Gesprengter Geldautomat in Recklinghausen: Großer Knall vor einem Jahr

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Ziemlich zerstört präsentierte sich die SB-Filiale nach der Sprengung. © Privat
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Es war kurz vor 3 Uhr in der Nacht zu Dienstag (28.12.), als es in Suderwich mächtig gerummst hat: Unbekannte haben den Geldautomaten der Sparkasse Vest in der SB-Filiale an der Sachsenstraße („Suderwicher Heide“) gesprengt. „Zeugen berichten, dass es dreimal laut geknallt habe“, sagt Polizeisprecherin Corinna Kutschke.

Die Explosionen reißen viele Suderwicher aus dem Schlaf, selbst in Röllinghausen und Oer-Erkenschwick sind die Detonationen zu hören. Und spätestens der Hubschrauber, den die Polizei kurz nach der Automatensprengung an der Ecke Sachsenstraße/Töpferplatz bei der Suche nach den drei Verdächtigen einsetzt, schreckt viele Menschen auf.

Täter tragen die Beute in einer Plane zum wartenden Fluchtwagen

In der Facebook-Gruppe „Suderwich – da komm wa her“ überschlagen sich noch in der Nacht die Meldungen von Usern, die unsanft geweckt worden sind. „Hier hat alles gewackelt“, berichtet eine Anwohnerin. Nur wenig später tauchen erste Bilder auf, auf denen das Ausmaß der Zerstörung deutlich wird: Die Straße ist voller Trümmer und Scherben, die durch die Wucht der Explosionen meterweit geflogen sind. Am Morgen dann postet eine Userin ein spektakuläres Video, das die Tat zeigt: In dem 1:45-minütigen Clip ist zu sehen, wie eine dunkel gekleidete Gestalt mit Stirn- und Taschenlampe durch den aufgesprengten Sparkasseneingang ins Innere läuft. Während aus dem Gebäude Qualm aufsteigt, bleibt unmittelbar davor ein dunkler Kombi stehen. Kurz darauf kommen zwei Personen durch das weggesprengte Seitenfenster. Sie tragen eine Plane, in der sich mutmaßlich das erbeutete Bargeld befindet, zu dem wartenden Auto und wuchten es auf die Rückbank. Die Männer steigen ein, der Wagen braust in Richtung Ehlingstraße davon. Ein Zeuge berichtet später, dass ein Audi an ihm vorbeigefahren sei – „und das nicht langsam“.

Feuerwehr und THW müssen Sparkassen-Bau sichern und abstützen

Bei Tageslicht wird das Ausmaß der Explosionen erst richtig deutlich. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk sind im Einsatz, um den schwer beschädigten Sparkassen-Bau abzustützen und zu sichern. Vorsorglich wird das benachbarte Wohngebäude evakuiert, Experten untersuchen die Statik. Die Fachleute der Spurensicherung inspizieren das Trümmerfeld. „Wir gehen davon aus, dass die Explosion mit Sprengstoff herbeigeführt wurde“, sagt Polizeisprecher Andreas Lesch auf Anfrage. Am Nachmittag meldet die Polizei, dass die Bewohner ins Haus zurückkehren dürfen. Wie hoch der Gebäudeschaden ist, steht noch nicht fest.
Die Fahndung nach den Tätern, bei der die Polizei auch einen Hubschrauber einsetzt, verläuft erfolglos. Personenbeschreibungen gibt es nicht, auf dem Zeugenvideo ist lediglich zu erkennen, dass die beiden Täter, die aus der Bank laufen, komplett schwarz gekleidet sind und schwarze Sturmhauben sowie helle Turnschuhe bzw. dunkle Turnschuhe mit weißer Sohle tragen. Der Komplize, der den Fluchtwagen steuert, ist nicht zu erkennen. Hinweise nimmt die Polizei unter Tel. 0800/2361111 entgegen.

Die Sparkassen-Filiale an der Sachsenstraße war im Frühjahr 2019 in die Schlagzeilen geraten, als das Kreditinstitut angekündigt hatte, den Standort zu schließen und als reine Selbstbedienungsfiliale weiterzuführen. Die Empörung in Suderwich war groß, drei Senioren starteten daraufhin eine Unterschriftenaktion, an der sich rund 1500 Bürger beteiligten. Den Erhalt der Filiale konnten sie nicht erreichen, im Februar 2020 war lediglich test- und stundenweise wieder Personal an der Sachsenstraße. Als die Sparkassen-Filiale an der Schulstraße im Vorjahr modernisiert wurde, feierte der Standort „Suderwicher Heide“ ein mehrmonatiges Comeback. Dass dort in absehbarer Zeit zumindest wieder ein Geldautomat steht, erscheint nach den Ereignissen der Nacht allerdings sehr unwahrscheinlich.