Inzidenzstufe 1

„Jetzt geht alles wieder rückwärts“

Ab heute gelten wieder mehr Einschränkungen in der Stadt. Weil die Sieben-Tage-Inzidenz acht Tage in Folge bei über zehn lag, greift die Inzidenzstufe 1. Geschäftsinhaber sind voller Sorge.
Elli Rottmann (l.) und Heike Spitzer von der Modeboutique „en Vogue“ in der Krim haben trotz wiederkehrender Einschränkungen immer ein Lächeln auf den Lippen. © Oliver Kleine

„Wie soll das weitergehen?“, fragt Kino-Betreiber Kai-Uwe Theveßen. Seit Tagen blickt er mit Schrecken auf die Corona-Zahlen – und die verheißen nichts Gutes. Die Infektionen steigen stetig an. Seit Montag gilt die Landesinzidenzstufe 1, ab Dienstag, 27. Juli, gelten die regionalen Regeln der Inzidenzstufe 1 im Stadtgebiet.

Und die bringt wieder Einschränkungen mit sich: Für den Einzelhandel gilt: ein Kunde pro zehn Quadratmeter. Treffen sind mit beliebig vielen Personen aus maximal fünf Haushalten oder mit maximal 100 Personen aus beliebig vielen Haushalten mit negativem Testnachweis erlaubt. Für Gastronomie, Geschäfte und den Freibadbesuch ist der negative Testnachweis nicht notwendig.

Zwei Wochen in Inzidenzstufe 0

„Es war absehbar, dass die Zahlen wieder steigen werden“, sagt Kai-Uwe Theveßen. „Das haben die umliegenden Städte und Länder gezeigt.“

Wegen dieser Ahnung hat der Kino-Chef die Corona-Regeln für den Kinobesuch gar nicht erst gelockert. Nun werden die Maßnahmen ganz einfach beibehalten.

Seiner Ansicht nach hätte die Inzidenzstufe 0 noch gar nicht so früh greifen dürfen. Sie galt gerade mal zwei Wochen lang – vom 9. bis 25. Juli. Theveßen könne verstehen, dass sich die Menschen nach Freiheiten sehnen und in den Urlaub fahren wollen. „Das möchte ich doch auch, aber wir Kinobetreiber und auch die Gastronomie sind doch die Ersten, die wieder schließen müssen, wenn es so weitergeht. Die Menschen bekommen gerade ihre Freiheiten zurück und wir stehen hinten an. Das kann doch so nicht weitergehen. Wo sind meine Rechte?“

Sorge vor weiterem Lockdown ist groß

Die Textilbranche zeichnet ein ähnlich trübes Stimmungsbild. Zwar seien die neuen Beschränkungen noch minimal, doch die erste Jahreshälfte steckt den Gewerbetreibenden noch hart in den Knochen. Ulrike Brummel, Mit-Inhaberin von Ruhrland-Textil: „Ich bete, dass wir nicht wieder in Bedrängnis kommen und schließen müssen. Immer wieder schließen und wieder aufmachen – das kann ja auch keine Lösung sein. Das überlebt kein Gewerbetreibender.“

Erhoffter Einkaufs-Boom blieb aus

Das bestätigt auch Dagmar Sogemeier. Ihr gehört die Modeboutique „en Vogue“ an der Wiethofstraße in der Krim. „Der erhoffte Boom nach dem langen Lockdown ist ausgeblieben. Die Urlaubslust der Menschen, die Flutkatastrophe und auch die steigenden Inzidenzen führen vermutlich dazu, dass die Frequenz hier in der Krim wieder abnimmt.“ Astrid Krakor von Feinkontor Anno 1773 an der Großen Geldstraße: „Das unsichere Gefühl bleibt bestehen. Wir schauen schon mit bangen Blicken Richtung ‚Recklinghausen leuchtet‘ und Weihnachtsmarkt.“

Info: Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) der Stadt sei laut einer Rathaussprecherin „nach wie vor intensiv in die Kontrollen der Coronaschutzverordnung eingebunden“ und werde je nach Änderung die Kontrollen angepasst durchführen. Seit Beginn der Pandemie verzeichnet die Stadt 2063 Ordnungswidrigkeitenverfahren. Davon entfallen auf das Jahr 2020 genau 1032 Verfahren, auf das Jahr 2021 bisher 1031. Alle Regeln der Inzidenzstufe 1 gibt es hier zum Nachlesen.

Und das sagen Bürger:

Janine Krupka © Oliver Kleine © Oliver Kleine

Janine Krupka: „Das war ja vorauszusehen. Man selbst verhält sich vorsichtig, aber wenn man andere sieht, kann man nur mit dem Kopf schütteln. Viele halten keinen Abstand und tragen auch keine Masken, wenn es eng wird. Die Menschen wiegen sich in Sicherheit und werden leichtsinnig. Im Herbst werden die Zahlen sicher steigen.“

Marion Posma © Oliver Kleine © Oliver Kleine

Marion Posma: „Ich habe das kommen sehen. Wie leichtsinnig manche Menschen mit der neu gewonnenen Freiheit umgehen. Die jetzigen Zahlen sind noch nicht das Ende der Fahnenstange. Da muss man nur in die Niederlande oder nach England schauen. Und es ist ja erst die Hälfte der Menschen geimpft.“

Marlies Kappert © Oliver Kleine © Oliver Kleine

Marlies Kappert: „Ich denke, dass die Zahlen weiter steigen. Wir bekommen wahrscheinlich eine vierte Welle. Das kann man wohl nicht verhindern, weil sich doch viele nicht impfen lassen wollen. Ich fürchte, es wird wieder zu mehr Einschränkungen kommen.“

Verena und Sascha Schmieder mit Emilia © Oliver Kleine © Oliver Kleine

Verena und Sascha Schmieder: „Wir sind geimpft. Ich hoffe, dass die, die es noch nicht sind, nachziehen. Damit es nicht so schlimm wird. Damit vor allem der Präsenzunterricht an den Schulen für die Kinder erhalten bleibt.“

Der Abend in Herten

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt