Ermittlungen auf Hochtouren

Geldautomaten-Sprengungen in NRW haben sich mehr als verdoppelt

Eine mehrere Hundert Mann starke Szene aus den Niederlanden hat sich auf Geldautomaten-Sprengungen in NRW spezialisiert. Die Zahlen sind alarmierend, die Ermittler arbeiten auf Hochtouren.
Ein Polizist bei der Schadensaufnahme nach einer Geldautomatensprengung im Januar 2022 bei der Volksbank in Dorsten.
Die Schäden, die Geldautomaten-Sprengungen anrichten, sind meist immens. Das Bild zeigt die Schäden nach einer Tat Anfang des Jahres in Dorsten. © Bludau/Archiv

Die Zahl der Sprengattacken auf Geldautomaten hat sich in Nordrhein-Westfalen in der ersten Jahreshälfte laut Polizei mehr als verdoppelt. Bis Ende Juni seien 105 Sprengattacken gezählt worden, teilte das Landeskriminalamt in Düsseldorf auf Anfrage mit. In den ersten sechs Monaten des Vorjahres waren es 44 Angriffe. Zu Jahresbeginn hatte sich der Anstieg zwischenzeitzeitlich sogar verfünffacht.

Im vergangenen Jahr waren in NRW 151 Attacken registriert worden. Das entsprach einem Rückgang von 14 Prozent im Vergleich zum Rekordjahr 2020, als 176 Sprengattacken gezählt wurden. Setzt sich die Zahl der Sprengattacken in diesem Jahr in gleicher Intensität fort, dürfte der Rekord von 176 Explosionen überschritten werden.

Zusätzliche Sonderkommission im Innenministerium

Im Frühjahr hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) den Kampf gegen die Gangster verschärft. Nachts sei die Polizei landesweit „mit allen verfügbaren Kräften auf der Straße“, hatte er gesagt. Eine neue zusätzliche Sonderkommission im Innenministerium soll den Druck auf die Täter zusätzlich erhöhen.

„Geldautomatensprengungen sind ein Phänomen, das uns seit Jahresanfang wortwörtlich um die Ohren fliegt“, hatte Reul gesagt. Die Taten seien seit dem Auftreten des Phänomens noch gefährlicher geworden, weil die Gangster vermehrt zu Sprengstoff statt Gas griffen, um die immer besser gesicherten Automaten zu knacken.

Die Ermittler der LKA-Sonderkommission „Heat“ gehen davon aus, dass viele der Explosionen auf das Konto einer mehrere Hundert Mann starken Szene nordafrikanischer Einwanderer in den Niederlanden gehen. Den Ermittlern waren aber auch immer wieder deutsche Verdächtige als Nachahmer ins Netz gegangen.

13 Festnahmen vor wenigen Tagen – 35 Handys in Recklinghausen

Wegen ihrer Vorliebe für hochmotorisierte PS-starke Fluchtwagen der Marke Audi waren die Gangster in den Medien als „Audi-Bande“ bezeichnet worden. Erst vor wenigen Tagen hatten die Ermittler 13 Festnahmen mutmaßlicher Automatensprenger mitgeteilt. Bei der Razzia fanden die Beamten allein 35 Handys in Recklinghausen.

In Nordrhein-Westfalen gibt es rund 11.000 Geldautomaten. Sie werden derzeit einer Gefahrenbewertung unterzogen. Nicht nur eine Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen, auch ein Abbau von Automaten an besonders gefährdeten Standorten ist nicht mehr tabu.

dpa/kar


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