – „sieht nicht sehr ordentlich aus, ist aber gut für Insekten“, sagt Lumpe. Und er hofft, Nachahmer zu finden, schließlich sei praktischer Umwelt- und Naturschutz etwas, das alle angehe. „Dafür bin ich auch gerne bereit, etwas mehr Wassergeld zu zahlen.“

Eine bepflanzte Baumscheibe in Recklinghausen
Schön anzuschauen und obendrein nützlich: Diese Baumscheibe an der Limperstraße in Höhe des Amtsgerichts ist mit bunten Blumen bepflanzt und bietet so Insekten Nahrung. © Kathrin Grochowski

KSR kalkulieren mit 150 Litern Wasser pro Baum und Woche

Für Bürger, die ebenfalls die Bäume bewässern wollen, haben die KSR einige Tipps zusammengestellt:

– Zum Gießen sauberes Leitungswasser oder aufgefangenes Regenwasser verwenden.

– Idealerweise möglichst spät am Tag wässern.

– Das Wasser gleichmäßig im Baumbeet verteilen. Bei sehr jungen Bäumen (ein bis drei Standjahre) ist meist noch ein funktionierendes Bewässerungssystem vorhanden. Der Wurzelballen ist hierbei von einem Drainschlauch umgeben, der die Bewässerung gewährleistet. Das Ende dieses Schlauchs ist mit einer Metallhülse und einer Abdeckung etwa auf Bodenniveau im Baumstandort verbaut. Wenn die Abdeckung entfernt werden kann, ist eine Bewässerung über das Rohrsystem sinnvoll. Sollte das System verstopft sein, ist eine Bewässerung über die Baumscheibe möglich.

– Pro Baum und Woche sollten es etwa 150 Liter Wasser sein.

Auf der Internetseite der Stadt Recklinghausen gibt es eine virtuelle Bewässerungskarte. Darauf sind 3.343 Straßenbäume aus den Pflanzjahren 2004 bis 2022 gekennzeichnet, die einen Extraschluck derzeit gut gebrauchen können. Über eine Adress-Suchfunktion können die User nachschauen, ob der Baum vor der eigenen Haustür es ebenfalls nötig hat, gegossen zu werden.

Zwei Männer füllen einen Gießsack an einem Baum in Recklinghausen mit Wasser
Mit vereinten Kräften: Thomas Ewert (l.) und Marcel Völlmer füllen am Elper Weg einen der Gießsäcke, die der Kreis Recklinghausen neuerdings auf Anfrage an die Bürger ausgibt. Durch diese Art der Bewässerung soll das Wasser besser von den Bäumen aufgenommen werden. © Kathrin Grochowski